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Julius Andrews - Auf seinem Weg in die Zaubererwelt von Thorsten Oberbossel

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Der erste Montag in den Sommerferien erwachte mit einem strahlenden Sonnenaufgang. Mildrid und Julius genossen dieses lautlose Naturereignis in ihrem nach außen schalldichten Ehebett. Julius genoß den Anblick, den Millies verstruweltes Haar bot. Der rotblonde Schopf seiner Frau schien im orangeroten Morgenlicht wider wie ein Mehr aus flammenlosem Feuer. Sie genoß es, wie er sie ansah und streckte sich genüßlich aus. sie kuschelte sich an Julius Körper und hauchte ihm zu:

"Fühlt sich ganz anders an, wenn es um was geht, Monju. Findest du nicht?"

"Das kann ich so nicht sagen. Ich fand es genauso schön wie früher auch schon. Hatte gedacht, es wäre jetzt mehr Stress dabei."

"Wir haben ja auch anderthalb Monate Zeit, Süßer", säuselte Mildrid. Julius wagte nicht zu sagen, daß er sich schon sorgte, ob er und sie überhaupt ein Kind zustandebringen konnten. Denn daran würde ihre knapp zwei Jahre junge Ehe nämlich scheitern, wenn nicht. Er hoffte nur, daß die Instinkte der Latierres, sich die passenden Partner auszusuchen, ihr und ihm beistanden. Sie fühlte wohl, daß er doch nicht so ganz unbesorgt war und kuschelte sich noch enger an ihn. Da erklang das magisch erzeugte Glockenspiel: "Wie leuchtet mir der Apfelbaum".

"Och nöh, nicht jetzt", grummelte Millie und langte aus dem Bett nach der Armbanduhr, die auf dem Nachttisch lag. Julius fischte ebenfalls nach seiner Armbanduhr, die er nur in Ausnahmefällen ablegte. Die Weltzeitarmbanduhr sagte ihm, daß in seinem Geburtsland gerade acht Uhr morgens und hier in Frankreich schon neun Uhr vorbei war. Ja, es war letzte Nacht wirklich spät geworden.

"Ich geh runter und seh nach, wer zu uns will", raffte sich Julius auf. Millie grummelte etwas, das von der Tonlage her ein Einverständnis sein mochte. Mit Hilfe des Schnellankleidezaubers schlüpfte Julius in Unterzeug und tannengrünen Umhang. Er konzentrierte sich auf die runde Halle in der unteren Hälfte des Apfelhauses und vollführte mit erhobenem Zauberstab eine rasche Drehung. Es ploppte leise. Millie grinste. Sie blieb im Bett, so frei und unbeschwert, wie die Natur sie erschaffen hatte. Sie hörte von unten her, wie Julius sich mit Barbara van Heldern unterhielt. Die junge Mutter schien sich richtig zu amüsieren, für ihre Mutter und den neuen Dorfrat für Gesellschaftsangelegenheiten die Botenhexe zu geben. Es dauerte zwei Minuten, da ploppte es erneut, und Julius stand wieder im Schlafzimmer.

"Barbara van Heldern macht die Runde und hat für uns Einladungen zu einer unverbindlichen Bürgerversammlung heute Abend abgeliefert. Die ganzen Ratseulen sind noch alle irgendwo in der Welt unterwegs, und Barbara nutzt das, um nach Berenices Geburt wieder richtig in Form zu kommen. Ich soll dich schön grüßen."

"Hast du der gesagt, ich sei noch im Bett?" Fragte Millie etwas verdrossen.

"Nöh, ich habe der gesagt, du seist in der Badewanne. Die müssen sich nicht unbedingt die Mäuler drüber zerreißen, was wir mit unserer vielen freien Zeit anfangen."

"Bürgerversammlung. Was soll die? Ich war noch nie bei sowas", grummelte Millie. Julius winkte zur Antwort mit zwei Umschlägen und schnippte seiner Frau einen davon zu. Millie setzte sich auf und befreite einen Pergamentzettel aus dem Umschlag. Sie überflog ihn und las dann laut vor:

"Sehr geehrte Madame Latierre, zeitgleich mit Ihrem Gatten erhalten Sie eine Einladung, heute Abend im Rathaus von Millemerveilles an einer Versammlung sämtlicher volljährigen Bürgerinnen und Bürger teilzunehmen, da es im Zuge der nächste Woche beginnenden Quidditch-Weltmeisterschaft noch letzte organisatorische Fragen zu klären gilt. Wir hoffen zuversichtlich darauf, daß Sie und Ihr Gatte uns bei der Klärung dieser letzten Fragen behilflich sein können und wollen. Falls Sie an der Versammlung teilzunehmen wünschen, kommen Sie heute abend um acht Uhr in den großen Saal des Gemeindehauses. Diese Mitteilung ist eine Einladung und keine verbindliche Aufforderung. Falls Sie nicht kommen möchten oder aus Ihnen wichtigen Gründen nicht kommen können benötigen Sie keine Entschuldigung oder Rechtfertigung.

Um zu wissen, wozu diese Versammlung vorgeschlagen und angesetzt wurde hier die drei zu erörternden Tagesordnungspunkte:

Erstens möchten wir von Ihnen wissen, ob Sie bereits Besucher der Weltmeisterschaft erwarten und ob Sie diese in Ihren eigenen Wohnräumen unterzubringen wünschen oder weitere Unterbringungsmöglichkeiten erbitten müssen.

Zweitens geht es darum, die Sehenswürdigkeiten unseres geschätzten Heimatortes in vorzeigbaren Zustand zu versetzen, sofern dies aus Zeit- und Personalgründen noch nicht geschehen konnte. Freiwillige, die in der grünen Gasse, dem Tierpark, den Schattenhäusern oder dem Musikpark helfen wollen sind uns herzlich willkommen.

 

Drittens beantragte Madame Hippolyte Latierre, die Leiterin der Abteilung für magische Spiele und Sport, daß zu den zwanzig ministeriellen Besucherbetreuern noch weitere, ortsansässige Betreuer mit Fremdsprachenkenntnissen angeworben werden mögen. Das Ministerium hat für diese zeitweilige Betätigung ein Honorar von einhundert Galleonen pro Person für die ganze Weltmeisterschaft bereitgestellt. Madame Hippolyte Latierre möchte eine Liste zusätzlicher Besucherbetreuerinnen und -betreuer bis kommenden Mittwoch vorliegen haben.

Sollten diese drei Punkte nicht Ihr Interesse finden oder Sie wie erwähnt aus anderen Gründen nicht die Zeit aufbringen, der Versammlung beizuwohnen, wird Ihnen daraus kein Nachteil erwachsen.

Mit freundlichen Grüßen, Nestor Bouvier, Rat für gesellschaftliche Angelegenheiten zu Millemerveilles."

"Ich dachte, Hippolyte hätte mit den Leuten hier schon alles geklärt", wunderte sich Julius.

"Sie schickte mir den Schmetterling mit einer kurzen Zusammenfassung, wie weit alles ist. Das mit den mehrsprachigen Ortsansässigen solten demnach die Leute hier klären, wenn die Ferien seien, weil sie drauf hoffen, daß wir von Beaux da noch einen tollen Ferienberuf abräumen können, wenn wir wollen. Der Spiele- und Sportabteilung geht's auf jeden Fall geldlich ziemlich gut. Die Vereine haben noch mal so viel von der Lizenzgebühr für die Ligamitgliedschaft draufgeschüttet, um die Weltmeisterschaft hier bloß nicht vor dem ersten Spiel verhungern zu lassen. Aber dieser Bouvier ist wohl mal Beamter gewesen, daß der so schreibt."

"Eleonore Delamontagne hätte bei sowas auch so'ne Schreibweise benutzt", erwiderte Julius darauf grinsend. Millie fragte ihn dann noch, ob er auch dort hingehen wolle. Er überlegte kurz und nickte schließlich.

"Ich habe nur das Problem, daß ich nicht weiß, ob ich bei Punkt zwei oder Punkt drei mitmachen soll oder doch besser die anderen machen lassen soll. Das mit den Fremdsprachenkenntnissen liest sich ja wie für mich geschrieben."

"Das habe ich mir glatt gedacht, daß du das jetzt sagst", grinste Millie. "Warum nicht. Wenn wir dabei die Spiele sehen können, die wir sehen wollen und dieses Figurenverschiebespiel dafür ausfällt."

"Glaubst du nicht wirklich, Millie, wo Eleonore und Blanche darauf brennen, Oma Line endlich aus dem Turnier zu kegeln", erwiderte Julius. Dann sagte er, daß er zu der Versammlung hingehen würde. Millie wiegte kurz ihren Kopf und stimmte dann auch zu. Danach schlug sie vor, daß sie beide nun ins Bad verschwanden, um sich tagesfertig zu machen.

Die jungen Eheleute apparierten jeder für sich in der Nähe des Gemeindehauses. Besen flogen heran. Weitere Hexen und Zauberer apparierten, darunter Uranie Dusoleil. Florymont blieb zu Hause und paßte mit Denise auf seine jüngste Tochter und seinen Neffen auf.

Julius wunderte sich schon längst nicht mehr, daß in einen von außen klein wirkenden Bau die ganze Dorfbevölkerung hineinpaßte. Offenbar war ein flexibler Rauminhaltsvergrößerungszauber eingerichtet, der den großen Versammlungssaal unmerklich immer größer machte, so das jeder und jede unbeengt dort sitzen konnte. In der Mitte des Raumes war ein Podest mit einem Rednerpult aufgebaut worden. Julius und Millie setzten sich zu Camille und Uranie Dusoleil. Jeanne war zu Hause geblieben. Als werdende Zwillingsmutter mutete sie sich gerade so viel zu, wie ihre Hebamme Hera Matine ihr durchgehen ließ. Da die Heilerin und Geburtshelferhexe ebenfalls unter den Teilnehmern weilte, würde Jeanne es nicht wagen, sich hier für irgendwas zu melden, was sie vielleicht überanstrengen mochte.

Mit den acht Stundenschlägen der großen Standuhr trat Stille in den Reihen der Versammelten ein. Ein untersetzter Zauberer mit dunkelgrauem Haar und Spitzbart erstieg das Podest und pflanzte sich hinter dem Rednerpult auf. Weil keiner ein Geräusch machte konnte jeder das leise Rascheln von Pergament hören. So ergriff der Zauberer das Wort, Monsieur Nestor Bouvier, der als Madame Delamontagnes Nachfolger für gesellschaftliche Belange in Millemerveilles zuständig war.

"Ich begrüße euch alle zu dieser Versammlung. Ich habe gehört, daß einige wegen meines amtlich angehauchten Schreibstils befürchtet hätten, zu einem bürokratischen Debattierclub kommen zu müssen. Aber ich mußte so formulieren, weil das Ministerium eine Abschrift dieser Einladungen bekommt. Ich wiederhole noch einmal die für heute angesetzten Tagesordnungspunkte." Das tat er kurz und knapp. Dann fragte er in die Runde, ob irgendwer noch Freunde und Verwandte aus dem In- und Ausland erwarte und ob diese bei ihnen Privat wohnen würden oder weitere Lagerplätze oder Gästebetten benötigten. Julius erwähnte, daß er ein Ehepaar, vielleicht noch eine alleinstehende Hexe aus den Staaten in seinem und Millies Haus beherbergen würden und womöglich noch ehemalige Schulkameraden aus Hogwartsbei sich einquartieren würde. Millie warf ein, daß ihre Eltern wohl mit ihren Schwestern im bereits vorbereiteten Quartier für Ministerialzaubererfamilien im Osten unterkommen würden und bekräftigte, daß sie im Moment um die zehn bis fünfzehn Gäste beherbergen könnten, wenn auch nicht für mehr als der Wettbewerb dauere. Camille erwähnte neben der bereits bei ihr einquartierten Aurora Dawn aus Australien noch ihre Schwiegereltern und ihren verwitweten Vater. Jeanne habe bereits klargestellt, daß sie aus der näheren Verwandtschaft noch vier Gäste aufnehmen würde. Die Eheleute Renard, die die Dorfschenke Chapeau du Magicien betrieben, hatten bereits zwanzig Varanca-Häuser in Form von großen Fliegenpilzen auf der anderen Seite des Farbensees aufgestellt. Dort seien sie weit genug von der Unterwassersiedlung der Meerleute entfernt. Darüber hinaus Seien rund um die fünf Stadien mehrere Quadratkilometer Freifläche zum Zelten eingerichtet worden. Die dafür erhobenen Übernachtungspreise teilte sich Renard mit Camille Dusoleil, die ihre Gartenbaufachkräfte deshalb mehrere Bäume und Sträucher hatte umsetzen oder eingeschrumpft einlagern lassen.

Als notiert war, wie viele Gäste die Bürgerinnen und Bürger privat unterbringen wollten, ging es um die letzten Verschönerungen an den nicht für die Spiele selbst gedachten Einrichtungen. Julius hielt sich hier zurück, als Camille fragte, wer von den an Pflanzen interessierten ihr noch beim letzten Schliff an der Grünen Gasse helfen wolle. Sie sah ihn zwar herausfordernd an und wirkte etwas enttäuscht, als er sich nicht meldete. Doch er wolte lieber den Besucherbetreuungsjob machen, nicht des Honorars wegen, sondern wegen der Möglichkeit, dabei Leute aus anderen Ländern zu treffen und somit mitten im Geschehen zu sein. Seine Eltern hätten nie gedacht, daß er mal bei einer Weltmeisterschaft mithelfen könnte. Er auch nicht. Daher war es ihm gerade sehr recht, seine Englischkenntnisse nutzbringend einsetzen zu können. Uranie Dusoleil erbot sich, einen Verständigungsknotenpunkt für spanisch- und englischsprachige Besucheranfragen zu bilden, wenn sie dafür im Haus der Dusoleils bleiben und ihren gerade ins Lauflernalter kommenden Sohn betreuen konnte. Millie warf ihre Englisch- und Spanischkenntnisse in die Waagschale. Zu Julius' gewissem Unmut bestand sie jedoch darauf, daß sie beide jedoch genug Zeit zur Verfügung haben sollten, um Ihre Privatgäste betreuen zu können.

"Nun, die genauen Details über erwartete Leistung und Entlohnung klärst du dann besser mit deiner Mutter", erwiderte Nestor Bouvier mit leichtem Unmut. Doch er nickte und notierte die Bewerbungen. Er lächelte, weil er fünfzig ortsansässige, mehrsprachig ausgebildete Interessenten zusammenbekommen hatte. Dann ging es um die Bekleidung der Besucherbetreuer. Die Hexen sollten himmelblaue Blusen und blau-weiß-rot quergestreifte Röcke und das Wappen von Millemerveilles mit einem funkensprühenden Besen darüber als silberne Anstecker tragen. Die Zauberer sollten goldene Hemden, weiße Hosen und darüber blau-weiß-rot quergestreifte Umhänge mit dem silbernen Weltmeisterschaftsemblem am Revers oder einem frei zu wählenden Hut tragen. Zudem bekam jeder eingetragene und von der Spiele- und Sportabteilung genehmigte Betreuer eine weiße Plakette mit eigenem Namenszug. Jacques Lumière, der nur auf Drängen seiner Mutter bei der Versammlung war fragte ganz keck, warum Monsieur Bouvier es so betonte, daß die Bewerbungen genehmigt werden müßten.

"Soweit mir vorliegt möchte die Abteilung die Sprachbildung der Bewerber nachprüfen, wozu entsprechende Unterlagen aus Beauxbatons oder außerschulischen Sprachstudien herangezogen werden. Das Ministerium möchte schließlich nicht in die missliche Lage geraten, wegen mangelhafter Sprachfertigkeiten unnötige Mißverständnisse aufkommen zu lassen und diese dann klären zu müssen." Jacques zwinkerte Julius zu und tönte dann:

"Na, bei unserem Neuzugang da braucht das Ministerium wohl nix schriftliches, wo der schon mit Kartoffeln im Mund gebrabbelt hat, bevor er seinen Kopf zwischen den Beinen seiner Mutter rausgeschoben hat." Julius grinste überlegen, während Roseanne Lumière tomatenrot anlief und die älteren Hexen und Zauberer sehr verstimmt die Köpfe schüttelten. Julius sagte dann nur:

"Nur kein Neid, Jacques, weil deine Eltern lieber deiner Schwester Zeit und Geld geopfert haben, Englisch zu lernen, weil sie wohl finden, daß du wohl erst einmal richtig Französisch lernen möchtest."

"Ey!" Schnarrte Jacques. Eleonore Delamontagne räusperte sich sehr energisch und sagte dann:

"Benehmt euch nicht wie Vorschuljungen! Jacques' Frage ist beantwortet worden. Das reicht völlig aus." Roseanne nickte heftig. Die Schamröte wich jedoch noch nicht aus ihrem Gesicht. Vielleicht war es auch Wutröte. Nestor Bouvier ergriff noch einmal das Wort und stellte fest, daß damit alle Punkte der Versammlung abgehandelt seien und die Bewerber für die ausgeschriebenen Zeitstellen bis spätestens Freitag Bescheid bekämen, ab wann und wo genau sie eingesetzt würden. Dann erwähnte er noch, daß wegen der Weltmeisterschaft die üblichen Mittsommerveranstaltungen in Millemerveilles ausfielen. Es gab also kein Schachturnier und keinen offiziellen Mittsommerball. Darüber waren nicht nur Eleonore Delamontagne und Roseanne Lumière enttäuscht. Doch es war auch nicht das erste Mal, daß wegen einer besonderen Veranstaltung diese beiden alljährlichen Pflichtveranstaltungen ausfielen. Eleonore Delamontagne erwähnte dann noch, daß bei so vielen versierten Schachspielern unter den anreisenden Gästen schwer zu wählen gewesen wäre, um nur zweiunddreißig Teilnehmer zu finden und daß es wohl zwischen den Spielen genug Gelegenheiten geben mochte, um Schach zu spielen und es bei den Musikveranstaltungen auch genug Gelegenheiten gäbe, die eigenen Tanzkünste zu üben. Damit entließen Eleonore Delamontagne und Nestor Bouvier die Mitbürgerinnen und Mitbürger.

"Jacques lernt es nicht", lachte Millie, als sie und Julius wieder in ihrem Haus waren. "Der meint immer noch, dich aufzuziehen brächte ihm was."

"Tut's doch auch, Mamille. Mindestens Ärger und womöglich Wickeldienst bei seiner kleinen Nichte", grinste Julius.

"Du kennst eure ehemalige Saalsprecherin offenbar ziemlich gut", amüsierte sich Millie. "Aber die könnte Angst kriegen, daß ihr großmäuliger Bruder die kleine Berenice runterfallen läßt. Aber ich weiß auch nicht, was Roseanne dazu getrieben hat, den mitzuschleppen, wo klar war, daß der bei nichts mitmachen will."

"Sie ist wichtig, also soll er das langsam reinkriegen, sich entsprechend zu benehmen. Offenbar weiß sie immer noch nicht, warum der bei den Blauen reingerutscht ist, wo sie selbst eine Grüne war und ihr Mann bei den Violetten gewohnt hat."

"Kriegen wir dann raus, wenn Été und Lunette in Beaux eingeschult werden und auch bei den Blauen reinkommen", erwiderte Julius. Er hielt die mögliche Saalzuteilung nicht für erblich. Allerdings wußte er, daß durch die vererbten Anlagen und eine bestimmte Erziehung die Voraussetzungen für bestimmte Säle weitergegeben werden konnten. Millie kkehrte ja immer wieder mal hervor, daß die beiden letzten Farben auf dem Auswahlteppich bei Julius Rot und Grün gewesen waren. Und daß jemand wie Gaston bei einer nochmaligen Überschreitung dieses Teppiches in einem anderen Saal als vorher landen konnte hatten sie im letzten Jahr alle mitbekommen. Tja, Gaston mußte jetzt wieder neu aufwachsen, weil er es sich all zu arg mit Madame Faucon verscherzt und außerdem zu dieser ziemlich heftigen Sache zwischen Bernadette und Cyril beigetragen hatte. Womöglich hieß er schon ganz anders. Möglicherweise war er bei Leuten untergekommen, die demnächst auch zur Weltmeisterschaft kamen. Das erwähnte er Millie gegenüber.

"Ach, und du meinst, die bringen den auf seine echte Größe runtergeschraubten dann mit, wo hier viele rumlaufen, die das mitbekommen haben, wie Blanche Faucon ihn mit dem Infanticorpore-Fluch erwischt hat?" Fragte Millie. "Kann sein, daß der erst einmal von Heilerinnen in der Delourdesklinik betüddelt wird, die ihm beibringen, wie sich ein richtiges Baby zu benehmen hat. Nachdem, was wir gelernt haben ja auch nicht so einfach."

"Sag das der kleinen Aurore oder Taurus, wenn er dir in die Augen sehen kann", erwiderte Julius darauf.

"Mach ich bestimmt gerne. Aber dann müssen wir uns ranhalten, daß die eine oder der andere auch demnächst in meinen kleinen Warteraum reingeht." Julius nickte nur. Zwar würden sie nicht jede Nacht darauf hinarbeiten, zumal Millies Monatszyklus bestimmte Tage schlicht für sowas ungeeignet machte. Aber wenn sie die in der Mondburg angenommene Bedingung erfüllen wollten, dann ging das nur in den Sommer- oder den Weihnachtsferien. Da Julius dachte, im kommenden Schuljahr ein trimagisches Turnier mitbekommen zu dürfen, sprach alles für die Sommerferien. Aber eben nicht jede Nacht.

 

__________

 

Es war schon ein erhabener Anblick, eines der Überseeluftschiffe über dem bereitgemachten Landeplatz niedersinken zu sehen, fand Julius. Das zigarrenförmige, himmelblaue Luftschiff sank ohne Geräusche. Er sah genau, wo an der Gondel die gläserne Kugel saß, die wie ein großes Auge wirkte. Dort saßen die beiden Piloten, die über eine körperliche Verbindung zu den Steuerungsvorrichtungen per Gedankenkraft und zugeführten Sinneeseindrücken steuerten. Wenige Meter über dem Boden verhielt die fliegende Zigarre auf der Stelle. Kaum eine halbe Minute danach fuhr eine Holzleiter aus dem Bauch der Gondel und hing gerade so hoch über dem Grund, daß Passagiere mit einem halbhohen Schritt die erste Sprosse erklimmen konnten und beim Aussteigen keine Tiefsprungeinlagen geben mußten. Millie stand rechts neben ihrem Mann, der zur Ankunft des ersten von zwanzig Lufttransporten zwischen Viento del Sol und Millemerveilles seinen himmelblauen Umhang trug. Auch Madame Delamontagne war da. Sie trug das goldene Zeremonienkleid der ranghohen Dorfrätin. Außerdem hatte sich die Familie Grandchapeau eingefunden. Der amtierende Zaubereiminister trug einen auf Hochglanz gebürsteten schwarzen Zylinder und einen weit wallenden, dunkelblauen Umhang mit silbernen Sternen. Seine Frau hatte sich ein veilchenblaues Kleid angezogen und einen kleinen, wolkenweißen Hexenhut mit einer künstlichen Sonnenblume darauf aufgesetzt. Belle und ihr Mann Adrian waren einheitlich in dunkelblauen Umhängen erschienen. Daß Belle zum zweiten mal schwanger war sah man ihr nur an, wenn man wußte, daß sie es war. Adrian trug die gemeinsame Erstgeborene in einem rosaroten Tragetuch auf dem Rücken.

"Wenn Ma noch vor dem Aussteigen der Cartridges hier sein will muß sie aber ...", sagte Millie. Da ploppte es vernehmlich, und Hippolyte Latierre stand am Rande der wartenden Menge. Sie überragte fast alle hier mit ihren ein Meter fünfundneunzig. Ihr rotblonder Schopf war hochgesteckt und von einer goldenen Spange gehalten, deren Zentrum ein ausgedienter und in das Schmuckstück eingearbeiteter Schnatz war. Der ehemalige Spielball flatterte langsam und sacht mit den vier kleinen Flügeln. Hippolyte trug einen blau-weiß-roten Umhang über einem schneeweißen Kleid.

"Huch, kann man sich ausrangierte Schnatze in die Haarspangen stecken lassen?" Fragte Julius seine Frau. Diese deutete auf ihre Mutter, was hieß, daß er ihr selbst diese Frage stellen möge. Doch im Moment hatte Hippolyte wohl wichtigeres zu tun. Sie bahnte sich einen Weg durch die erwartungsvolle Menge von Schaulustigen und offiziellen Gästen. Jetzt erst konnte Julius sehen, daß sein Schwiegervater, der Halbzwerg Albericus, im Windschatten seiner Frau hinterherlief und trotz der kürzeren Beine locker mit ihr mithielt. Er machte einfach dreimal so viele Schritte wie sie.

"Ich seh euch, Millie und dich", erklang in Julius' Kopf die Stimme einer jungen Frau, die er gut kannte. "Linus und ich müssen warten, bis unsere Offiziellen raus sind. Lino ist auch mit."

"Och nöh!" schickte Julius an Brittany Brocklehursts Adresse zurück.

"Tu nicht so, als wenn du das nicht erwartet hättest!" Bekam er eine zwischen Tadel und Erheiterung schwingende Gedankenantwort zurück. "Mels Familie ist auch noch mit reingekommen. Die haben aber ihr Zelt mit, wo auch Glo und ihre Familie drin schlafen können."

"Gloria will bei uns schlafen, wenn ihr zwei und wir zwei nachts nicht zu laut sind", mentiloquierte Julius, während Hippolyte ihre Tochter begrüßte und Julius verstehend ansah. Er wandte sich seiner Schwiegermutter zu und schickte ihr schnell: "Linda mit den Zauberohren ist auch im Luftschiff."

"Weiß ich", erhielt er Hippolytes Gedankenantwort. Millie fragte Julius dann, ob er schon mit Leuten da drinnen Kontakt gehabt habe. Er mentiloquierte auf allgemeine Weise zurück: "Mit Britt. Lino ist auch da drin."

"Klar", erwiderte Millie mit körperlicher Stimme. Dann sah sie wie alle anderen mehrere Zauberer in blauen Umhängen mit weißen Sternen darauf aussteigen und sich umblicken. Offenbar war das die Leibwache des Ministers. Grandchapeau zog den Hut und sagte auf Englisch:

"Sie dürfen Ihrem Vorgesetzten mitteilen, daß hier keinerlei Gefahr für ihn und seine Frau besteht, meine Herren!" Die drei Leibgardisten verzogen ihre breiten Gesichter. Julius mußte an Marineinfanteristen denken. Dann erschien ein Mann im erdbeerroten Nadelstreifenumhang am oberen Ende der Leiter. Auf dem schütteren graublonden Schopf ritt ein brauner Spitzhut. Julius kannte den US-amerikanischen Zaubereiminister von seiner Begegnung in den Osterferien vor zwei Jahren. Als Milton Cartridge zum ersten Mal den Boden von Millemerveilles betrat, klatschten ihm viele Beifall. Dann schwebte ein geflügelter Sessel aus der Luke und sank mit sachten Schwüngen der weißgefiederten mechanischen Flügel auf den Boden. In dem Sessel saß Minister Cartridges Frau, die Ende August das zweite Kind erwartete. Der Erstgeborene, der kleine Maurice, saß auf dem Schoß der Ministergattin und quängelte ein wenig, weil er sich wohl vor dem Landeanflug fürchtete. Doch seine Mutter strich ihm beruhigend über den Kopf.

Nach dem Ministerehepaar verließ nun der amtierende Leiter der US-amerikanischen Abteilung für magische Spiele und Sportarten das Luftschiff. Auch er trug einen blauen Umhang mit weißen Sternen, allerdings noch mit kleinen, golden glänzenden Besen dazwischen. Er war offenbar nicht verheiratet.

Nun quälte sich eine sehr füllige Dame im weißen Fellumhang aus der Gondel heraus. Alle Umstehenden konnten ihr ansehen, wie sie keuchte und sich mit Mühe die Leiter hinunterarbeitete. Julius konnte ein Seil sehen, das zu einem schneeweißen Gurt führte, der der sehr gewichtigen Dame um die Hüften geschnallt war.

"Da ist Oma Line aber hundertmal gelenkiger", feixte Millie, weil die Passagierin jede einzelne Sprosse der Leiter so anging, als müsse sie zehn hinabklettern. Julius nahm Millies Einwurf auf und fügte hinzu:

"Dabei muß sie nur runtersteigen, mit der Schwerkraft."

"Millie, Julius, ist gut! Schon schlimm genug, daß ich diese Dame offiziell begrüßen muß. Da muß die nicht noch gleich wütend sein", sagte Hippolyte mit unüberhörbarer Verachtung in der Stimme.

"War aber ziemlich riskant, so viel Ballast einzuladen", schickte Julius auf Gedankenweg an Brittany.

"Ach, kletter die dekadente Trulla gerade zu euch runter? Die hat 'nen Umhang aus hundertprozentigem Einhornfell an. Protziger geht's echt nicht mehr", empfing er Brittanys Antwort. Julius kapierte jetzt, warum der Fellumhang der sich mühsam Sprosse für Sprosse dem Erdboden nähernden so strahlte, wie selbst der reinste Schnee nicht strahlte. Er wandte sich an Millie. Die ahnte, was er sagen wollte und zischte ihm zu:

"Einhornfellumhang, richtig, Monju?" Er nickte. "Da muß Tante Trice zwei Jahre für arbeiten, und die kriegt als Heilerin viel."

"Kannst du mal sehen, Millie. Quodpot und Flugbesen sind eine Gelddruckmaschine."

"Du meinst einen Galleonenbrunnen, Julius", korrigierte Hippolyte ihren Schwiegersohn. "Dekadenter geht's nun wirklich nicht", mentiloquierte sie ihm zu, wohl um ihre Meinung nicht vor ausgefahrenen Zauberohren kundzutun, die sicher schon darauf gerichtet waren, die ersten Kommentare nach der Landung einzusaugen. Endlich bekam Phoebe Gildfork, die Ehefrau des ranghöchsten Mitarbeiters bei den Bronco-Flugbesenwerken, ihre auf Hochglanz polierten roten Schuhe auf den Boden. Julius erkannte das schwarze Muster auf den Schuhen. Die hatten dieser Frau nicht nur ein ganzes Einhornfell umgehängt, sondern ihre geldadeligen Füßchen in Schuhe aus der Haut eines peruanischen Vipernzahns gesteckt. Diese Drachenart galt als besonders gefährlich für Menschen und mochte für einen Quadratzoll ihrer Haut zwanzig Galleonen bringen.

"Ich denke, ihr beiden wart schön weit von der weg", mentiloquierte Julius an Brittany. Diese schickte zurück:

"Sie saß mit den Cartridges im goldenen Salon, während Linus, Mel und Venus' Familie und ich im Bretterverschlag saßen. Lino kommt nach dem Mann der überfressenen Phoebe raus, dann Venus als Kapitänin der siegreichsten Mannschaft der Saison und dann noch Laurie Beaumont als Repräsentantin des Kristallherolds", übernahm Brittany die Rolle einer Ankündigerin. Julius bestätigte das mit einer mentiloquierten Antwort und verfolgte mit Millie, wie Mr. Gildfork, der eine Kluft aus der Haut eines Viperzahns und dito Westernstiefel trug, dem Luftschiff entstieg. Hippolyte nahm wie ihre Tochter und ihr Schwiegersohn zur Kenntnis, wie die im Vergleich zu Phoebe Gildfork klapperdürr erscheinende Linda Knowles wie eine Zirkusartistin die Leiter hinunterturnte, die letzten beiden Sprossen einfach ausließ und federnd landete, was ihr von den jüngeren Zuschauern mit Beifall und anerkennenden Pfiffen gezollt wurde. Die athletisch gebaute Blondine Venus Partridge turnte ebenso gelenkig die Holzleiter herab und ließ sogar die letzten vier Sprossen aus. Sie vollführte in der Luft eine schnelle Pirouette und landete ebenso federnd wie Linda Knowles. Auch ihr wurde Beifall gezollt. Einige Jungen, die in Beauxbatons gerade mit der ZAG-Klasse fertig geworden waren, riefen ihr Komplimente auf Französisch zu. Das verstand Venus jedoch nicht. Weil es so viele Gäste werden würden hatte man von vorne herein darauf verzichtet, eine Menge Wechselzungentrank zu brauen, zumal die angereisten Gäste dadurch geehrt werden sollten, daß sie sich untereinander in ihrer Heimatsprache weiter unterhalten können sollten. Julius hatte dabei daran denken müssen, daß Madame Faucon ihm bei seinem allerersten Besuch in Millemerveilles nicht derartig hatte ehren wollen. Sie hatte es für praktischer befunden, daß er sich mit allen Bewohnern fließend verständigen konnte. Im Grunde durfte er ihr dafür auch noch danken. Denn ohne den Trank als Sprachlernkatalysator hätte er wohl immer noch Probleme mit der französischen Aussprache bestimmter Schreibweisen und hätte sicher nicht so locker mit Camilles Familie plaudern können.

Nun verließen Brittany und Linus das Luftschiff. Dahinter kamen Venus' Eltern und jüngeren Verwandten. Danach verließen die Redliefs das Luftschiff, erst Marcellus, dann Geraldine, dann Melanie und zum Schluß Myrna. Hippolyte Latierre war bereits dabei, den US-Zaubereiminister zu begrüßen, der sich erst von Minister Grandchapeau hatte willkommenheißen lassen. Brittany steuerte zusammen mit den Redlief-Schwestern auf Millie und Julius zu.

"Schön, daß ihr uns hier abholt. Mels und Myrnas Eltern wollen zu einem Zeltplatz im Westen hier. Könnt ihr ihnen zeigen, wo das ist?" Fragte Brittany. Julius nickte ihr und dann Melanie zu.

"Glo ist noch nicht da?" Fragte sie Julius. Er erwiderte, daß Gloria mit Ihrer Familie und den Watermelons zusammen per Portschlüssel anreisen würde.

"Glo will ja mit Pina unbedingt bei euch in eurem Apfelhaus wohnen. Habt ihr da überhaupt genug Platz, wenn Britt und Linus bei euch einziehen?" Fragte Melanie Redlief. Julius deutete auf Phoebe Gildfork und sagte:

"Da die sicher nicht bei uns wohnen will haben wir mehr als genug Platz."

"Na, Julius, nichts gegen gewichtige Damen", tadelte Geraldine Redlief ihn. "Immerhin konnte meine selige Mutter sich auch nicht gertenschlank halten."

"Ja, nur, daß Ihre respektable Mutter es nicht darauf angelegt hat, jeden Tag fünfmal mehr zu essen als der Körper nötig hat", antwortete Brittany an Julius' Stelle. "Mein Dad hätte dieser Massentierkonsumentin da ganz sicher Frühstück, Mittagessen und Abendbrot auf die Vipernzahnschühchen gespien, wenn der sich hätte ansehen müssen, wie die sich darstellt. Bei der haben sicher drei Einhörner dran glauben müssen, um deren Umhang zu schneidern. So viel Gold hat meine Mom nicht im Verlies, wie die so überheblich am Leib trägt, von den armen Tieren ganz abgesehen."

"Britt, du kennst doch sicher die Geschichte von dem Einhorn, das nach seinem gewaltsamen Tod im Paradies für Einhörner ankommt und vom himmlischen Tierhüter gefragt wird, was es für das Leid haben möchte", setzte Julius an.

"Ja, einen Mantel aus der Haut von zwanzig überreichen eitlen Weibern", erwiderte Brittany. Offenbar kannte sie diesen Witz schon von ihrem Vater. Melanie kannte den aber noch nicht und mußte unstatthaft laut lachen. Ihre Mutter zischte sie, Brittany und Julius an, daß sie sich gefälligst wie erwachsene zu benehmen hätten. Millie hatte für diesen Tadel nur einen verächtlichen Blick übrig und sagte auf Französisch:

"Dann muß uns die große Dame da drüben aber ein besseres Vorbild bieten, als sie es tut." Melanie übersetzte für ihre jüngere Schwester und ihren Vater.

"Auch ein Grund, warum meine Mutter mit dem nächsten Luftschiff aus den Staaten herüberkommt, weil sie nicht mit dieser verschwendungssüchtigen Sabberhexe die selbe Luft einatmen wollte", sagte Mr. Redlief. Seine Frau fauchte ihn an, sich auch anständiger auszudrücken. Er meinte dazu nur, daß seine Mutter das genau so wörtlich gesagt habe. Geraldine fragte darauf, ob sie noch Verpflichtungen hätten oder sich in zwei Stunden die Landung des zweiten Luftschiffes ansehen wollten. Julius deutete es so, daß er seine Schwiegermutter fragen wolte, ob sie für ihn schon irgendwas zu tun habe. Hippolyte war froh, daß er sie daran hinderte, jetzt schon zu Phoebe Gildfork hinzugehen. Sie sagte ihm, daß er wie alle anderen erst eine Eule abwarten möge, um sich für verpflichtet anzusehen. So führte er die Redliefs zum westlichen Zeltplatz, wo er mit dem dort eingeteilten Platzwart und Betreiber eines Verkaufsstandes für Imbiß und Andenken übersetzte, wie lange die Redliefs hierzubleiben gedachten. Dann half er den Brocklehursts dabei, ihr Gepäck zum orangeroten Apfelhaus zu transportieren. Dort räumten sie es nur ein.

"Venus wollte eigentlich noch fragen, ob sie auch hier wohnen kann. Aber die Cartridges und Connerhaben ihr einen raum im amerikanischen Haus besorgt, das mit der zweiten Himmelswurst über den großen Salzwassergraben geschaukelt wird", sagte Brittany. Julius nickte und erwähnte mentiloquistisch, daß Aurora Dawn morgen wegen eines Interviews zu ihnen ins Apfelhaus käme. Da Brittany da mehr drüber wissen wollte, bat sie Julius, im kleinsten Gästezimmer einen Klangkerker zu errichten und ließ sich von ihm schildern, was er für Constance Dornier klargemacht hatte.

"Dann sollte das Interview besser in diesem Raum bei aufgerufenem Klangkerker stattfinden, bevor Lino deiner Schulkameradin die Exklusivgeschichte wegschnappt." Julius erkannte, daß Brittany damit recht hatte. So schickte er seine Schleiereule Francis schnell noch mit einem Brief zu Constance Dornier. Dann kehrten Brittany und Millie mit ihm zur Landestelle zurück. Die hohen Damen- und Herrschaften waren bereits unterwegs in Richtung Ministerhaus, einem innerhalb von drei Monaten aus dem Boden hochgezogenen Nachbau des Prunkschlosses von Versailles, allerdings nur im Maßstab eins zu vier. So konnten sie auf den mitgebrachten Flugbesen über das Dorf und die Stadien fliegen und sich ansehen, wo die US-Mannschaft spielen würde, die im zweiten Luftschiff sitzen würde.

Am Abend kontaktfeuerte Ursuline Latierre mit Millie und Julius und fragte, ob sie kurz herüberkommen dürfe. Sie durfte. Bei der Gelegenheit lernte sie Brittanys Mann Linus kennen und fragte, warum Brittanys Eltern nicht auch herübergekommen seien.

"Meine Eltern machen Urlaub von der Zaubererwelt. Sie besuchen den Yellowstone-Park und wollen dann noch für drei Tage rüber nach Acapulco." Julius warf dann ein, daß sie sich da aber vor Montezumas Rache hüten müßten. Brittany grinste, während Ursuline besorgt fragte, ob das ein tückischer Fluch sei.

"Es heißt, daß die meisten Mexiko-Urlauber das Essen da nicht gut vertragen und deshalb leicht zu heftigem Durchfall neigen. Montezuma war der letzte nichteuropäische König von Mexiko. Deshalb wird diese Erkrankung so genannt", wußte Julius die Antwort.

"Klar, wer das Fleisch da ißt, Julius. Aber mein Vater ißt nun mal kein Fleisch", zischte Brittany.

"JalapeñOs und Chilischoten sind ja auch aus Fleisch", feixte Julius. Ursuline erinnerte sich daran, daß sie in der Zeit, als sie mit ihrer Tochter Béatrice schwanger war, vier Wochen in Mexiko gewohnt hatte. Ihr hatten sie auch abgeraten, zu scharfe Sachen zu essen.

"Bevor ich meine künftige Hebamme zur Welt bringen konnte, mußte ich mich noch mit einer alten Hexe aus Lyon begnügen, die meinte, daß die Ernährung während der Schwangerschaft die Vorlieben des Kindes gut oder schlecht beeinflussen könnten und wenn ich nur scharfe Sachen essen würde, meine ungeborene Tochter dann Peperonisaft statt Milch bevorzugen könnte, falls nicht vor der Geburt die Nabelschnur durchgebrannt würde. Roland, mein jetzt in Frieden ruhender Mann, hat damals in eine der Klippen, wo die tolldreisten Muggels sich immer hinunterstürzen, meinen Namen eingraviert. Als wir dann in einem gemieteten Segelboot draußen vor den Klippen fuhren konnte ich den lesen. Ja, das war schon ein kreativer Zauberer", schwelgte Ursuline in teils traurigen, teils fröhlichen Erinnerungen. Julius beherrschte sich, nicht dabei ertappt zu werden, daß er den von seinem eigenen Bruder ermordeten Roland Didier für einen falschen Hund hielt. Andererseits hätte es ohne den keine Mildrid Latierre gegeben. Brittany erwähnte, daß ihre Mutter ihr erzählt habe, daß deren Mutter Luella auch schon mal in Mexiko die Maya-Pyramiden besucht habe und da von einem Maya-Priester sechs Söhne und drei Töchter vorhergesagt bekommen habe. Ursuline grinste und fragte, ob das auch eingetreten sei. Brittany grinste zurück und erwähnte, daß sie zwei Söhne und eine Tochter bekommen habe.

"Animistische Magie und Wahrsagen sind leider sehr unzuverlässige Dinge, um sowas vorherzusagen", erwiderte Ursuline Latierre. Dann sah sie Julius an und mentiloquierte ihm:

"Und, ist das Kleine schon unterwegs?"

"Wir rufen noch den Vogel", gab er unhörbar Antwort. Laut sagte sie:

"Vielleicht hat deine Großmutter auch Angst bekommen und sich mehr zurückgehalten, weil sie nicht wollte, daß sie in nur fünf Jahren zehn Kinder um sich herum hatte."

"Ich glaube, meine Großmutter hätte Sie dafür jetzt sehr schräg angesehen, daß sie derartige Sachen so offen besprechen, Madame", erwiderte Brittany. Linus grinste. Dann sagte er zu Ursuline Latierre:

"Sie hätten heute Nachmittag dabei sein sollen, als wir ankamen. Da hätten Sie wohl was zum Grinsen oder Bedauern gesehen. Kennen Sie Phoebe Gildfork?"

"Ich habe von dieser Dame schon gehört. Es gibt Leute, die ihre mit meiner Statur vergleichen. Dabei komme ich immer besser weg als die", erwiderte Ursuline. Linus betrachtete die etwas mehr als gut genährte Großmutter der Hausherrin und meinte: "Eindeutig. Zumindest hängen Sie sich keinen Einhornfellumhang um, um mehr herzumachen."

"Abgesehen davon, daß unsere Latierre-Kühe ganz schmerzlos bessere Wolle liefern, sehe ich nackig auch dann noch besser aus als die im Protzpelz. Hoffentlich kriegt Hippolyte das hin, mich nicht gerade neben der in die Loge zu setzen. Sonst darf meine Béatrice die nachher noch wegen schwerer Minderwertigkeitskomplexe therapieren." Brittany lachte darüber schallend. Da erklang "Wie leuchtet mir der Apfelbaum", das Magische Türglockenspiel.

"Hups, wer will denn da noch was?" Fragte Julius.

"Wenn's Lino ist häng ein Schild raus "Presse im Apfel verboten!" Feixte Linus. Julius wollte schon sagen, daß er keinen großen Drachen rufen sollte. Doch er bereitete sich darauf vor, mit Linda Knowles fertig werden zu müssen, wenn sie vor der Tür stand.

Tatsächlich stand vor der Tür jene attraktive Hexe mit dem rotbraunen Lockenkopf, der kaffeebraunen Haut und den fast schwarzen Kulleraugen. Sie strahlte Julius an. Dieser sagte ganz locker: "Och, sind Sie den Ohren nachgegangen und wollten mal sehen, wo ich jetzt wohne?"

"Das auch, Mr. Latierre. Ich hörte, daß Mrs. Brocklehurst nicht mit der Familie Partridge im amerikanischen Haus logiert sondern privat bei Ihnen unterkam. Ich wollte sie an und für sich noch um ein Interview bezüglich der von ihr zu besuchenden Spiele bitten. Aber ich fürchte, meine hiesigen Verpflichtungen hielten mich länger auf als geplant. Na ja, ich wollte deshalb nur fragen, ob Sie bei Mrs. Brocklehurst anfragen können, ob Sie das mir zugesagte Interview morgen früh mit mir durchführen möchte?" Sie ließ ihre Augen kullern und lächelte süßer als zehn Kilo Zucker. Julius fühlte, wie er versucht war, die Reporterhexe aufzufordern, ihn ins Haus zu begleiten. Doch gerade soeben brachte er noch heraus: "Sie kriegen von ihr eine Eule, wann genau, Ms. Knowles. Ich denke, die Reise war anstrengend genug, daß Mrs. Brocklehurst sich erst einmal ausruhen möchte. Bis dann demnächst!"

"Halt, halt, halt, Mr. Latierre", hielt ihn Linda Knowles davon ab, die Tür vor ihrer Nase zuzudrücken. "Es würde doch keinen Akt darstellen, wenn Sie Mrs. Brocklehurst kurz fragen, ob sie mit morgen Mittag einverstanden ist. Da werde ich das Interview mit Ihrem Zaubereiminister Grandchapeau wohl hoffentlich beendet haben und kann dann sie und Ms. Partridge zusammen interviewen. Abgesehen davon hörte ich, daß sich Ms. Aurora Dawn für morgen zu einem Interview wegen ihrer berühmten Doppelachse einfinden möchte. Wird dies im Rahmen einer Pressekonferenz stattfinden?"

"Aurora Dawn? Wenn sie ein Interview geben will wird sie das sicher mit Ihrem Kollegen oder Ihrer Kollegin selbst abklären. Ich bin nicht Ms. Dawns Pressereferent, und auch nicht der von Mrs. Brocklehurst", erwiderte Julius ruhig aber unmißverständlich unnachgiebig. "Gute Nacht, Ms. Knowles!" Er trat schnell hinter die Tür zurück und drückte sie schnell genug um nicht unhöflich zu sein ins Schloß. Jetzt konnte keiner sie von außen mehr sehen. Auf dem Weg zurück in den Wohnraum der dritten Etage fragte sich Julius, ob es keinen besseren Zauber gebe, um einen unerwünschten Lauscher fernzuhalten als einen umständlichen Klangkerker. Weil er wußte, wie weit die magischen Gehörgänge der Reporterin reichten sagte er bewußt laut:

"Ms. Knowles bat dich darum, ihr eine Eule wegen eines mit ihr vor dem Abflug ausgemachten Interviews zu schicken, Brittany."

"Die hätte das im Luftschiff kriegen können, Julius. Aber die mußte ja auf Goddy Cartridges runden Bauch hören und die dicke Gildfork zu ihrem Gepäck ausfragen, weil die Ausrüstung wie für eine Safari eingepackt hat, von ihren widerlichen Protzpelzen und dekadenten Drachenhauttretern mal abgesehen", knurrte Brittany. Ich habe morgen mit Linus einen Ausflug in den Tierpark vor. Da wollen wir Zeit haben." Rein gedanklich schickte sie an Julius: "Die wollte nicht zu mir, sondern sehen, wie du jetzt wohnst." Linus sagte dann noch:

"Na ja, Schwiegeroma Luella schwärmte ja regelrecht von der grünen Gasse. Bevor die ganzen anderen hier eintrudeln würde ich die gerne auch noch besuchen."

"Viviane, fraggst du Camille bitte mal, ob meine Gäste morgen irgendwann durch die grüne Gasse können?" Fragte Julius die gemalte Viviane Eauvive, die bis dahin fast wie ein magieloses Gemälde starr über dem gemütlichen Sofa gewartet hatte. Die gemalte Gründungsmutter von Beauxbatons und weit zurückreichende Ahnherrin von Julius und sogar Millie nickte und verschwand aus ihrem Bild.

"Ups, das wußte ich nicht mehr, daß ihr auch über Bilder in Verbindung seid", sagte Linus Brocklehurst. Eine Minute später kam die gemalte Viviane zurück und sagte:

"Bring die beiden morgen um zehn hin, Julius. Gute Nacht!" Julius bedankte sich und wünschte Viviane auch eine gute Nacht. Das war ein gutes Stichwort für Ursuline, in ihr Sonnenblumenschloß zurückzukehren und für die Brocklehursts und Latierres, sich in ihre Zimmer zurückzuziehen.

 

__________

 

Am nächsten Morgen frühstückten die Bewohner und Gäste des Apfelhauses im Freien. Weil sie darauf gefaßt waren, daß Linda Knowles auf einem strategisch günstigen Platz hockte und mithören mochte ging es weder um Aurora Dawns Interview noch um Sachen, die Brittany nur ihren Bekannten mitteilen wollte. Wenn doch was privates anstand mentiloquierte sie es Julius zu.

Um zehn Uhr brachte Julius die Brocklehursts zum Eingang der grünen Gasse, wo sie von Camille Dusoleil erwartet wurden. Die Leiterin des Zaubergartens trug einen grasgrünen Arbeitsumhang und hatte ihr schwarzes, leicht gewelltes Haar unter einem apfelgrünen Kopftuch versteckt. Julius wurde gefragt, ob er die Führung mitmachen wollte und sagte mit hörbarer Stimme, daß er sich lieber umsehen wollte, wer noch alles gekommen sei. Denn während der Nachtstunden waren vier weitere Gruppen aus den Staaten eingetrudelt. Er mentiloquierte ihr, daß er Auroras Interview gerne mithören würde.

"Wird die Damen und Herren von der Zaubererweltpresse nicht gerade freuen, daß du ihnen diese Gelegenheit verbaut hast." Ihre Gedanken wirkten auf Julius jedoch eher erheitert als tadelnd. So schickte er zurück:

"Die haben hier genug Beute, um ihre Knüller einzufahren, Camille. Vielleicht gibt's vor dem Eröffnungsspiel ja noch eine Pressekonferenz." Camille bestätigte das. Die Minister und Spiele- und Sportabteilungsleiter würden wohl mehrere Konferenzen einberufen.

Julius übte sich im apparieren und wechselte vom Zeltplatz der Redliefs, wo er Melanies Großeltern väterlicherseits begrüßte zur kleinen Ansiedlung von Fliegenpilzhäusern, wo er Caroline traf, die von ihrem Vater als Vermittlerin zwischen seiner Schenke und den Campern verdingt worden war.

"Na, habt ihr schon Post von Corinnes Vorlage?" Fragte Caroline mit mädchenhaftem Grinsen.

"Häh, was soll Corinnes Mutter uns schreiben?" Fragte Julius. Natürlich wußte er, wie Caroline das eigentlich meinte.

"Ich meinte die Vorlage von Corinnes Kostüm beim Abschiedsfest", grinste Caroline verrucht.

"Hmm, bis jetzt noch nicht. Aber Post kann bei so nahe beieinander wohnenden Leuten leicht im falschen Briefschlitz landen", erwiderte Julius. Caroline verzog das Gesicht. Sie hatte den derben Scherz wohl verstanden. So zischte sie leise:

"Fehlte mir noch, unbestellte Pakete mit mir rumschleppen zu müssen." Dann mußte sie sich um eine Drei-Generationen-Familie aus Lyon kümmern, die am Morgen mit den ersten Portschlüsseln angereist war. Julius grinste, als er in zwei Kilometern Abstand zu den Pilzhäusern reapparierte und auf die unsichtbare, magische Begrenzung zuging, hinter der der Landeplatz für Portschlüssel war. Er blickte auf seine Uhr. Laut Ablaufplan, der im Gemeindehaus aushing traf jede Viertelstunde ein Portschlüssel ein. Darüber hinaus durften einen Kilometer außerhalb der Begrenzung auch Apparatoren und Apparatorinnen eintreffen. Jetzt war es gleich halb elf. Julius durchschritt die Begrenzung, was er an einem wilden Vibrieren seines silbernen Armbandes fühlte. Denn der Pflegehelferschlüssel reagierte auf Kraftfelder der weißen wie der schwarzen Magie. Die unsichtbare Glocke über Millemerveilles war damals von Sardonia errichtet und durch dunkle Kräfte verdichtet worden. Nach ihrem Sturz hatten die Dorfbewohner diesen Schutz um einige Komponenten verstärken können. Vor drei Jahren hatte Professeur Fixus dann noch einen Elementarzauber eingewirkt, der radioaktive Stoffe aus Millemerveilles fernhielt.

"Ah, Julius, gut daß du hier bist. Wir kriegen gleich einen Portschlüssel aus London. Könnte sein, daß meine Englischkenntnisse zu schwach sind", sagte Lothaire Bouvier, der älteste Sohn des Dorfrates für gesellschaftliche Angelegenheiten, der hier gewissermaßen als Empfangskomitee arbeitete. Julius wies den mitte dreißig alten Zauberer mit erheitertem Gesichtsausdruck darauf hin, daß er offiziell noch nicht für sowas zuständig war. Doch weil er dachte, daß er Leute aus London kennen mochte, erklärte er sich bereit, die Gruppe zu begrüßen. Da war die Minute bis halb elf auch schon voll.

Eine blaue Lichtspirale entstand über einem grün markierten Feld. Sie durchmaß mindestens fünf Meter. Also mochten in ihr eine Menge Portschlüsselreisende hängen. Als sich tatsächlich zwanzig Personen erst schemenhaft und dann leibhaftig aus der Spirale herauslösten erkannte Julius sofort zwölf von ihnen. Der Portschlüssel war eine rostige Badewanne, die bei Muggeln bestenfalls noch zum Sperrmüll gezählt worden wäre. In der Badewanne standen bereits drei Leute, die er kannte. Ronald Weasleys Rotschopf leuchtete in der Sonne. Dagegen wirkte die braune Haarpracht Hermine Grangers richtig dunkel. Das Badewannentrio wurde durch den schmächtigen jungen Zauberer mit verstruweltem schwarzen Haar und hellgrünen Augen vervollständigt. Julius sah genau hin, ob die blitzförmige Narbe quer über der Stirn des berühmtesten Zauberers von England noch da war oder sich genauso zurückgebildet hatte wie die dunklen Male der Todesser. Doch die Fluchmarke des gestürzten Dunkelmagiers prangte noch so wie er sie bei Umbridges Prozeß gesehen hatte auf Harry Potters Stirn. Offenbar war der nun mit Hogwarts fertige Zauberer dazu verurteilt, sie sein restliches Leben zu tragen, als eine sichtbare Zeichnung der beiden Zaubererweltkriege. An der Badewanne hatten sich mehrere Familien festgehalten, darunter Mutter und Töchter Drake. Leas Mutter hatte ihre jüngsten, von denen eine mit ihm das Geburtsdatum teilte, sicher auf ihrem Rücken festgebunden. Die beiden gerade knapp ein jahr alten Babys schrien laut, als die Reisegesellschaft angekommen war. Dann sah Julius noch die drei Porters und das Ehepaar Galatea und Tim Abrahams. Der muggelstämmige Zauberer trug einen marineblauen Umhang. Seine Frau trug einen weiten, veilchenblauen Umhang und trug eine Art himmelblauen Rucksack auf dem Rücken, der eher nach einem umschnallbaren Strampelanzug aussah. Aus diesem lugte der runde, rothaarige Kopf eines wohl gerade fünf Monate alten Jungen heraus, der mit den einige Monate älteren Zwillingsschwestern Drake um die Wette plärrte. Die restlichen Mitreisenden kannte Julius höchstens aus der Ferne, weil sie bei den Prozessen gegen Umbridge, die Malfoys und die Carrows im Gerichtssaal gesessen hatten.

Lothaire Bouvier zog seinen blau-weiß-roten Zaubererhut und begrüßte die Ankömmlinge erst allgemein, wobei er ein sehr akzentreiches Englisch sprach. Dann notierte er rasch die Ankunft von Portschlüssel London 1 und wartete, bis das Heldentrio Potter, Granger und Weasley aus der löcherigen, von dunkelbraunen Rostflecken übersäten Badewanne geklettert war, bevor Lothaire diese mit einem Fernlenkzauber zu einem Stapel bereits eingetrudelter Gegenstände bugsierte. Er überließ es Julius, die Gäste einzeln zu begrüßen. Hierbei ging dieser den anerzogenen Gepflogenheiten erst zu den ältesten Hexen, dann zu den ältesten Zauberern und arbeitete sich weiter durch bis zu den jüngsten, auf eigenen Beinen laufenden Hexen und Zauberern.

"Hallo, Julius! Haben Sie dich wegen deiner Sprachkenntnisse zum Abholer verdonnert?" Fragte Lea Drake den ehemaligen Schulkameraden. Wer sie sah und ihre haarsträubenden Erlebnisse im Jahr des Todessertrios nicht kannte mußte sie für eine Frau Anfang zwanzig halten. Dabei war sie genauso alt wie Julius Latierre.

"Offiziell noch nicht. Ich habe mich aber auf die Stelle beworben, weil ja genug Gäste kommen, die eher Englisch als Französisch sprechen", antwortete Mildrid Latierres Mann. Leas Mutter, die es gerade so geschafft hatte, ihre beiden jüngsten Töchter zu beruhigen sagte dazu noch:

"Lea und ich haben die hiesige Landessprache gelernt. Aber es ist trotzdem schön, jemanden bekannten zu treffen."

"Zumindest kann ich Ihre beiden Neuen jetzt schon angucken", erwiderte Julius darauf. Mrs. Drake lächelte und entgegnete, daß es ja auch schon eine gewisse Zeit her sei, wo er sie gesehen hatte und die beiden Kleinen da ja noch sorgsam verpackt gewesen waren. Julius nickte dazu nur. Dann begrüßte er Harry Potter und seine Freunde.

"Ich dachte eigentlich, du würdest in der englischen Mannschaft spielen", sagte Julius zu Harry. "Immerhin hast du für Gryffindor ja noch mal den Pokal holen dürfen."

"Meine Verlobte ist in der Mannschaft", sagte Harry und strahlte. "Ich fange nach der WM im Aurorenkommando an. Immerhin habe ich bei Slughorn einen O-UTZ in Zaubertränken abräumen können, was bei Professor Snape wohl kaum drin gewesen wäre", sagte Harry Potter. Julius hatte es schon auf der Zunge, zu fragen, wer Harrys Verlobte sei. Doch nach allen Neuigkeiten aus Hogwarts konnte er sich das auch ganz leicht selbst beantworten. So wandte er sich an Ron Weasley.

"Na, wie geht es deiner Familie?" Fragte er ihn.

"Wir haben unser Haus ein wenig renoviert. Jeder von uns hat jetzt einen Nimbus 2001 oder Sauberwisch 12. Das Hauselfenzuteilungsbüro hat uns eine junge Hauselfe namens Bizzy zugeteilt." Hermine Granger verzog das Gesicht, als er das erwähnte. "Ja, aber die muß nicht so ranklotzen, weil Mum immer noch gerne die Hausarbeit macht. Fleur und Bill holen gerade ihre Flitterwochen nach und kommen wohl erst Ende Juli hier hin, um das Endspiel England gegen Frankreich zu sehen. Das meine Schwester ja in der Mannschaft mitspielt hat Harry dir ja gesagt." Harry verzog das Gesicht, weil Ron es nun offen erwähnt hatte, was Julius sich schon hatte denken können. Er sagte deshalb mit gewissem Unmut:

"Ich habe es mit ihr besprochen, daß wir das erst offiziell rumgehen lassen, wenn sie mit Hogwarts durch ist, Julius. Hier laufen mir zu viele Schreiberlinge herum." Julius nickte zustimmend. Hermine sagte dann auf ihre gewohnt schulmeisterische Art:

"Anstatt sich auf das überzogene Getue der sogenannten höheren Gesellschaft einzulassen und einen Hauselfen anzustellen hätte Ronalds Mutter das auch ablehnen können, wenn sie schon die meisten Sachen im Haushalt macht, zumal ja nun alle Kinder aus dem Haus sind."

"Wissen wir", versetzten Harry und Ron im Chor. "Aber meine Mum ist auch nicht mehr die jüngste. Und der Kampf mit Bellatrix hat sie damals ziemlich heftig geschlaucht, vor allem, weil man ihr dann noch einen Mordprozeß ans Bein hängen wollte. Bizzy macht die Küche sauber, entgnomt den Garten, pflegt unsere Hühner und führt unseren Ghul aus", erwiderte Ron. Julius wußte zwar schon, daß die echten Ghule nicht die Leichen fressenden Monster aus den Horrorgeschichten der Muggelwelt waren, aber dennoch sehr launisch und aufbrausend sein konnten. So ein Wesen wie einen Hund auszuführen verlangte Geduld, Körperkraft und Nervenstärke.

"Das ist doch schon eine ganze Menge dafür, daß die Elfe keine Bezahlung erhält", schnaubte Hermine. Ron erwiderte darauf nichts. Julius wunderte sich deshalb. Doch Harry meinte dazu:

"Wenn Ron auch auszieht hat Bizzy ja ein wenig weniger zu tun. Und daß ein auf die Tätigkeit bezogener Hauself sich nicht von deinen B.Elfe.R.-Begründungen aus dem Haus treiben läßt hat Creacher dir doch gezeigt. Der hat mich doch nach meinem Abschluß fast schon auf Knien angebettelt, ich möge ihn wieder ins Haus zurückholen, obwohl er auch in Hogwarts gut untergekommen ist und von den anderen Hauselfen da als Anführer der Elfentruppe gegen Voldemort hoch angesehen ist."

"Das haben wir oft genug durchgekaut, daß du diesen armen, alten Hauselfen nicht in den wohlverdienten Ruhestand schicken möchtest, Harry Potter", schnaubte Hermine Granger verächtlich.

"Besser, wenn ihr das nicht in der Reichweite von Linda Knowles magischen Ohren beredet", raunte Julius. "Nachher will die noch eine Hausgeschichte von jedem von euch machen."

"Magische Ohren?" Fragte Hermine Granger argwöhnisch. Julius erklärte ihr und ihren Freunden dann, was Lindas Ohren seinen Kenntnissen nach konnten. "Wie Moodys Auge, nur eben als Ohren", schloß er den kurzen Vortrag. Harry und Hermine nickten. Dann fragte Ron, ob Julius sich in diesem Dorf auskenne. Darauf mußte Julius lachen, während Hermine ihren Freund verächtlich ansah, als habe der gerade eine total dumme oder unsinnige Frage gestellt.

"Ich wohne hier", sagte Julius nach dem ersten Lachanfall. "Die haben mir und meiner Frau zum siebzehnten ein Varanca-Haus hingestellt und mit Ortsverharrungszaubern und Flohnetzanschluß ausgestattet."

"Ähm, ihr habt aber keinen Hauselfen, oder?" Fragte Ron herausfordernd und nahm Hermines tadelnden Blick gelassen hin.

"Im Moment kriegen meine Frau und ich das alleine hin, die nötigen Hausarbeiten zu machen, zumal das Haus über gewisse Selbstreinigungszauber verfügt. Hermine machte darauf nur "Hah!"

"Okay, du wohnst hier", griff Harry Rons Frage von eben auf und erkundigte sich nach einem südlichen Zeltplatz. Julius fragte in die Runde der Ankömmlinge, ob noch wer dort untergebracht sei. Die Porters wollten natürlich zu den Redliefs, während die Drakes zu einem Zeltplatz im Nordwesten eingeteilt worden waren. So beschloß Julius, mal eben seinen Besen zu apportieren, weil die meisten Ankömmlinge eigene Besen mithatten.

Lothaire übernahm einen Teil der Truppe, während Julius das Heldentrio, die Porters und die Drakes führte. Er fragte sich, ob Leas Mutter vielleicht nicht nach Millemerveilles hineingelassen würde, da er wußte, daß sie wohl den schweigsamen Schwestern angehörte. Er mußte sich sehr anstrengen, seine Angespanntheit nicht zu zeigen, als sie alle auf die unsichtbare Barriere zuflogen. Er sah wie beiläufig wirkend zu den Drakes hinüber, als sie in den Wirkungsbereich von Sardonias magischer Glocke gerieten. Bildete er es sich ein, weil er mit sowas gerechnet hatte? Jedenfalls sah er, daß um Mrs. Drake und die hinter ihr auf dem Besen in einem Zwillingskindertragekorb liegenden Mädchen für einen winzigen Moment ein Flimmern aufkam wie bei stark erhitzter Luft. Er vermeinte auch, ein kurzes Zucken im Gesicht von Leas Mutter zu sehen. Doch dann war sie genauso durch die sardonianische Absperrung wie alle anderen, Lea eingeschlossen. Mrs. Drake zeigte auch keine weitere Veränderung, als sie wweiter nach Millemerveilles hineinflogen. Dann mochte sich Julius dieses kurze Flimmern wohl doch nur eingebildet haben. So konzentrierte er sich nun darauf, die von ihm betreute Besuchergruppe an die vorgebuchten Lagerplätze zu führen und mit den dortigen Platzwarten alles nötige zu regeln, damit die der Landessprache unkundigen keine weiteren Schwierigkeiten mehr hatten.

Gloria aparierte mit Julius Seit an Seit vor dem Apfelhaus, als sie ihre Eltern sicher untergebracht wußte.

"Post für uns, Julius", begrüßte Millie ihren Mann vor der Tür und begrüßte dann Gloria.

"Wer schreibt uns?" Fragte Julius.

"Ma hat unsere Arbeitskleidung geschickt, Julius. Ihr war klar, daß du schon jetzt bei den Portschlüsselanreisen mitmischen möchtest. Sie kennt dich eben ziemlich gut."

"Für eine Schwiegermutter", grummelte Gloria. Millie sah sie dafür verwundert an und fragte, warum Gloria das so gereizt sagte.

"Na ja, Kevin ist ein vorlauter Bengel geblieben. Aber in dem Punkt hat er ja doch irgendwie recht, daß deine Familie Julius sehr gut vereinnahmt hat", grummelte Gloria.

"Er kommt eben mit allen von uns klar, Gloria. Außerdem hat er sich am Montag wie ich und einige andere ganz ohne Druck dazu gemeldet, die Besucherbetreuung mitzumachen. Aber vielleicht siehst du dir erst mal das Zimmer an, in dem Pina und du schlafen wollt. Oder hast du es dir anders überlegt?"

"'tschuldigung, Millie. Es ist und bleibt mir eben immer noch ein Rätsel, wie das zwischen dir und Julius so schnell und so fest geworden ist. Aber ich habe gesagt, daß ich gerne hier übernachten möchte, wenn ihr nichts dagegenhabt, weil ich keine Lust auf Großtante Patricias Bevormundungen habe."

"Okay, dann zeige ich dir das Zimmer. Pina kommt heute Abend rüber?"

"Die will zusammen mit den Whitesands ankommen, bei denen sie gerade mit ihrer Mutter und Olivia zu Besuch ist", erwiderte Gloria. Millie nickte und deutete auf die durch einen Stuhl offengehaltene Eingangstür. Gloria nickte und betrat das orangerote Haus Pomme de la Vie.

"Aurora ist um eins hier. Connie trudelt mit ihren Eltern und der Kleinen um halb eins ein."

"So klein ist die auch nicht mehr, Millie", sagte Julius. "Ich habe gerade die Zwillingsschwestern von Lea Drake und den kleinen Garwin Abrahams sehen dürfen."

"Och joh, wem sieht der Kleine denn ähnlich?" Fragte Millie. Er erwiderte, daß Tims Sohn die Haare seiner Mutter und die Augen seines Vaters geerbt habe. Da ploppte es vor der offenen Tür, und Venus Partridge erschien.

"Hallo ihr zwei. Habe mir von Britt offenbar sehr gut beschreiben lassen, wie euer Haus aussieht. Jau, echt genial!" Sie betrachtete das zwölf Meter durchmessende, in einer flachen Mulde ruhende Haus, das wie ein pflückreifer Apfel gestaltet war. "Und das ist auch von den Varanca-Geschwistern?"

"Jawoll, ist es", erwiderte Julius und bot Venus eine kurze Führung an. Diese schüttelte jedoch den Kopf und mentiloquierte: "Lino steht mir auf dem Rocksaum. Wenn ich die von euch fernhalten soll kehre ich besser gleich wieder zu Protzkönigin Gildfork zurück. Aber ich komme drauf zurück, wenn Lino ihre Ohren an den Lippen der angereisten Minister festklebt." Julius schickte ihr ein: "Verstehe" zurück. Dann winkte er ihr zu. Sie umschritt einmal kurz das Haus, bevor sie disapparierte.

"Wolltest du sie nicht reinlassen?" Fragte Millie, die gerade wieder das Haus verließ.

"Die haben wohl noch offizielle Sachen zu erledigen, Millie", erwiderte Julius.

"Na ja, bleibt nicht aus, wenn so viele Berühmtheiten auf einem Haufen versammelt sind", grinste Millie. Dann deutete sie ins Haus, wo zwei Pakete auf dem runden Tisch bei der Sitzgruppe lagen. Julius betrat das Haus und nahm das mit seinem Namen beschriftete Paket und den daran angebundenen Briefumschlag. Dem Umschlag entnahm er eine in amtlichen Stil gehaltene Bestätigung, daß er bis zum Tag nach dem Endspiel als zeitweiliger Besucherbetreuer und Übersetzungsgehilfe eingestellt worden sei und bei allen diesbezüglichen Anlässen die beigefügte Dienstbekleidung mit den Erkennungszeichen zu tragen verpflichtet sei. Er probierte die drei Stücke der Besucherbetreueruniform in einem der Badezimmer an und begutachtete sich im Spiegel. Sah schon richtig wichtig aus, wie er da im goldenen Hemd und weißer Leinenhose stand, den blau-weiß-rot quergestreiften Umhang würdig um den Körper gelegt und die beiden Plaketten mit dem Weltmeisterschaftsemblem und seinem Namenszug M. JULIUS LATIERRE am Brustteil angeheftet trug. Millie hatte eine entsprechende Aufmachung für Hexen erhalten und führte sie ihm und Gloria vor.

"Dann warst du ja doch schon im Dienst, als du uns abgeholt hast", erwiderte Gloria darauf.

"Solange ich keine offizielle Bestätigung hatte noch nicht. Aber ich bin für die weiteren Besucher aus den Staaten und England eingeteilt worden. Dann kann ich Pina und ihre Familie ganz offiziell abholen", sagte Julius. Da läutete das magische Glockenspiel "Wie leuchtet mir der Apfelbaum". Julius trat hinaus und sah Glorias Eltern, die das Haus bestaunten.

"Das haben sie für euch hingestellt?" Fragte Mrs. Porter, während ihr Mann gerade die Abmessung des Apfelhauses abschätzte.

"Genau, das haben sie uns hingestellt, weil ich hier wohl schon richtig gewohnt habe, bevor ich volljährig wurde", erwiderte Julius stolz.

"Das ganze Grundstück gleich dabei?" Fragte Plinius Porter. "Die wollten dich eindeutig nicht mehr anderswo hinlassen."

"Deine Schwiegermutter hat wohl nicht lange gezögert, dich als Besucherbetreuer mit einzuspannen, wie?" Fragte Dione Porter. Julius bestätigte das. Dann bat er die beiden Besucher aus England, sich das Haus auch mal von innen anzusehen.

Zwanzig Minuten später kehrten die Eheleute Porter zu ihrem Zeltplatz zurück. Millie und Julius hatten sich wieder freizeitmäßig umgezogen und warteten auf Constance Dornier, die per Flohpulver anreisen würde. Um halb eins landete Aurora Dawn vor dem Apfelhaus. Sie sagte kein Wort. Julius machte eine einladende Handbewegung zum Haus hin. Die Heilerin aus Sydney nickte und betrat das Haus. "Diese Knowles ist aufdringlich geworden. Die hat es mitgehört, daß ich wohl wegen der Doppelachse interviewt werde. Aber jetzt hängt sie sich an Ministerin Rockridge", mentiloquierte sie, während die Tür zufiel. Julius schickte die Frage zurück, wann die Australier angekommen seien und erfuhr, daß dies vor einer Stunde passiert sei. Dann zeigte er Aurora sein Arbeitszimmer, das er für das Interview zu einem Klangkerker machen würde.

 

Kurz vor eins traf Constance Dornier im Kamin der Empfangshalle ein. Sie hatte sich ein türkisfarbenes Kleid angezogen und trug eine klobig wirkende Fotoausrüstung in einer Umhängetasche bei sich. Sie begrüßte Mildrid, Julius und Aurora Dawn. Julius fragte, ob er zuhören dürfe und bekam von Constance und Aurora die Erlaubnis.

"Meine Eltern, Céline, Cythera und ich sind im Haus der französischen Delegation untergekommen", erwähnte Constance, als sie auf dem Weg zum Interviewzimmer waren. "Da ist auch ein kleiner Kinderhort untergebracht, wo Millies kleine Schwester und die Kinder der Spiler betreut werden." Als Julius den Klangkerker errichtet hatte bedankte sich Constance noch einmal bei Aurora Dawn, daß sie ihr die Zeit widmen wollte und holte sich die Erlaubnis ein, eine Flotte-Schreibe-Feder benutzen zu dürfen. Dann begann sie ihr Interview.

"Die Weltmeisterschaft im Quidditch, die in diesem Sommer zu Millemerveilles stattfindet könnte durch ein sehr schnelles Flugmanöver entschieden werden, das von der in Australien praktizierenden Heilerin Aurora Dawn erfunden und ausgefeilt wurde. Ich freue mich, die Erfinderin dieses nach ihr benannten Flugmanövers heute sprechen zu dürfen", setzte sie an. Dann kam eine kurze Begrüßung für die über das Pergament huschende Mitschreibefeder. Aurora wurde gefragt, ob sie eine angenehme Anreise gehabt habe. Dann ging es um den Dawn'schen Doppelachser. Sie erwähnte, daß sie dieses Flugmanöver bei Julius Latierre, damals noch Andrews erstmalig zu sehen bekommen habe und fragte die Heilerin, wann genau sie das Manöver erfunden habe. Aurora schilderte ihr nun, wie sie als Hogwarts-Schülerin die Grundlagen ausprobiert und das Doppelachsenmanöver entwickelt habe. Auf die Frage danach, ob es schwer zu lernen sei erhielt Constance die Antwort, daß es schwerer war, es in der heute so guten Ausführung zu entwickeln als es anderen beizubringen. Sie erwähnte, daß sie ihren damaligen Mannschaftskameraden die Handhabung beigebracht und damit wichtige Punkte für den Pokalgewinn erspielen konnte. Constance erwähnte, daß das Manöver nicht zum Standard bei Profimannschaften geworden sei und fragte Aurora Dawn, ob sie es nur ausgesuchten Spielern beibringen wollte. Die Heilerin mit den graugrünen Augen lächelte und antwortete darauf:

"Nun, zum einen wollte ich dieses Manöver nur können, um nicht von jedem Klatscher vom Besen geschlagen zu werden. Zum anderen gab und gibt es im Quidditch viele brauchbare Einzelmanöver und Formierungsarten. Sie erwähnten ja, daß Sie es während eines Quidditchturnieres vor zwei Jahren von Monsieur Latierre zu sehen bekamen. Ich brachte es ihm bei, weil ich wußte, daß der Druck innerhalb seiner Mannschaft ihn in Versuchung führte, sich auf gefährliche Konfrontationen einzulassen. Als aprobierte Heilerin lege ich wert auf die Unversehrtheit meiner magischen Mitmenschen, vor allem, wenn Sie mir auch privat wichtig sind."

"Wie meinen Sie das bitte?" Stellte Constance die darauf natürlich zu erwartende Frage.

"Nun, ich verrate Ihnen und Ihren Lesern kein Geheimnis mehr, wenn ich Ihnen verrate, daß ich diesen jungen Zauberer hier kennenlernte, bevor er nach Hogwarts ging." Constance diktierte: "Mademoiselle Dawn weist auf den anwesenden Monsieur Latierre. "Ohne jetzt zu tief auf die privaten Einzelheiten einzugehen, die sich aus dieser ersten Begegnung ergaben möchte ich sagen, daß es mir schon sehr wichtig war, daß er sein Talent auf dem Flugbesen richtig ausnutzen kann, ohne sich dabei umzubringen. Ich unterhalte zu ihm ein freundschaftliches Verhältnis, wie es zwischen einer erwachsenen Hexe und einem jungen Zauberer möglich ist. Seine Mutter gestattete mir, Monsieur Latierre weiterhin mit meinem Wissen zu unterstützen, sofern er diese Unterstützung annehmen wollte. Daher brachte ich ihm dieses Flugmanöver bei."

"Ja, aber nun ist es zumindest der Schülerschaft von Beauxbatons bekannt, daß Monsieur Latierre es seinen Kameraden und seiner angeheirateten Verwandtschaft beibrachte und damit für seine Mannschaft und die seiner Frau einen entscheidenden Vorteil herausholte. War das in Ihrem Sinne?"

"Wie erwähnt bin ich von Berufswegen daran interessiert, die Unversehrtheit der magischen Mitmenschen zu gewährleisten. Sowohl in Hogwarts als auch in anderen Zaubererschulen kam und kommt es immer wieder zu Unfällen, bei denen Spieler lebensgefährlich verletzt werden", erwiderte Aurora Dawn ganz ruhig. "Was den Vorteil angeht, so ist es durch die Zulassung von eigenen Besen durchaus auch möglich, daß Mannschaften auf überragenden Besen antreten dürfen. Sowohl in Hogwarts wie in Beauxbatons gilt eine Besitzerlaubnis für Flugbesen bei Schülern oberhalb der ersten Klasse. Insofern bestand und besteht immer die Möglichkeit, daß eine Mannschaft Vorteile gegenüber den anderen erhält." Julius sah Aurora und Constance an und sagte dann:

"Wenn ich das einwerfen darf: In Hogwarts errang die Mannschaft des Hauses Slytherin einen unschätzbaren Vorteil dadurch, daß die Eltern eines Spielers der gesamten Mannschaft Nimbus 2001 spendierte, natürlich auch um ihrem Sohn die Mitgliedschaft in der Mannschaft zu sichern. Das wurde nicht verboten, soweit ich weiß."

"Interessant", erwiderte Constance. "Monsieur Latierre, möchten Sie den Leserinnen und Lesern sagen, welche Familie diese großzügige Spende gemacht hat?"

"Das möchte ich bei allem Respekt vor dem Informationsbedürfnis Ihrer Leser nicht bekanntgeben. Die dabei waren wissen es eh. Ich habe es nur erwähnt, um aus meinem eigenen Erleben einzuwerfen, daß Vorteilsüberhänge in Schulmannschaften nicht verboten waren."

"Nun, jetzt ist es so, daß in Beauxbatons im verstrichenen Schuljahr die Befürchtung aufkam, Ihre Mannschaft und die Ihrer Frau könnten durch die Benutzung des Dawn'schen Doppelachsers vorzeitig den Turnierpokal erringen. Daher wurde das Manöver nicht als zulässiger Spielzug im Turnier erlaubt. Wurden Sie seitens der australischen Quidditchliga dazu aufgefordert, es der Nationalmannschaft beizubringen, Mademoiselle Dawn?"

"Ich wurde nicht dazu angehalten. Auch wurde mir nicht verboten, es im Privatrahmen einigen Spielern beizubringen, die derzeit in der australischen Nationalmannschaft spielen. Allerdings sind wir um sportlich ausgewogen mitspielen zu können darüber eingekommen, daß es nur im unmittelbaren Gefahrenfall angewendet werden darf und nicht als Angriffs- oder Konterunterstützung durchgeführt werden darf. Wie es sich mit der französischen Nationalmannschaft verhält, von der ich weiß, daß einige der Spieler meinen Doppelachser fliegen können, weiß ich nicht. Da wenden Sie sich dann bitte an den Mannschaftskapitän oder die Leiterin der Abteilung für magische Spiele und Sportarten!"

"Ein derartiges Gespräch steht demnächst an", sagte Constance. "Am Freitag findet ja in Millemerveilles eine Pressekonferenz aller angereisten Spiele- und Sportbeamten aus dem In- und Ausland statt. Sind Sie stolz, daß sie ein so erfolgreiches Flugmanöver erfunden haben, das von jedem Mannschaftsmitglied ausgeführt werden kann?"

"In Hogwarts war ich wirklich stolz, dieses Manöver erfunden und ausgefeilt zu haben, Mademoiselle Dornier. Jetzt bin ich eher beruhigt, daß dadurch die Gefahr von unnötigen Zusammenstößen erheblich gemindert wurde und die Spieler und Zuschauer somit mehr Spaß am Spiel als solchen haben können. Ob ich damit der australischen, englischen oder französischen Mannschaft einen erheblichen Vorteil ermöglicht habe und damit indirekt mithelfen könnte, den Weltmeisterpokal zu gewinnen, ist für mich in dieser Hinsicht zweitrangig, da ich keine offizielle Quidditchspielerin oder magische Sportfunktionärin bin. Vielleicht wird bei der von Ihnen erwähnten Pressekonferenz sogar klargestellt, daß das Manöver nicht benutzt werden darf. Damit würde der Vorteil hinfällig, wenn auch die Gefahr wieder groß, mit anderen Spielern zusammenzustoßen oder von einem Klatscher lebensgefährlich verletzt zu werden. Im letzteren, hoffentlich nicht zu erlebenden Fall hoffe ich auf die schnelle und professionelle Hilfe der betreuenden Heilerinnen und Heiler", erwiderte Aurora Dawn. Dann ging es noch um Auroras Erfahrungen mit verschiedenen Besen und einen Vergleich zwischen den britischen und australischen Rennbesen. Constance lies die Katze aus dem Sack, daß die französische Mannschaft bei ihren Spielen den neuen Ganymed 12 fliegen würde und fragte Aurora über ihre Einschätzung zu den australischen Willy-Willy-Besen aus. Dann ging es noch um ihren Werdegang in Hogwarts und der magischen Heilzunft Australiens, um noch die Privathexe Aurora Dawn soweit es ihre öffentliche Betätigung anging hervorzuheben. Dann wandte sich Constance noch einmal an Julius Latierre:

"Sie haben ja nun drei Schulturniere überstanden, wobei Sie sich ja im ersten an einen neuen Besen gewöhnen mußten. Wie schätzen Sie die Möglichkeiten der französischen Nationalmannschaft ein, mit oder ohne die Dawn'sche Doppelachse?"

"Also, aus meiner eigenen Erfahrung sage ich jetzt ganz klar, daß die französische Nationalmannschaft zumindest ins Finale kommt, wenn alle Spieler die Doppelachse beherrschen und benutzen dürfen. Ansonsten denke ich, daß die Mannschaft mit den neuen Besen den britischen Feuerblitzen zumindest ebenbürtig ist, um spannende Partien zu bestreiten."

"Es sind ja einige aus Ihrer Saalmannschaft und jener Ihrer Frau in die Nationalmannschaft hineingekommen, die von Ihnen Mademoiselle Dawns Doppelachsenmanöver gelernt haben. Darf ich Sie auch fragen, ob Sie stolz wären, wenn die Mannschaft dadurch die Weltmeisterschaft gewönne?"

"Sagen wir es so, Mademoiselle Dornier: Von meinem Blut her halte ich auch noch zu der englischen Mannschaft und wünsche ihr das bestmögliche Ergebnis, daß ihre Spieler im Turnier erzielen können. Sollte es wirklich darauf hinauslaufen, daß die französische Nationalmannschaft durch die Doppelachse ins Finale gelangt und dieses zu gewinnen vermag, so gilt für mich das gleiche, was Mademoiselle Dawn gesagt hat. Ich bin dann nicht stolz, sondern beruhigt, daß Spieler, die ich zum Teil persönlich kennenlernen durfte, nicht unnötigen Verletzungsgefahren ausgeliefert waren. Stolz wäre ich dann höchstens, wenn ich selbst in der Mannschaft mitspielen würde oder den Beruf meiner Schwiegermutter ausüben würde. Verstehen Sie das bitte nicht so, daß ich mich hier nicht zu Hause fühle, Mademoiselle Dornier. Aber bei einem Turnier gilt ja immer, daß der oder die bessere gewinnen möge, und zwar im Rahmen eines regelgerechten Wettstreites. Sollte die amtierende Leiterin der Abteilung für magische Spiele und Sportarten befinden, daß Mademoiselle Dawns Flugmanöver nicht verwendet werden darf, so unterstütze ich diese Entscheidung. Sollte sie es zulassen, so unterstütze ich auch diese Entscheidung. Abgesehen davon hat sie mir mindestens zwanzig Jahre Spielpraxis voraus, um das besser als ich einzuschätzen, was unaufwiegbare Vorteile angeht." Aurora grinste verhalten. Auch Constance konnte sich einer stillen Erheiterung nicht erwehren. Sie fragte deshalb:

"Tragen Sie sich damit, nach Ihrer Schulzeit berufsmäßig Quidditch zu spielen?"

"Eher nicht, weil ich gerne etwas machen möchte, was mich mehr als zehn Jahre lang beschäftigt", erwiderte Julius darauf, ohne sich festzulegen.

"Sie könnten durchaus nach einer Karriere als Profispieler in die Vereinsführung oder die Abteilung für magische Spiele und Sport eintreten oder sich bei den Herstellern von Flugbesen bewerben", erwähnte Constance.

"Für letztere Berufswahl benötige ich höchstens eine schriftliche Bestätigung, regelmäßig in der Schulmannschaft mitgespielt zu haben und dabei eine bestimmte Anzahl Flugstunden vorweisen zu können."

"Nun, das dürfte den Leserinnen und Lesern meiner Zeitschrift auch genügen", sagte Constance und bedankte sich für das Interview. Sie pflückte die Flotte-Schreibe-Feder vom dritten Pergamentblatt und verstaute die beschriebenen Bögen. "Noch mal vielen Dank für das Interview. Es wird dann nächsten Samstag in Quaffel & Co. abgedruckt, wenn ich schnell genug in der Redaktion bin. So eine Schreibefeder vereinfacht doch vieles."

"Ähm, hoffentlich schreibt die nur wortwörtlich ab und macht nicht so einen zusätzlichen Gefühlsduseligen Wortbrei darum herum wie die Feder von Rita Kimmkorn oder Linda Knowles", sagte Julius. Constance verzog kurz das Gesicht. Doch dann lächelte sie und holte die beschriebenen Pergamente noch einmal hervor. Sie gab sie Julius zu lesen. Dieser las, daß die Fragen und Antworten alle korrekt wiedergegeben wurden und nur die Art der Betonung interpretiert wurde. Er nickte und gab die drei Blätter an Aurora Dawn weiter, die sie durchlas und dann sehr heftig nickte. "Das dürfen Sie in dieser Reinform in den Druck geben, Mademoiselle Dornier", sagte sie dann zur zusätzlichen Bekräftigung. Constance atmete auf und verstaute ihre Beute nun. Dann ging es noch einmal nach draußen vor die Tür, wo Constance ein Foto von Julius und Aurora machte und Julius nach kurzer Einweisung in die Bedienung der Kamera zwei Fotos von Constance und Aurora schoß. Constance wollte gerade das Grundstück verlassen, als die Brocklehursts von ihrem Ausflug durch Millemerveilles zurückkehrten. Julius stellte Constance vor und übersetzte, daß Brittany unterwegs das französische Mannschaftshaus gesehen habe, das nur vierhundert Meter vom Hauptstadion entfernt lag. Constance ließ zurückübersetzen, daß sie mit ihren Eltern dort auch wohne, wenn sie nicht gerade beruflich unterwegs sei. Dann verabschiedete sie sich von den Brocklehursts und Latierres und flohpulverte in die Redaktion ihrer Zeitschrift.

"Womöglich wird dem Interview noch was angehängt, wie hervorragend die Ganymed-Besen sind", vermutete Millie beim Mittagessen. Aurora Dawn war noch da und unterhielt sich mit den Brocklehursts über Viento del Sol, wo sie ja auch schon einmal gewesen war und den Unterschied zwischen Quodpot und Quidditch. Bis dahin verlief alles harmonisch. Als Aurora jedoch darauf anspielte, daß Brittany bei einer irgendwann möglichen Schwangerschaft wohl ihre vegane Lebensweise zurückstellen müsse meinte Brittany:

"Würde mich nicht wundern, wenn Sie mit Chloe Palmer zusammengehangen hätten, um über mich zu reden, Ms. Dawn. Die kommt mir auch immer wieder damit, daß ich bei einer irgendwann mal fälligen Schwangerschaft auch Tierprodukte essen oder trinken müsse, um für mich und das Ungeborene genügend Proteine zu mir zu nehmen. Meine Großmutter väterlicherseits hat mir ein Kochbuch mit veganen Gerichten geschenkt, die auch von Schwangeren und stillenden Müttern gegessen werden können, ohne daß es zu Mangelerscheinungen bei den Kindern kommt. Bei allem Respekt des Gastes vor dem Gast des Gastgebers möchte ich Sie deshalb bitten, mir da nicht hineinreden zu wollen, solange ich Sie nicht als meine Mutterschaftsbetreuerin auswähle."

"Hast du eurer Heilerin das Buch schon zur Prüfung vorgelegt?" Fragte Aurora Dawn. Brittany verzog das Gesicht und erwiderte:

"Muß ich nicht. Ich bin nicht verpflichtet, meine Ernährung mit einer Heilerin abzustimmen."

"Auch wenn du das jetzt immer noch als unerwünschten Rat oder Bevormundung siehst möchte ich dir doch sagen, daß du dich da im Bezug auf eine Mutterschaft irrst, Brittany", erwiderte Aurora Dawn. "Denn solange du mit deinem Körper das Leben eines Kindes erhalten mußt, hat eine zertifizierte Heilhexe das Recht, dir vorzuschreiben, was du zu essen und zu trinken hast, weil du in dem Moment für das unmündige Kind mitlebst, das natürlich nicht wissen kann, was eine für seine Entwicklung gesunde Ernährung ist. Aber das überlasse ich dann getrost der Kollegin Palmer."

"Ich kläre das vorher mit Leuten aus der Muggelwelt, wo es mehr Veganer als in der Zaubererwelt gibt, ob diese Überbehütsamkeit wirklich nötig ist, Ms. Dawn. Kriege ich raus, daß vegane Mütter gesunde Kinder haben können, kann mich die werte Chloe nicht zwingen, Fleisch zu essen oder durch Überzüchtung errungene Milch zu trinken oder entsprechende Produkte zu mir zu nehmen. Mein Mann erkennt meine Lebensweise an, ebenso Julius und Mildrid. Tun Sie ihm und ihnen bitte den Gefallen, das auch zu tun!"

"Britt, sie meint damit, daß Chloe dir sicher schon angedroht hat, unser Kind zur Not selbst zu Ende zu tragen, wenn du nicht richtig für es mitessen willst", wandte nun Linus ein. Brittany, die sonst sehr frei heraus und locker drauf war, errötete nun sichtlich. Offenbar hatte ihr Mann sie da übel erwischt. Aurora nickte sachte und zitierte die entsprechenden Richtlinien der magischen Heilzunft und erwähnte, daß es in der Mutter-Kind-Abteilung der Sana-Novodies-Klinik durchaus schon vorgekommen sei, daß eine dort arbeitende Heilerin die Leibesfrucht von Hexen ausgetragen habe, die nicht von ihren Rauch- und Alkoholtrinkgewohnheiten ablassen wollten und von ihren Hebammen in die Klinik eingewiesen worden waren. Brittany meinte dazu dann:

"Danke für den Hinweis. Dann sehe ich wohl zu, Linus' und meine Kinder schön weit außerhalb von VDS auszubrüten."

"Oh, das dürfte dir auch übel bekommen. Da gab es einen Fall, wo eine Hexe ihre Schwangerschaft nicht von einer magischen Heilerin hat bestätigen und betreuen lassen und in einem Krankenhaus der Muggelwelt niederkam. Seitdem gehört es zu den Ordnungsstrafen. Hexen dürfen zwar in Muggelkrankenhäusern Kinder bekommen, aber nur, wenn sie diese vorher offiziell haben untersuchen lassen und wenn gegen eine magielose Geburtshilfe kein medimagischer Einwand erhoben wird."

"Interessant, hat die nette Mrs. Palmer nix von gesagt", erwiderte Linus Brocklehurst. "Aber meine Mutter hat sowas erwähnt, daß schwangere Hexen nicht mal eben in einem Muggelkrankenhaus ihre Babys kriegen dürfen, wenn das nicht klar ist, daß denen dabei nichts passiert. Gut, jeden Tag kommen auf der Welt ein paar zigtausend Muggelbabys an und überleben mit ihren Müttern. Aber du merkst, Britt, daß die Heilerzunft da wohl weltweit entsprechend voreingenommen ist."

"Wie erwähnt, Linus und Brittany: Wird eine Hexe schwanger, gilt sie solange als mit eingeschränkten Rechten ausgestattet, solange sie mit ihrem eigenen Körper das Leben des Kindes gewährleisten muß. Ich habe die Regen nicht gemacht. Aber ich befürworte sie", erwiderte Aurora Dawn.

"Meine Tante hat sich auch schon mit Mrs. Brocklehurst angelegt", erwiderte Millie. "Sie langweilen Sie wohl gerade, Ms. Dawn." Sie lächelte dabei verwegen.

"Mit anderen Worten, wenn Britt nicht von Chloe beraten werden will, kann die ihr unser Kind aus dem Leib hexen und sich selbst einpflanzen?" Fragte Linus Aurora Dawn. Brittany warf ihrem Mann einen verdrossenen Blick zu.

"Wenn sie heilmagisch nachweisen kann, daß das Kindeswohl gefährdet ist und das Kind sich nun einmal nicht aussuchen kann, was seine Mutter ist, könnte sie wirklich darauf kommen, es eine gewisse Zeit zu tragen oder gar unter ihrem Namen zu gebären. Denn sobald ein Kind auf magielose Weise den Leib einer es tragenden Hexe verläßt, ist diese mit allen Rechten und Pflichten seine Mutter. Das gilt auch, wenn sie das Kind mehr als dreißig Wochen trug. Willst du das, daß jemand euer Kind als sein eigenes aufzieht?" Brittany verzog das Gesicht und schüttelte den Kopf. Linus meinte dann:

"Ich kann meine Frau verstehen, daß sie was dagegen hat, daß für sie Tiere geschlachtet werden oder Kühe ein schmerzhaft volles Euter mit sich rumtragen, bis mal wer Milch daraus wringt. Aber ich denke doch, daß ich als Kindesvater nicht zusehen möchte, wenn eine mir relativ fremde Frau mein Kind zur Welt bringt und dann sagt, daß das dann ihres ist. Aber Britt, du willst ja eh noch zwei Jahre spielen, bevor wir da echt drüber nachdenken müssen."

"Linus, die hat angefangen", knurrte Britt und deutete auf Aurora Dawn, die das ganz gelassen wegsteckte.

"Ja, weil du damit angefangen hast, daß du alles ablehnst, wozu Tierprodukte verwendet werden. Das hat dir diese Béatrice Latierre damals doch auch schon um die Ohren gehauen, hat Mel mir erzählt."

"Abgesehen davon, daß es echt toll ist, wie du mich hier gerade vorführst, lieber Linus, sollte sich die gute Melanie selbst an die Nase fassen, was ihr alles geraten wurde, vor allem, als sie für ihre englische Tante einige Pfunde loswerden mußte, um deren Schönheitsideal nahezukommen. Deine Großtante Hygia hat es ja auch immer wieder mit ihr gehabt. Also, um hier nicht unnötig dicke Luft zu machen sage ich jetzt mal, daß ich mich mit der werten Chloe Palmer dann auseinandersetzen werde, wenn Brittanys kleiner Backofen angeheizt wurde. Bis dahin möchte ich nur, daß alle das zumindest respektieren, daß meine Ernährungs- und Lebensweise anders ist als bei den sogenanten normalen Leuten. Danke für die Aufmerksamkeit!"

"Heiler hängen sich gerne in sowas rein, wenn sie meinen, daß sie da gefordert sind", sagte nun Gloria, die bis dahin die Unterhaltung wortlos verfolgt hatte. "Das geht jetzt nicht gegen Sie, Ms. Dawn. Ich stelle das nur fest, daß Ihre Direktiven Ihnen da keine Wahl lassen."

"Ach, dann würdest du dir also einen kompletten Ernährungsplan vorlegen lassen, Gloria", fauchte Brittany. Julius fragte sich, warum das nicht aufhören wollte. Doch er wußte nicht, wie er das jetzt beenden konnte.

"Sollte ich irgendwann mal wen finden, dessen Kind ich bekommen möchte, dann will ich ganz sicher haben, daß es gesund in mir heranwächst und ohne Gefahr für es und mich zur Welt kommt. Wenn ich dafür eine Heilerin aufsuchen muß, dann muß ich mir auch gefallen lassen, daß die mir erzählt, was ich essen und trinken soll. Meine Mutter hat das auch so getan, und meine Großmütter haben da auch kein Problem mit gehabt. Meine in Frieden ruhende Großmutter Jane hat nur mal gescherzt, daß als meine Tante Geraldine unterwegs war, sie gerne mit ihr den Platz getauscht hätte, wenn sie eh nicht selbst entscheiden dürfe, was sie essen, trinken oder tun dürfe. Aber sie hatte mit Madam Greensporn auch eine strenge und doch witzige Hebamme."

"Die kann sich gerne um ihre eigene Verwandtschaft kümmern", grummelte Brittany. "Denn offenbar gelten die Heilergesetze nicht, wenn es darum geht, was neues auszuprobieren. Oder wieso hat eine Hexe über sechzig noch ein Kind von einem unbekannten Vater kriegen dürfen, wenn das doch so unschicklich und für das Kind so gefährlich ist?" Hakte Brittany ein.

"Weil sie vielleicht keine andere Wahl hatte", erwiderte Aurora Dawn. "Ihr wurde die Mutterschaft genehmigt, ohne sie wegen eines unehelichen Kindes aus der Zunft auszuschließen. Da ich die genaue Begründung dafür nicht kenne, kann ich mich dazu nicht näher äußern."

"Mit anderen Worten, bestimmte Ausnahmen gehen eben doch", erwiderte Brittany. "Wenn ich es also so hinstelle, daß es das erste Mal ist, wo eine vegan lebende Hexe Mutter wird und das neue Erkenntnisse bringt, muß mir die werte Mrs. Palmer das zugestehen, mich weiterhin vegan zu ernähren, auch wenn ich körperlich das Leben des Kindes oder der Kinder erhalten muß. Danke für diesen genialen Tipp, Ms. Dawn!"

"Ich dachte, du wolltest keine Ratschläge von mir haben", amüsierte sich Aurora Dawn. "Aber du darst der Kollegin Palmer gegenüber gerne damit auftrumpfen, daß was für eine aprobierte Heilerin galt auch für dich gelten dürfe, zumal du ja verheiratet bist."

"Da dürfen Sie von ausgehen", erwiderte Brittany nun überlegen lächelnd. Linus sagte dazu nur:

"Mich nervt es auch an, daß wir Väter bei dem ganzen nicht groß gefragt werden, was für das Kind gut ist oder nicht."

"Ich möchte das gerne als Schlußpunkt dieser Diskussion nehmen, Linus", sagte nun Julius. "Wie Britt und du eure Kinder ins Leben bringt klärt ihr dann mit denen, die ihr dafür einspannt. Aurora wollte genauso wie Béatrice einwerfen, daß es Probleme bei Heilbehandlungen gibt, wenn jemand was gegen tierische Wirkstoffe in Heiltränken hat. Zumindest habe ich das so verstanden."

"Deine Schwiegertante hat mit ihrer Mutter wohl auch genug zu tun gehabt oder noch vor sich", erwiderte Brittany, der anzumerken war, daß ihr die ganze Diskussion doch ziemlich unangenehm war. Es ging ihr wohl wirklich sehr stark auf die Nerven, andauernd ihre Lebensweise rechtfertigen und verteidigen zu müssen. Das konnte Julius nachfühlen. Denn er als Muggelstämmiger hatte sich ja früher und zum teil noch in Beauxbatons ähnlichen Anfeindungen oder Bevormundungen ausgeliefert gesehen. Aurora hatte nun ein Einsehen und erklärte die Diskussion von ihrem Standpunkt aus für beendet.

Als die Heilerin nach dem Mittagessen zu den Australiern hinapparierte, um sich noch ein wenig mit ihnen zu unterhalten, meinte Millie zu Julius:

"Geht der sonst so kessen Britt nicht am Hintern vorbei, daß andere ihr dreinreden dürfen, wie sie eigene Kinder zu versorgen hat." Da Brittany gerade mit Linus unterwegs zum Farbensee war, um ein wenig darin zu tauchen bekam sie das nicht mit. Julius sagte dazu nur:

"Stell dir vor, Tante Trice sagt dir, daß sie dein Kind zur Welt bringen muß, weil du nicht brav für es mitessen möchtest."

"Du wirst lachen, aber sie hat's Oma Line echt angedroht, eine ihrer kleinen Schwestern zu übernehmen, wenn die nicht etwas ruhiger würde. Aber wenn der kleine, bunte Vogel uns erhört, dann seh ich zu, daß ich unser erstes, zweites und wievieltes Kind ganz austrage und egal wie weh das mir tut auch an die Luft drücke. Denn genau das will Britt auch mit ihren Kindern. Deshalb sprang sie so auf Aurora Dawns Einwürfe an, weil sie Angst hat, das nicht tun zu dürfen, weil sie ihre Ess- und Trinkgewohnheiten nicht aufgeben möchte. Vielleicht bin ich eher so ein Muttertier wie Oma Line. Aber ich denke, Britt würde das total peinlich finden, wenn wer anderes ihre Kinder kriegen und aufziehen müßte. Dann hätte Linus ja gleich diese Chloe Palmer heiraten können." Julius nickte.

Gloria betrat die Küche und fragte, ob sie noch was helfen könne, um ihre eigenen Zauberkunstfertigkeiten zu üben. Julius bot ihr an, mit ihr den großen Garten zu pflegen, die Blumen- und Gemüsebeete zu gießen und die leeren Beete umzugraben.

"Ich weiß nicht, ob das so gut war, was deine große Freundin mit Britt beredet hat", sagte Gloria, als sie draußen im Garten mit Umgrabezaubern hantierten. "Aber Britt missioniert gerne, weiß ich von Mel und Myrna. Sie sagt zwar immer, daß sie es akzeptiert, wenn jemand Fleisch- und Milchprodukte zu sich nimmt. Aber dann muß sie zwischendurch doch damit anfangen, daß Kühe zum Milchgeben immer wieder kalben müssen und daß von einem geschlachteten Tier nicht immer alles gegessen wird und der Honig für Bienen ein besserer Nährstoff sei als dieses Zuckerwasser, was manche Imker denen überlassen, um den Honig zu klauen. Mag ja alles stimmen. Aber jeder sollte schon selbst entscheiden, was er glaubt, ißt, trinkt oder anzieht. Mum hat sich auch schon mal mit ihr gehabt, weil die magischen Kosmetika aus vielen Tierprodukten bestehen und Hexen und Zauberer lieber auf superglatte Haut oder glänzendes Haar verzichten sollen. Wenn Britt jetzt von allen Heilerinnen erzählt bekommt, daß sie für jedes noch nicht gezeugte Kind auf diese Lebensweise verzichten muß, könnte ihr einfallen, das mit dem Kinderkriegen ganz zu lassen. Ob ich mal in der Richtung was mache weiß ich selbst ja nicht. Aber diese ständigen Debatten gehen mir auf die Nerven."

"Da mußt du dich aber dran gewöhnen, wenn du die nächsten Wochen bei uns wohnen möchtest, Gloria", erwiderte Julius. "Millie und ich haben Britt zugesichert, daß sie bei uns veganes Essen und entsprechende Getränke bekommt. Das heißt nicht, daß Millie, du, Linus und ich kein Fleisch oder Käse essen werden."

"Das wäre bei euch in Frankreich ja auch eine Sünde, die tausend verschiedenen Käsesorten nicht genießen zu dürfen", erwiderte Gloria. "Aber eine andere Sache, was macht deine Mutter gerade?"

"Das möchte ich nicht draußen bereden, wo Lino zuhören kann", sagte Julius.

"Verstehe", erwiderte Gloria und lief an den Ohren rosarot an. Doch dann grinste sie.

"Die Granger schwört auf einen Unabhörbarkeitszauber, der auch im Freien gehen soll. Mal sehen!" Sie zog ihren Zauberstab und streckte ihn kerzengerade nach vorne. Dann drehte sie sich und murmelte dabei: "Muffliato totalum!" Julius meinte, ein leises Säuseln zu hören, als bliese ein kräftiger Wind durch Blätter. Das Säuslen wurde zu einem dunklen Raunen, das wieder leiser wurde.

"Wenn die jetzt außerhalb des Kreises bleibt hört die nur ein dumpfes Raunen in den Ohren, hat Ms. B.Elfe.R. behauptet. Harry Potter hat den angeblich aus einem Schulbuch, das früher Snape gehört hat. Der undurchsichtige Bursche soll das selbst erfunden haben, um nicht belauscht werden zu können. Die Granger hat's ausgefeilt und wie einen Rundumschildzauber hinbiegen können. Sie hat den bei Professor Barley mal vorgeführt, um zu zeigen, wie unerwünschte Mithörer abgewehrt werden können, wenn jemand keinen Klangkerker bauen kann. Ceridwens Tochter hat ja eine AG für Abwehr- und Schutzzaubereien eingeführt, ähnlich wie der Duellierclub bei euch in Beauxbatons. Da habe ich der Granger ein paar gute Abwehrzauber vorgestellt und die uns eben diesen Muffliato-Zauber."

"Okay, ich probier mal was aus", sagte Julius und hielt sich den Herzanhänger an die Stirn. "Millie, komm mal bitte vor die Tür und schick mir zu, was ich rufe!" Millie apparierte vor der Tür. Julius rief ein paar belanglose Wörter. Millie sah es wohl, schüttelte aber den Kopf. Dann schickte sie zurück: "Ich kriege nur ein komisches Raunen zu hören, als stehe ich vor einer dicken Wand, hinter der mehrere hundert Leute durcheinanderreden. Wie geht das denn?" Julius winkte seiner Frau. Diese trat näher und schrak dann zurück. "Mann, war das jetzt laut. Wie macht ihr daß?"

"Millie, ruf du mal was!" Bat Julius über die Herzanhängerverbindung.

"Was soll ich denn rufen?!" Rief Millie. Julius hörte es so klar, als wenn kein Zauber zwischen ihm und ihr stünde. Gloria grinste, während Julius zurückmentiloquierte: "Was soll ich denn rufen? hast du gerufen. Also von außen nach innen geht es. Kann uns Gloria gleich noch mal erzählen wie das geht. Ist auf jeden Fall ein guter Anti-Lino-Zauber, sofern die nicht durch die Barriere durchhören kann wie Moodys Auge durch Wände gucken konnte." Dann sagte er Gloria:

"Also der Zauber ist gut. Bringst du den Millie und mir bei?"

"Was war das mit dem Herzanhänger. Ist das ein Meloverstärker?" Fragte Gloria.

"Genau das. Hat ihr und mir schon gute Dienste geleistet. Kannst du den Zauber auch abbauen, oder reicht es, aus dem Wirkungsbereich herauszugehen?"

"Genau das. Wenn der oder die ihn aufrufende aus dem Wirkungsbereich heraustritt, klingt er nach nur einer Minute vollständig ab", erwiderte Gloria und verließ den von ihr geschlagenen Zauberkreis. Julius folgte ihr. Sie warteten eine Minute. Dann kehrten sie zu dritt an den Punkt zurück. Gloria wiederholzauberte den Unabhörbarkeitszauberkreis.

"Angeblich hat Snape den erfunden. Gut, als ständig zwischen den Stühlen hängender Doppelagent brauchte der wohl sowas", knurrte Gloria. Dann erklärte sie den beiden, wie der einfache Zauber ging, um in jede Himmelsrichtung einen Unbelauschbarkeitszauber zu schicken und Hermines Weiterentwicklung des direkten, halbkugelförmig wirkenden Zaubers, den sie gerade zum zweiten Mal aufgerufen hatte. Dann sprachen sie draußen, sich vor Linda Knowles' Ohren sicherfühlend, über Julius' Mutter und daß sie in dieser Woche ihre ZAG-Prüfungen bestehen mußte.

"Klar, daß Lino das nicht mitkriegen sollte", sagte Gloria dazu. "Und was macht sie, wenn sie die Prüfungen geschafft hat? Kommt sie dann zu euch nach Beauxbatons?"

"Ich denke, sie wird dann entweder damit zufrieden sein oder bei ihren bisherigen Nachhilfelehrerinnen noch zwei Jahre Privatunterricht für die UTZs absitzen müssen. Aber so kann sie nach den Prüfungen auch ihre Arbeit weitermachen, denke ich."

"Soweit ich von Mel und Myrna gehört habe kommt Nancy Gordon auch zum Spiel der Yankees rüber. Wenn deine Mum da Zeit hat könnte sie die Gelegenheit nutzen, um mit ihr über das Verhältnis zwischen Frankreich und den Staaten zu plaudern. Nachdem was im letzten Jahr so los war ist das sicher nicht unpraktisch."

"Meine Mutter kennt die Leute drüben schon ziemlich gut. Die war ja schon häufig bei denen drüben", sagte Julius. "Aber sie wollte an meinen Geburtstag rüberkommen. Ich werde morgen die Einladungen rausschicken."

"Da wird Kevin aber gucken, wenn der euer schönes Haus sieht", sagte Gloria mit einer gewissen erheiterung. Millie meinte dazu:

"Ist der immer noch so drauf, sich mit allen anzulegen?"

"Seitdem er sich mit Oma Grace alias Professor Craft und Professor Barley mehrmals angelegt und dafür nicht nur Punktabzüge für Ravenclaw verursacht hat überlegt der sich schon, mit wem er sich noch anlegen darf. Abgesehen davon kommen seine Eltern und die restliche Verwandtschaft ja mit dem Pulk aus Irland rüber. Könnte sein, daß du die begrüßen darfst, Julius."

"Mel, Myrna, die Watermelons und alle, die zu meinem Geburtstag im Apfelhaus wohnen stehen ja mit auf der Liste. Dann werde ich noch Sandrine und ihren Verlobten, Céline und Robert womöglich mit Constance und Cythera, die Brickstons, meine Mutter und wenn sie wollen und können Madame Faucon und die Dusoleils einladen."

"Und die anderen Pflegehelfer auch. Vielleicht beruhigt sich Kevin, wenn Patrice wieder auf ihn aufpaßt", erwiderte Millie. Gloria fragte, ob Sandrine echt schon verlobt sei und ob es Gérard sei. Millie und Julius erwähnten, daß die beiden am ersten August heiraten wollten und Laurentine wohl als Brautjungfer herüberkäme. Diese würde wohl morgen mit den Lagranges aus Calais eintrudeln und bei der hiesigen Familie Lagrange wohnen. So sprachen sie im Schutz der Muffliato-Barriere über Laurentine und die Loslösung von ihren Eltern, die Gästeliste, auf die er noch Millies Verwandte setzen würde und daß Gloria sich nach den UTZs im Laveau-Institut bewerben wolle und ob Julius schon wisse, daß Zachary Marchand dort angefangen habe.

"Meine Mutter hat es mir geschrieben, daß er mitgeholfen hat, diesen Zombiemeister zu bekämpfen und deshalb den Arbeitgeber gewechselt hat", sagte Julius. "Hat sich ja dann doch ein wenig abgekühlt, das Verhältnis der beiden. Und ich muß sagen, daß mir das gar nicht so schlecht gefällt."

"Mel meinte sowas, daß deine Mutter mit Madam Merryweathers Sohn gut getanzt habe. Aber der ist im Moment wegen dieser Nyx und ihrer Vampirbande unterwegs, um die Kontakte in die Muggelwelt zu festigen. mel erwähnte zwar sowas, daß das Ministerium die Gefahr beseitigt haben soll, erwähnt aber nicht, wie das genau ging."

"Wie, die haben Nyx erledigt?" Fragte Julius.

"Eben das wissen die drüben nicht. Es steht wohl nur fest, daß die von ihr geführten Vampire sich zurückhalten", erwiderte Gloria. "Aber dann müßtest du die Cartridges fragen. Und die geben dir sicher keine Antwort, wenn es nicht in der Zeitung stehen darf. Lino hat ihre Zauberohren sicher schon auf die Sache ausgerichtet."

"Na ja, ich muß es vielleicht auch nicht wissen, Gloria. Solange die nicht eine von Hallittis Schwestern angeworben haben, diese Nyx auszulöschen ...", raunte Julius.

"Ist wohl eher dieses Spinnenweib, das seit November als Nachfolgerin der Sardonianerin auftritt", sagte Gloria. "Die könnte auch ein Interesse dran haben, kein Vampirreich aufkommen zu lassen."

"Also, ich bin ja tolerant genug, zu sagen, daß die Hellmondler gerne leben können, wenn sie nicht darauf ausgehen, andauernd Leute auszusaugen, die das nicht wollen. Aber falls die sich nicht dran halten müssen die wohl eingesperrt oder getötet werden", sagte Julius.

"Jetzt redest du wie diese Hera Matine über die Riesen", stellte Gloria fest. Julius erschauderte. Ja, dieser Einwand war berechtigt und erschreckte ihn. Andererseits hatte er nach der Begegnung mit den Sangazons und dem Traum von Tourrecandides Verschwinden eine ähnliche Haltung gegenüber Vampiren wie Hera Matine gegenüber den Riesen. Andererseits mußte er diesen Wesen ein gewisses Lebensrecht zugestehen, wollte er selbst weiterleben. Denn daß Zauberer ohne magische Eltern ebenfalls zum Abschuß freigegeben werden konnten wußte er zu gut. Das sagte er auch und räumte ein, daß es für Vampire wie für Riesen einen genügend großen Lebensraum geben sollte, wo sie den unbescholtenen Menschen nicht gefährlich werden konnten und diese ihnen auch nichts antun bräuchten. Warum sollte, was für wilde Tiere in Afrika ging, nicht auch für menschenähnliche, empfindungsfähige Zauberwesen gelten?

So sprachen sie noch über Reservate für Drachen und Mademoiselle Maximes Vorhaben, einen in England lebenden Riesen mit ihrer reinrassig riesischen Tante zusammenzubringen. Gloria meinte dazu:

"Wenn die damit Grawp meint, dann könnte sie aber doch Ärger mit Professor McGonagall kriegen. Die hat Hagrid erlaubt, seinen Halbbruder in den Wäldern zu halten, wenn der dafür die Zentauren in Ruhe läßt. Allerdings könnten die dann wütend werden, wenn noch eine Riesin mit Nachwuchs in den Wald einzieht. Das könnte dann dazu führen, daß der verbotene Wald wirklich für alle und jeden verboten ist, weil da die Zentauren keinen mehr reinlassen wollen."

"Ich denke auch eher, daß Mademoiselle Maxime mit Hagrid einen Platz auf dem europäischen Festland findet. Dann hätten die Zentauren bei euch in Hogwarts Ruhe."

"Wäre nicht das schlechteste", murmelte Gloria.

Eine Eule schwirrte heran, verhielt über der unsichtbaren Lauschabwehrbarriere und warf dann einen Briefumschlag ab. Julius fing ihn auf und las den Absender:

"Waltraud schreibt uns", sagte er und las noch mal die Adresse: "Mildrid und Julius Latierre, Pomme de La Vie, Millemerveilles, Provence, Frankreich"

"Huch, wo hat die denn unsere Adresse her?" Fragte Millie.

"Kriegen wir gleich wohl raus", sagte Julius und zog einen Pergamentbogen aus dem Briefumschlag. Er las: "Hallo, Mildrid und Julius. Erst einmal meinen nachträglichen Glückwunsch zu eurer Hochzeit. Daß ihr zwei schon verheiratet seid ist zwar für mich eine Überraschung. Aber daß ihr beiden zusammenpaßt habe ich schon mitbekommen, als du wieder aus dem Trauerloch aufgetaucht bist, in das Claires Tod dich runtergezogen hat. Eure gemeinsame Adresse habe ich von Laurentine erfahren, mit der ich ja zwischendurch Briefe austausche, um mein Französisch und ihr Deutsch auf hohem Niveau zu halten. Ich wollte euch nur fragen, ob ihr am Samstag vor dem Eröffnungsspiel Lust habt, unsere Delegation aus Greifennest zu besuchen. Gräfin Greifennest kommt mit allen volljährigen Schülern und fünfzig Leuten, die die Genehmigung von ihren Eltern haben aus dem Schwarzwald herüber. Wir zelten in der Nähe eines Sees, der See der Farben heißt. Laurentine schrieb, daß ihr in der Nähe davon euer Haus habt. Außer unserer Schulleiterin wird noch unsere Zaubertier- und Kräuterkundelehrerin Magistra Rauhfels und unser Fluglehrer Magister Windspiel mitreisen. Falls ihr Lust habt, schickt die Eule mit der Antwort zu mir zurück! Falls es am Samstag nicht klappt sehen wir uns vielleicht zwischen den Spielen irgendwann. Wäre für mich richtig nett, über die beiden vergangenen Jahre zu reden, wie es bei euch in Frankreich war, als der Größenwahnsinnige in England seinen Terror ausgeübt hat. Bis dahin, Waltraud Eschenwurz."

"Wo ist die Eule?" Fragte Millie und sah den Waldkauz, der den Brief aus zwanzig Metern abgeworfen hatte. Er hockte leicht verstört in der Krone eines der verbliebenen Bäume aus dem früheren Waldgrundstück. Gloria nickte und verließ die magische Hemisphäre, in der der Muffliato-Zauber wirkte. Dieser verebbte nun. Als nichts mehr davon übrig blieb ging Julius an den Baum heran und lockte den Waldkauz. Mit Millies und Glorias Einverständnis schrieb er Waltraud eine Antwort, daß er die Greifennest-Abordnung gerne treffen würde. Dann schickte er den Postvogel wieder fort. Da erschienen Brittany und Linus aus dem Nichts heraus.

"Schon sehr schön, euer Farbensee. Wir haben sogar ein Unterseeboot gesehen, das dort herumfährt", sagte Brittany. "Kennst du das schon? "Nautilus" steht an den Seitenwänden."

"Och nöh, hat Florymont echt Nemos U-Boot nachgebaut. Sieht ihm ähnlich", grummelte Julius. Er hatte es sich fast gedacht, daß Florymont Dusoleils Begeisterung für die Erfindungen Jules Vernes auch in diese Richtung ausschlagen würde. Er erwähnte, daß das U-Boot aus einem Roman aus dem 19. Jahrhundert stammte und wohl als Attraktion für alle die herumschipperte, die nicht den Kopfblasenzauber konnten oder Dianthuskraut zu sich nehmen mochten.

"Da saßen vor allem viele zauberer drin", sagte Linus. "Lino saß da auch drin, wohl auch, weil sie da ungestört mit Connerquatschen konnte."

"Ups, dann hätten wir den Zauber nicht gebraucht", meinte Julius Gloria zugewandt. Diese erwiderte darauf, daß man ja vor Lino nie sicher sein könne, was Brittany und Linus bestätigten. Auch Julius konnte sich zu gut daran erinnern, wie schnell Lino etwas aufschnappen konnte. Der Heuler Mr. Newtons war ihm noch schmerzhaft in den Ohren.

Weil die Brocklehursts nun früher zurück waren, als die Latierres erwartet hatten, beschlossen die Latierres, draußen Kaffee zu trinken. Julius baute den großen Tisch auf und setzte eine Schale mit Insektenvertreibelösung darauf, um vor Wespen und anderem Brummgetier sicher zu sein. Brittany trank nur Fruchtsaft, während Linus und Millie Milchkaffee tranken und Gloria und Julius Earl-Grey-Tee genossen. Danach machten sich alle fünf auf den Weg, den aufkommenden Trubel in Millemerveilles zu erforschen und besuchten die Redliefs und Glorias Eltern, sowie die um das Hauptstadion lagernden Anhänger der Franzosen. So verging der Nachmittag. Abends aßen sie mit den Porters zusammen. Julius erinnerte sich, daß er um neun Uhr abends noch einen Portschlüssel aus England erwarten sollte und begab sich in der vorgeschriebenen Dienstbekleidung zu dem freigemachten Feld außerhalb der Dorfgrenze. Lothaire freute sich, daß seine Ablösung kam und übergab Julius den Portschlüsselankunftsplan. Julius nahm hinter dem aufgebauten Schreibpult Aufstellung und prüfte immer wieder die Uhrzeit. Dann war es neun Uhr.

Die blaue Portschlüsselspirale kontrastierte stark mit dem blutroten Abendlicht der noch wenige Strahlen über den Horizont schickenden Sonne. Als das Leuchten nachließ gab es mehr als zwanzig Personen frei, die zusammengeknäuelt an einem löcherigen Fußball hingen. Julius begrüßte die Delegation auf Englisch und erkannte sofort, daß er die Ankömmlinge alle kannte.

Da waren die goldblonden Watermelons, Mutter Hortensia, Pina und Olivia, Prudence und Michael Whitesand mit ihrem kleinen Sohn Perseus, die wahrhaftigen Ladies Genevra und Alexa Hidewoods mit ihren Ehegatten und dem Jungen Gilbert, das junge Mädchen, daß er noch als Melanie Leeland kennengelernt hatte und die sich jetzt Melissa Whitesand nannte, sowie die vielseitig bewanderte und geachtete Hexe Ceridwen Barley mit ihrer Tochter Megan und ihrem Sohn Fergus sowie das Ehepaar Hollingsworth mit den Zwillingstöchtern Betty und Jenna. Sie alle erkannten ihn und lächelten. Julius versah die ihm in seinem Einstellungsschreiben auferlegte Pflicht und begrüßte die Ankömmlinge förmlich in Millemerveilles. Dabei mußte er sich anstrengen, nicht zu laut zu sein, obwohl es ihn trieb, den vor Angst schreienden Perseus Whitesand übertönen zu wollen. Er prüfte schnell, wann der nächste Portschlüssel eintreffen würde und las, daß um halb zehn Ortszeit noch ein Portschlüssel aus Devon eintreffen würde. So fragte er die Ankömmlinge erst rein förmlich nach der reservierten Unterbringung und geleitete sie dann zur magischen Grenze hinüber in das Dorf.

"Es bleibt dabei, daß Pina zu euch kommt?" Fragte Mrs. Watermelon. Julius bestätigte das und erbot sich, Pina abzuholen, oder seiner Frau Bescheid zu sagen, wo sie sie abholen könne.

"Kann ich mir euer Haus morgen mal ansehen, oder haben sie dich zum Ganztagsdienst eingeteilt?" Fragte Melissa Whitesand. Offenbar hatte Pina ihr erzählt, daß das Apfelhaus sowohl Komfortzauber als auch einen Geräteschuppen mit Fernverständigungsgeräten der magielosen Welt besaß. Julius erwiderte, daß er laut Einteilung am Freitag einige Portschlüssel annehmen müsse, vor allem welche aus Irland und Schottland. So bliebe genug Zeit, um Mel Whitesand sein Haus zu zeigen.

"Wie willst du denn mit denen reden, wo die meistens kein richtiges Englisch können", meinte Michael Whitesand dazu, der die Reise offenbar genossen hatte.

"Vielleicht können welche von denen Französisch", sagte Julius darauf. Ceridwen Barley sah Julius an. Da hörte er ihre Gedankenstimme in seinem Kopf:

"Mel und Mike hängen genauso an den technischen Sachen der Muggel wie mein Mann."

"Schade, daß er wegen der Muggelabwehr nicht mitkommen konnte", mentiloquierte Julius.

"Ich habe ihm angeboten, Madam Whitesands Ritual an ihm auszuführen. Aber er hat abgelehnt. Er hat Angst, daß er dann irgendwas anstellt, wenn er bei seinen Verwandten ist. Dann soll er eben bei Brigid bleiben. Sie läßt ihn nicht verhungern", empfing er Ceridwens Antwort und wunderte sich, daß sie so klar und ausdauernd mit ihm gedankensprechen konnte. So übergab er an Prudence, die ja auch noch Französisch konnte, den Lageplan. Pina würde er nachher abholen und Seit an Seit mit ihr vor dem Apfelhaus apparieren. Die Ankömmlinge nickten und marschierten mit entzündeten Zauberstäben hinter Prudence her, die ihren Sohn wie eine Trophäe auf dem Rücken trug. Julius dachte einen Moment daran, daß er diesem kleinen Jungen das Leben ermöglicht hatte, weil er seine Mutter und seinen Vater aus dem Haßdom der Todesser befreit hatte. Es war schon ein erhabenes Gefühl, zu wissen, neues Leben ermöglicht zu haben. Er bezog wieder den Posten hinter dem Registrierpult und lenkte den gerade nicht mehr benötigten Portschlüssel zum Stapel der bereits eingetroffenen Transportartefakte hinüber. Er mentiloquierte Millie die Liste der Angereisten zu. Diese schickte zurück, daß Martine und Tante Béatrice gerade zu Besuch wären und Laurentine sich erfolgreich als Besucherbetreuerin beworben habe und ab übermorgen die deutschsprachigen Gäste begrüßen und an die Übernachtungsorte bringen würde. Julius fragte über die lautlose Verbindung zurück, ob das dann nicht mit Sandrines Hochzeit über Kreuz liefe.

"Ich denke, die hat sich mit Sandrine abgestimmt. Deren Mutter war übrigens hier und wollte wissen, ob deine Mutter nach den ZAGs herüberkommt. Das konnte ich ihr nicht sagen."

"Weiß ich auch nicht, Mamille. Wollen Tine und Tante Trice noch bis zehn Uhr bleiben?"

"Wenn Brittany sich nicht mit ihr anlegt auf jeden Fall. Tine wollte noch zu Ma und Pa, die im französischen Haus wohnen."

"Gut, um halb zehn kommt noch ein Portschlüssel aus Devon an. Den muß ich noch abfertigen."

"Ich bin morgen ganz früh dran, Leute aus Kolumbien und Peru Buenos Dias wünschen. Hoffentlich komme ich mit deren Akzent klar."

"Mum erzählte, daß sie trotz europäisches Spanisch die Südamerikaner besser verstanden habe als die Europäer, weil die nicht so heftig lispeln", beruhigte Julius seine Frau.

"Werden wir morgen früh sehen. Fünf uhr Morgens. Das ist doch keine Zeit zum Aufstehen", gedankenmaulte Millie. Julius erkannte, daß dann diese Nacht wohl auch nichts mit Liebe sein würde. Doch im Moment mußten sie eh wieder auf Millies fruchtbare Tage warten, wollten sie das gemeinsame Ziel des kommenden Jahres erreichen.

"Hast du dir einen Wecker gestellt?" Fragte Julius.

"Ja, habe ich. Aber du kannst morgen ausschlafen."

"Dafür bin ich am Freitag ganz früh dran, um ein paar Schlüssel aus Kanada einzusammeln. Die Kalifornier kommen ja wenigstens über die Luftschiffverbindung."

 

"Wann sind die Ostküstenleute fällig?" gedankenfragte Millie.

"Zwischen den Schotten und Iren. Hipp hat das schon genial abgestimmt, daß gleichsprachige Reisegruppen zeitnahe eintrudeln."

"Ich kann Pina auch abholen, Monju."

"Die sind zu Fuß unterwegs zum Zeltplatz West. Unterhalte dich gut mit Tine und Tante Trice!"

"Dann bis gleich", erwiderte Millie.

Der Portschlüssel aus Devon war eine leere, zerbeulte Bierdose. An ihr hingen sieben Leute gerade so mit den Fingern, bevor sie aus der Portschlüssel-Leuchtspirale purzelten und durcheinanderkullerten.

"Diese Art zu reisen ist zum abgewöhnen", schnarrte ein korpulenter Zauberer, der am weitesten gekullert war.

"Da kommst du nicht drum rum, wenn du nicht mit dem fliegenden Holländer fahren möchtest, Dad", sagte ein anderer Zauberer, den Julius von Aussehn und Stimme her gut kannte. Er hatte einige Tage lang in dessen Haus gewohnt, damals auf zaubereiministeriellen Auftrag hin.

"Wundere mich eh, daß die alte Büchse den mitgenommen hat", feixte ein anderer Zauberer, dessen schwarzes Haar Julius an Aurora Dawn erinnerte.

"Im Namen des Weltmeisterschaftsorganisationskomitees Millemerveilles neunundneunzig darf ich Sie alle in Frankreich und in Millemerveilles begrüßen. Mein Name ist Julius Latierre und ich gehöre zum Betreuungspersonal für englischsprachige Besuchergruppen", sang Julius die vorgeschriebene Begrüßungsarie ab.

"Latierre? Öhm, Moment, dich kennen wir doch", sagte der schwarzhaarige Zauberer. Dann mußte er lachen. "Hat meine Tochter mich also nicht beschwindelt."

"Gut, es ist schon später, und Sie sind die für heute letzte Anreisegruppe", sagte Julius und schaltete dann vom formalen zum persönlichen Tonfall um. "Ich freue mich, Sie alle hier zu sehen. Ich bin froh, daß Sie alle das vorletzte Jahr überstanden haben."

"Das sind wir auch", sagte der Sohn des vorhin herumgekugelten Zauberers und reichte Julius die Hand. "Ich hörte sowas, daß du schon von den Latierres sichergestellt worden seist. Habe zwar so meine Bedenken gegen die Lebensgewohnheiten dieser Familie, respektiere sie aber als hervorragende Zauberkünstler und Tierwesenexperten."

"Ist Aurora bei den Dusoleils?" Fragte Regina Dawn, die neben ihrer Schwester June Priestley stand.

"Sie hat mir zwar nicht erzählt, daß Sie heute ankommen. Aber ich denke, sie freut sich."

"Das Englandspiel ist am nächsten Montag. Hoffentlich nur das erste und nicht auch das letzte", sagte Regina Dawn. Dann deutete sie auf ihre Nichte Arcadia und sagte: "Jetzt hat er dich hoffnungslos überholt, Arcadia."

"Ich habe nie behauptet, er sei zu klein, Tante Regina. Ich wollte nur wissen, wie sich dieser Alterungsfluch ausgewirkt hat und ob das wirklich so heftig war, daß er Halbriesenblut im Körper hatte. Aber so wie es aussieht ist es wohl wirklich heftig gewesen", sagte Arcadia Priestley. Dann fragte sie Julius: "Was macht meine Lieblingscousine?"

"Außer daß sie sich mit Veganern über deren Lebensweise uneinig ist genießt sie den Urlaub", sagte Julius.

"Häh, Weganer?" Fragte Arcadia verunsichert.

"Menschen, die keine tierischen Erzeugnisse benutzen oder als Nahrung zu sich nehmen wollen oder dürfen", erwähnte June Priestley. "Die kommen nicht vom Stern Wega."

"Sowas kenne ich nicht", erwiderte Arcadia. "Das sind aber Hexen und Zauberer, oder?"

"Yep", erwiderte Julius. Arcadias Großvater, den er noch nicht persönlich kannte, grummelte, daß sie langsam mal rausfinden sollten, wo sie ihre ganzen Sachen lassen sollten. Julius fragte, welche Reservierung sie hätten und erfuhr, daß sie in einem der Fliegenpilzhäuser unterkamen, zumindest solange, wie England im Turnier war. Julius begleitete die Angereisten zum See der Farben und zeigte ihnen die Pilzhäuser. Er war froh, daß June Priestley die hiesige Landessprache konnte. So konnte er die Priestleys und Dawns in Ruhe ihre Etage im Pilzhaus sieben beziehen lassen und apparierte zum Zeltplatz, wo die Hidewoods, Whitesands, Barleys, Watermelons und Hollingsworths gerade anlangten. Sie hatten eine der fliegenden Kutschen anhalten können, die als Pendler zwischen den Außengrenzen und Zeltplätzen verkehrten. Nach einem kurzen Abschiedsgruß bat Pina darum, eigenständig zum Apfelhaus zu apparieren. Sie kannte es ja schon von außen. Julius gestand ihr das zu und informierte Millie, daß Pina alleine apparieren wollte. Als die strohblonde Schulfreundin aus Hogwartstagen mit leisem Plopp im Nichts verschwand und Mrs. Watermelon besorgt auf die Stelle sah, wo ihre Tochter verschwunden war, sagte Julius: "Ich kann das voll nachempfinden, wie wichtig es für Pina ist, das jetzt auch zu können." Millie mentiloquierte ihm, daß Pina vollständig und ohne hinzufallen auf der Landewiese vor dem Apfelhaus angekommen war. Er verabschiedete sich von den Watermelons und den anderen und folgte Pina auf dem zeitlosen Weg.

"Huch, du kannst aber auch leise apparieren", stellte Pina fest, als Julius keine zwei Meter neben ihr auftauchte. "Die Jungs aus unserer Jahrgangsstufe haben immer einen Krach gemacht, wenn sie mal disapparieren konnten.

"Ich hatte gute Lehrer, Pina. Eine davon kommt gerade aus dem Haus. - Hallo Tine!" Er winkte seiner Schwägerin zu.

"Wen Ma einmal einspannt, der ist gleich im vollen Einsatz, wie?" Fragte Tine. "Mich wollte sie auch dazu kriegen. Aber ich habe der gesagt, daß ich die ganzen Prüfungen im August vorzubereiten habe. Selbst wenn ich die selbst nicht abnehme."

"Deshalb hat eure Mutter sich ja auch an uns gehalten", sagte Julius darauf. Dann mentiloquierte er Martine, ob sie nur zu Besuch gekommen sei oder was wichtiges zu besprechen habe. Sie erwiderte für Ohren unhörbar:

"Da ich keine Lust hatte, das Haus meiner Eltern warmzuhalten, bin ich mit Tante Trice herübergekommen. Sie will jetzt regelmäßig zu euch, um zu sehen, ob der kleine, bunte Vogel schon auf eure Rufe gehört hat." Laut sagte Tine noch: "Ich hoffe nur, daß ihr ganzen Mädels meinen Schwager nicht auf abwegige Gedanken bringt." Pina errötete sichtlich und blickte Martine mit verengten Augen an.

"Ich habe es echt nicht nötig, einer anderen den Freund oder Mann auszuspannen, Mademoiselle Latierre. Gloria noch weniger."

"Das hoffe ich doch mal", sagte Martine. Millie fauchte sie an, was das denn jetzt sollte. Martine erwiderte nur, daß sie sich als große Schwester eben doch noch Sorgen machen dürfe.

"Wenn Julius was mit Pina anfangen wollte, dann würde er die sicher nicht zu uns ins Haus holen, sondern sich mit ihr eine stille Ecke in Millemerveilles suchen, Tine. Schließ nicht von dir auf andere!"

"Hallo, so nicht", schnaubte Martine. Doch Millie war gerade in Fahrt und versetzte:

"Genau, große Schwester, so nicht!" Martine verzog zwar das Gesicht, nickte aber einwilligend und sagte dann:

"In Beauxbatons gibt es Schutzmaßnahmen, damit Jungen nicht heimlich zu den Mädchen hinüberlaufen können oder umgekehrt. Hier ist das ja nicht so."

"Ja, und es ist kein älterer hier, der oder die uns beaufsichtigen könnte. Dann könnte ich es mit Linus treiben, während Julius Britt beglückt oder was, Tine? Wenn dem so wäre, dann müßte ich mir Vorwürfe machen, daß ich Julius nicht genug geben würde. Die lassen uns hier alleine wohnen, Tine. Das täten Madame Faucon, Madame Delamontagne und Madame Rossignol garantiert nicht, wenn Julius oder ich so unzuverlässig wären, von Ma, Pa und Martha ganz abgesehen. Wenn es das einzige war, daß dich hergetrieben hat sei beruhigt, daß es umsonst war", knurrte Millie. Martine nickte. Béatrice Latierre kam aus dem Haus und sagte:

"Vielleicht übernachtest du diese Nacht bei uns, Martine. Ich kann verstehen, daß dich das irritiert, hier ein volles Haus zu sehen und in ein gerade komplett leeres zurückkehren zu sollen. Wie ist es?"

"Vielleicht nicht das schlechteste", sagte Martine. Dann verabschiedete sie sich von Millie, Julius und Pina, die immer noch perplex dastand, bis Béatrice sie beruhigend anlächelte und ihr zuflüsterte, daß Martine nur ihre Schwester auf die Rolle nehmen wollte. Pina erwiderte fauchend:

"Ja, aber nicht mit mir als Vorlage." Béatrice nickte ihr zu und umarmte sie flüchtig. Dann kehrte sie mit Martine ins Sonnenblumenschloß zurück.

"Gloria würde mich am Bettpfosten festbinden, wenn ich auf die Idee käme, was mit dir anzustellen, Julius", sagte Pina. Doch so richtig locker steckte sie Tines nicht so ganz ernstgemeinte Unterstellung nicht weg. Vor allem, daß Julius dann ja noch andere zur Auswahl hätte, wenn er seine Frau betrügen wolle wurmte sie. Doch sie schluckte jede weitere Bemerkung dazu hinunter und ließ sich von Millie das Zimmer zeigen, in dem sie mit Gloria übernachten sollte. Brittany kam noch einmal in die Empfangshalle herunter und mentiloquierte Julius:

"tine ist eifersüchtig, weil Millie dich schon ganz genießen darf und sie von ihrem Festen versetzt wurde. Aber wenn sie nicht wäre, hätte ich mir durchaus schon was mit dir vorstellen können." Sie lächelte. Julius schickte zurück:

"Das ist jetzt um drei Ecken, Brittany. Dich als gute Gesprächspartnerin und Kameradin zu haben ist mir wichtiger als eine unverbindliche Nacht. Dabei kann so viel kaputtgehen." Brittany nickte, obwohl das gegen die Mentiloquismusmanieren war. Dann wünschte sie Julius und Millie noch eine gute Nacht. Er bedankte sich und erwiderte den Gutenachtgruß.

Als er mit seiner Frau im schalldichten Bett lag flüsterte er ihr zu: "Tine kaut immer noch dran, daß die Mondtöchter sie nicht mit mir reingelassen haben, wie?"

"Vor allem weil sie weiß, daß ich die erste aus unserer Generation bin, die ein Kind zur Welt bringen darf. Sicher, Tine hätte dann behauptet, ihr sei das nicht wichtig. Aber wie euer Mogel-Eddie sie abserviert hat klemmt ihr im Kopf und weiter unten noch ziemlich schmerzhaft fest, als daß sie das zu den Akten legen kann. Genau deshalb haben die Mondtöchter dich nicht mit ihr zusammenkommen lassen. Aber ich lebe mein Leben und nicht das, was meine nette große Schwester sich unter einem guten Leben vorstellt. Die soll sich wen suchen und zusehen, auch ein Postfach beim Regenbogenvogel zu mieten. Dann ist endlich ruhe."

"Gutes Stichwort. Wenn du morgen früh raus willst sollten wir besser jetzt Ruhe halten und schlafen, Mammmm...." Julius konnte seinen ernsten Vorschlag nicht aussprechen, weil seine Frau ihren Mund auf seinen drückte und ihn mit ihren starken Armen umfing. Er dachte nicht daran, sie von sich zu stoßen. Zu sehr genoß er es, mit ihr so nahe zusammenzusein, daß es näher nicht mehr ging. Erst als sie beide vollkommen erschöpft voneinander abließen hauchte sie ihm zu:

"Jetzt bin ich richtig müde, Monju. Morgen früh kannst du weiterschlafen. Ich komme schon früh genug aus dem Bett. Nacht, Süßer!"

"Nacht, meine Wilde Amazone", erwiderte Julius. Er rollte sich ganz auf seine Seite des Bettes und fiel sofort in einen tiefen, erholsamen Schlaf.

 

__________

 

Julius bekam es doch mit, als Millie am nächsten Morgen aufstand. Er blieb jedoch ruhig liegen und lauschte mit geschlossenen Augen, wie sie aus dem gemeinsamen Schlafzimmer huschte und die Tür so leise sie konnte hinter sich zudrückte. Dann erst blickte er auf seine Armbanduhr. Hoffentlich kam Millie gut in diesen für sie langen Tag hinein!

Er selbst blieb noch solange im Bett und las in einem der vielen Bücher, die er in seinem Einschrumpf-Bücherschrank mitführte, bis die verkleinerte Nachbildung Temmies zu muhen ansetzte. Schnell war er bei ihr und berührte sie sanft am prallen Euter. Gloria hatte das fordernde Gebrüll jedoch wohl gehört und rief zurück: "Schön laut!" Pina wurde wohl davon wach und rief leicht ungehalten durch das Apfelhaus, daß sie gerne noch eine Stunde hätte schlafen wollen. Es seien schließlich Ferien. Julius öffnete die Tür und rief durch das Haus, daß sie ja noch liegenbleiben konnten. Er würde dann schon rufen, wenn Frühstückszeit wäre.

Brittany half ihm beim Frühstückmachen. Als sie dann allesamt in der Wohnküche des dritten Obergeschosses saßen las Julius aus den beiden französischen Zaubererzeitungen vor, wobei er die wichtigsten Passagen für Brittany und Linus übersetzen mußte. Pina und Gloria konnten ja gut genug Französisch. Brittany staunte, daß es echt 64 Mannschaften gab, die durch ein von Beginn an stattfindendes Ausscheidungsverfahren in insgesamt 63 Spielen den neuen Weltmeister ausspielen mußten. Da es in Millemerveilles nun fünf Stadien gab, konnten also fünf Partien zeitgleich stattfinden, und die Favoriten spielten meistens Parallel. Da Frankreich als Gastgeber gewisse Heimvorteile genoß durfte die französische Nationalmannschaft im Zentralstadion spielen, wo sonst auch die Ligaspiele stattfanden. Julius erklärte noch einmal, daß Australien und Neuseeland die einzigen Mannschaften aus Ozeanien waren, Indien und Japan die einzigen ostasiatischen Quidditchnationen waren und es in Nordamerika ja nur drei Staaten gab. Diese Länder durften ohne Vorentscheidungsturnier anreisen, wenn sie wollten. Dann wurde der Gastgeber automatisch teilnahmeberechtigt. Das ergab schon einmal acht feststehende Teilnehmer. Um die restlichen sechsundfünfzig Teilnehmer zu ermitteln wurde die Welt in sieben Regionen aufgeteilt, die in zwei Auswahlturnieren die je acht punktbesten zur Weltmeisterschaft schickten. "Die britischen Inseln bilden Mit Island, Spitzbergen und anderen Nordatlantikinseln die Region Nordwesteuropa. Die skandinavischen Länder bilden mit Finnland und Rußland die Region Nordosteuropa. Dann gibt es noch Mitteleuropa mit Frankreich, Deutschland, Österreich und den Ländern wie Polen, Böhmen, Mähren und der Slowakei. Südeuropa bildet eine Region für sich, wobei diese Region von den Azoren und Kanaren bis zur Türkei reicht und die iberischen Länder, Italien und den ganzen Balkan mit einbezieht. Das sind also drei europäische Regionen. Der Äquator teilt dann die vier letzten Regionen, Mittel- und Südamerika, Nord- und Südafrika ein", erwähnte Julius. Wer zu den punktbesten acht aus jeder dieser sieben Regionen kommt darf teilnehmen. Kommt der Gastgeber aus einer dieser Regionen, gehört aber nicht zu den acht Punktbesten, so fällt die Nummer acht der Liste aus dem Turnier aus. Aber Frankreich hat sich im mitteleuropäischen Raum in den letzten Turnieren auf Rang zwei hinter Bulgarien vorarbeiten können."

"Ohne jetzt dieses fiese Klischee bedienen zu wollen, daß wir US-Amerikaner von der Weltkarte keinen Dunst haben, Julius. Kannst du uns die Regionen mal irgendwie auf der Karte zeigen, falls du eine hast?" Wandte Linus ein. Julius hatte kein Problem. Denn mit der Zusage seiner Schwiegermutter, als Besucherbetreuer arbeiten zu dürfen, hatte sie ihm auch eine große, zusammengefaltete Weltkarte mit den sieben Hauptregionen zukommen lassen. Die holte er nach dem Frühstück herbei. Gloria half Brittany, den Tisch sauberzuwischen, wobei sie wohl stolz auf die ungesagten Haushaltszauber war, die sie anwenden konnte. Julius zeigte ihnen dann die sieben Quidditch-Weltregionen.

"An der Deutsch-dänischen Grenze ist der südlichste Punkt der Nordosteuroparegion. Tirol gehört bereits zur Südeuroparegion, obwohl es vom österreichischen Zaubereiministerium betreut wird, weil die Mehrheit der dort lebenden Hexen und Zauberer sich für den Verbleib unter österreichischer Zaubereiverwaltung ausgesprochen haben. Winzstaaten wie Monaccoo, Liechtenstein und San Marino haben sich verwaltungstechnisch auch auf die Zaubereiministerien der gleichsprachigen Nachbarn eingelassen, obwohl sie eigene Mannschaften aufbieten können. Liechtenstein hat sich dabei der Schweiz zugeordnet, Monacco Frankreich und San Marino Italien. Nur Andorra hat ein eigenes Zaubereiministerium, weil deren Landessprache Catalan ist und sie sich nicht deshalb unter spanische oder französische Zaubereiverwaltung stellen wollten, obwohl Katalonien zu Spanien gehört, das wie Kastillien, Andalusien, das Baskenland und die Kanaren tatsächliche eigene Nationalmannschaften hat, genau wie Großbritannien. Es kann also durchaus zu einer Begegnung zwischen Andalusien und Katalonien kommen, obwohl beide vom spanischen Zaubereiministerium betreut werden. Aus Nordafrika kommen meistens Marokko, Ägypten, Algerien, Libyen und Somalia hin. Bei den Südafrikanern ist das immer interessant, wer außer Prätoria zur Weltmeisterschaft hinkommt. Bei den Südamerikanern sind es am häuffigsten Peru, Kolumbien, Argentinien, Chile und Brasilien, die unter die acht Regionsbesten kommen, wobei Peru meistens die Spitzenposition besetzt, anders als im Fußball, wo es eher Brasilien ist, das bei den Südamerikanern die Spitzenposition hält."

"Diesmal ist ja Bolivien mit dabei", sagte Brittany mit einem Blick auf die südamerikanische Region. "Meiner Mutter hat es in La Paz ziemlich gut gefallen."

"Da liegt ja auch der Titicaca-See, einer der größten Binnenseen der Welt", sagte Gloria und deutete auf eine blaue Fläche, die von der gepunkteten Grenzlinie zwischen Bolivien und Peru durchschnitten wurde. Julius hätte fast gesagt, daß er dieses imposante Gewässer sogar schon aus der Nähe gesehen hatte. Doch dann hätte er ja was über die faszinierende Reise auf den alten Straßen von Altaxarroi erzählen müssen. Das sollten aber längst nicht alle wissen. So sagte er nur, daß er davon gehört habe, daß dort wohl das Inkareich entstanden sei.

"Stimmt, über dem See macht Bronco immer Maximalhöhentests von neuen Besen", wußte Brittany. "Sicher, der Parsec kann wesentlich höher fliegen als der See liegt. Aber für den Millennium mußten sie noch einiges an der Flugzauberbalance nachbessern, um den nicht bei viertausend Metern über dem Meeresspiegel abstürzen zu lassen."

"Wenn sie die Gildfork drauf reiten lassen hätte der nicht mal über zweitausend steigen können", knurrte Linus. Brittany grinste zwar, sagte aber schnell, daß er das gesagt habe und nicht sie.

"Jedenfalls interessant, wo die alle herkommen. War bestimmt auch aufwendig, die und die ganzen Besucher alle unterzubringen, wie?" Wollte Pina wissen.

"Das habt ihr ja mitbekommen, wi viele Zeltplätze es gibt. Im Grunde hätten die bei einem anderen Ort außer Millemerveilles größere Probleme gehabt, beispielsweise wenn die Weltmeisterschaft in Paris stattgefunden hätte", sagte Julius.

"Was ja nach den Quidditchregeln nicht gegangen wäre, weil Profispiele mehr als hundert Kilometer von einem dichtbesiedelten Ort entfernt stattfinden müssen, bei besonders dichtbesiedelten Gebieten sogar mehr", wandte Gloria ein. "Dann hätten die ein Stadion irgendwo in der Provence oder den Pyrenäen hinbauen müssen und mehrere Spiele am Tag dort durchführen müssen, sofern der Schnatz nicht mehr als einen Tag hätte gesucht werden müssen."

"Deshalb haben die bei der Weltmeisterschaft in England ja auch drei Wochen mehr angesetzt als hier in Millemerveilles", brachte Julius sein Wissen an.

"Wann spielen jetzt unsere Leute?" Fragte Brittany Julius. Dieser zog dafür den mitgeschickten Spielplan zu Rate.

"Eure Mannschaft darf am nächsten Mittwoch gegen Kenia ran. Kommen sie weiter, gehts am 19. Juli gegen den Gewinner der Entscheidung zwischen Polen und Belgien", erläuterte Julius.

"Huch, genau einen Tag vor deinem siebzehnten", erkannte Brittany. Julius verzog zwar das Gesicht, weil Brittany das so unbefangen aussprach, wo das Apfelhaus nicht komplett abhörsicher war. Doch dann nickte er.

"Lea hat uns erzählt, daß ihre zweitjüngste Schwester mit dir zusammen hat", raunte Gloria. "Warum auch immer ihr das so wichtig ist, wo die sonst nichts von den beiden wissen wollte."

"Würdest du das so leicht wegstecken, wenn deine Eltern noch eine Tochter bekämen?" Fragte Julius leise. Gloria rümpfte die Nase und sagte kein Wort mehr. Julius hätte diese Frage auch nicht so locker beantworten können, vor allem, wenn er sich fragte, von wem seine Mutter ein zweites Kind bekommen könnte.

"Zeigst du uns das Stadion, in dem sie spielen, Julius?" Fragte Linus. Julius nickte verhalten. Er erwähnte, daß er die Whitesands erwartete, um denen das Haus zu zeigen. Aber er könne durchaus zwei Stunden mit den Gästen zusammen die Stadien abfliegen. Er bat also alle darum, ihre mitgebrachten Flugbesen zu holen. Pina hatte keinen eigenen Besen mit. Das machte jedoch nichts, weil sie hinter Julius auf dem Ganymed 10 aufsitzen konnte, während Gloria hinter Brittany auf dem Bronco Millennium sitzen konnte.

So ging es im Flug über Millemerveilles hinweg. Dabei überquerten sie auch die auf grünen Wiesen errichteten Nationenbauten, in denen die Mannschaften und Betreuer und die politischen Unterstützer wohnten. Tatsächlich wehte über einem Haus, das wie eines der alten Häuser im französischen Viertel von New Orleans aussah, das weltberühmte Sternenbanner der vereinigten Staaten von Amerika. Neben dem Haus war eine Art übergroße Hundehütte errichtet worden. Zumindest besaß das langgezogene Gebäude nur einen Zugang mit Schwenktür und mehrere kleine quadratische Fenster. Es wirkte im Vergleich zu dem etwa zehn Meter hohen Haus klein. Doch Julius schätzte es auf drei Meter Höhe und fünf Meter Länge.

"Och neh, die haben doch nicht echt den armen Bob von den Mountain Peaks hierher geschleppt", stöhnte Brittany. Julius fragte, wer Bob sei. "Bob Bigfoot, ein zwanzig Jahre alter Sasquatch, Julius. Die Mountain Peaks aus Misty Mountain haben ihn als junges Wesen eingefangen, als seine Mutter von durchgeknallten Muggeln totgeschossen wurde. Der ist das Maskottchen der Peaks und wird von denen in so einem winzigen Kasten da gehalten. Du kennst doch die Großfüße, oder?"

"Mit Menschenaffen verwandte Zauberwesen, die als Abkömmlinge des himalayanischen Yetis gesehen werden, als Amerika und Asien noch durch eine Landbrücke miteinander verbunden waren", erwiderte Julius. "Diese Wesen können die Intelligenz eines fünfjährigen Kindes erreichen und sind an und für sich sehr menschenscheu."

"Ganz richtig. Und genau deshalb ist es eine Unverschämtheit, so ein Wesen vor johlenden Massen zur Schau zu stellen", schnarrte Brittany.

"Erzähl das mal Bob, daß er eigentlich in den kargen Bergwäldern der Rocky Mountains leben soll", erwiderte Gloria schnippisch. Brittany ruckelte mit dem Besen, so daß ihre Sozia einen kurzen Schreckenslaut ausstieß. Darauf erklang aus der riesigen Hütte ein langgezogenes Brüllen wie von einem wütenden Stier, und Julius konnte Kopf und Rücken eines affenähnlichen Wesens mit dichtem, rotbraunem Fell sehen, das aus seiner Hütte kam. Ihm entging nicht der Rückhaltering, den das gewaltige Geschöpf um den Hals trug. Der Großfuß stampfte auf den breiten Sohlen auf der wiese dahin. Sofort apparierte ein Zauberer in Lederkleidung, der vom Gesicht her einen indianischen Elternteil besitzen mochte. "Gut, Bob, kein böser Feind da!" hörte Julius den Zauberer im breitesten US-Englisch auf das mindestens vier Meter hohe Ungetüm einsprechen. Brittany erkannte jetzt erst, was sie mit ihrer Besenwackelei angerichtet hatte und landete mit Gloria. Auch Linus und Julius brachten ihre Besen zu Boden, hielten sich dabei aber schön von Bob entfernt.

"Ach neh, Mrs. Brocklehurst besucht uns", sagte der Halbindianer mit breitem Grinsen. "Bobby, gut jetzt. Ist nur die gute Britt von den Windmachern."

"Das du dich nicht schämst, den armen Burschen über den Wassergraben zu schleppen und ihn hier vor allen auszustellen, Charles Lightningflash. Schon schlimm genug, daß ihr diesen armen Kerl nicht in sein angestammtes Revier zurücklassen wollt. Jetzt bringt ihr den noch komplett zum Wahnsinn. Euch ist doch klar, was dann ist, wenn der sich nicht mehr halten läßt."

"Wußtest du das echt nicht, daß wir Bob rüberbringen? Sowas wie den bringen die andren nicht. Frag mal die Europäer, was die so alles mitbringen, um vor den Spielen Stimmung zu machen!" Schnarrte Charles Lightningflash. Da kam Venus Partridge aus dem großen Haus mit dem Sternenbanner.

"Hi, Britt, mal sehen wollen, wo wir wohnen? Achso, wegen Bob. Haben wir auch erst mitbekommen, als Charlie hier mit vier Leuten im achten Überseependler saß und Bob mit seiner Hütte hier hinpflanzte. Aber die haben eine Genehmigung von der hiesigen Tierwesenbehörde."

"Wer auch immer die Genehmigung erteilt hat gehört in Ketten gelegt und am linken großen Zeh aufgehängt", knurrte Brittany. "Du weißt genau, daß ich das nicht leiden kann, wenn Tiere leiden müssen. Und der Sohn eines Büffeljägers weiß das auch", fauchte Brittany.

"Bob wollte das. Ich habe den gefragt", sagte Lightningflash. "Er hat nur noch Probleme mit der Zeitumstellung. Deshalb ist der so schreckhaft. Warst du das eben, die so gekiekst hat?"

"Gut, Charlie, ich muß es wohl einsehen, daß du diesen großen Kerl da hergeschleppt hast und wohl auch vor unseren Spielen seine berühmten Buchstabentänze ausführen läßt oder mit fünf Bällen jonglieren lassen willst oder was dir noch so mit ihm eingefallen ist. Aber ich bin froh, daß Julius mich bei sich wohnen läßt und ich dich nicht näher als zwei Kilometer um mich herumhabe."

"Britt, außer dir und mir findet niemand Bob behütenswürdig. Und genau deshalb hat Mrs. Gildfork es hingekriegt, daß ich mit ihm herkommen durfte."

"Ich möchte besser nicht fragen, was dieses Frauenzimmer dir dafür angeboten hat, daß du mit ihm herkommst", knurrte Brittany. Da erschien Linda Knowles aus dem Nichts heraus. Die scharfohrige Blitzreporterin vom Westwind hatte den aufgekommenen Ärger gehört und wollte wohl nun zusehen, möglichst hautnah an der Geschichte dranzusein. Dabei sah sie auch Brittanys Mann, Gloria, Pina und Julius. Sie strahlte alle an und wandte sich Julius zu.

"Ah, Julius", begrüßte sie ihn. "Wolltest du nachsehen, wie die US-Abordnung untergebracht ist?"

"Ich wurde darum gebeten, das Stadion vorzustellen, in dem die US-Mannschaft spielen wird", sagte Julius. Dabei konnte ich das von dieser mitgebrachte Maskottchen kennenlernen. Schon ein imposantes Wesen, wenn vielleicht auch nicht gerade artgerecht untergebracht."

"Was heißt artgerecht?" Fragte Linda Knowles scheinbar ahnungslos.

"Bestimmt nicht, daß so ein großes Wesen in einem Schuppen gehalten wird, der gerade einmal lang genug ist, daß es sich darin langlegen kann, ohne vom Regen oder starker Sonnenstrahlung behelligt zu werden", antwortete Julius. "Aber ich hörte, daß Mr. Lightningflash", wobei er auf den Halbindianer deutete, "eine Einfuhrgenehmigung erhalten hat. Ich denke daher, daß die entsprechenden Fachleute vom Zaubereiministerium schon überprüft haben, wie die lebenden Mitbringsel der Mannschaften untergebracht sind."

"Eh, Bursche, das hat dich echt nicht zu jucken", knurrte nun Lightningflash und machte wegscheuchende Handbewegungen gegen Linda Knowles und Julius.

"'tschuldigung, Sir, ich wohne hier und bin von Madame Hippolyte Latierre, der Leiterin der Spiele- und Sportabteilung, offiziell angestellt worden, um englischsprachige Besucher zu betreuen. Dazu gehört auch, daß sie sich und andere nicht in eine Gefahr bringen, die über das reine Quidditchspiel hinausgeht. Gut, im Moment bin ich nicht bei der Arbeit. Aber wenn ich es bin könnte ich bei erwähnter Dame anfragen, ob die Unterbringung der Maskottchen diesen und den hier wohnenden Hexen und Zauberern gefährlich werden können, wenn sie in so kleinen Behausungen hocken müssen. Außerdem kenne ich die meisten Bürger von Millemerveilles und weiß, daß hier auch viele kleine Kinder wohnen. Wenn Ihr Großfuß wegen der Unterbringung wütend wird und durch die Gegend tobt könnte ein Kind verletzt oder getötet werden. Dann haben Sie aber eine Menge Drachenmist am Haken. Wenn ich Ihr Aussehen, Ihren Namen und Mrs. Brocklehursts Erwähnung richtig zusammenzähle haben Sie Vorfahren bei den nordamerikanischen Ureinwohnern. Die waren und sind dafür bekannt, sich gerne in weitem Land aufzuhalten. Wenn man Sie jetzt in einen gerade mal zwei Meter langen Karton stopft wäre das auch artungerechte Haltung, Sir. Dann könnte man Sie ja gleich in einen Sarg stecken und verbuddeln."

"Bob ist harmlos. Außerdem hängt er mit einem Rückhaltering an einem unverrückbaren Pfeiler, der ihn nicht weiter als zwanzig seiner Schritte laufen lassen kann. Und wie du sehen kannst hat er keine Absicht, wegzulaufen."

"Klar, weil in euren Rückhaltern ein Strafzauber steckt, der beim Überschreiten der Rückhalteentfernung Schmerzen wie von brennenden Nadeln verursacht. Bob hat das sicher schon oft genug abbekommen und traut sich deshalb nicht, weiterzulaufen", zischte Brittany. Dann sagte sie an Linda Knowles' Adresse: "Sie dürfen gerne schreiben, daß ich bei der Rückkehr in die Staaten offizielle Beschwerde bei der Abteilung zur Führung und Aufsicht magischer Geschöpfe einlegen werde, daß unsere Mannschaft den ohnehin seiner Lebensart total entrissenen Großfuß Bob den Strapatzen einer Fernreise mit Uhrzeitumstellung ausgeliefert hat. Abgesehen davon könnte mir einfallen, mich bei den Verantwortlichen hier in Frankreich zu beschweren."

"Das wäre nicht zufällig die Schwiegertante von Mr. Latierre hier?" Fragte Linda Knowles mit zuckersüßem Lächeln.

"Zufällig wohl nicht", sagte Julius, der meinte, daß es kein Zufall sei. Linda Knowles nickte ihm zu und antwortete:

"Nun, Bob kennt das nicht anders. Er ist als Baby gefunden worden. Er kennt Mr. Lightningflash, seine Eltern und die Spiler der Mountain Peaks. Also hat er keine Probleme damit, so untergebracht zu sein wie er ist. Oder würdest du darauf bestehen, daß alle hier in Millemerveilles gehaltenen Zaubertiere freizulassen und sich selbst zu überlassen sein sollen?"

"In den zoologischen Gärten lernt man, daß die Tiere nicht in zu kleinen Käfigen oder Gehegen gehalten werden dürfen. Tiger bekommen größere Laufflächen, Elefanten größere Gehege, um nicht zu nahe beieinander zu sein oder vor lauter Laufdrang immer hin und herlaufen zu müssen. Der Tierpark in Viento del Sol verfügt über kilometergroße Gehege für Donnervögel, Drachen und Latierre-Kühe, und auch hier gibt es bei den meisten Tieren ausreichende Bewegungsfreiheit", antwortete Julius. Dabei unterschlug er, daß seine Mutter und er schon über die beengte Haltung eines Blitzerfisches nachgegrübelt hatten, der hier in Millemerveilles gezeigt wurde. Linda sah Mr. Lightningflash an, der in einer Haltung dastand, als müsse er gleich gegen wen kämpfen.

"Wie viel hat Ihnen Mrs. Gildfork noch einmal dafür geboten, mit Ihrem Schützling herüberzukommen, Charles?" Fragte die Reporterhexe.

"Ms. Knowles, das war und bleibt die alleinige Sache zwischen Mrs. Gildfork und den Mountain Peaks", schnarrte Lightningflash. Er spannte alle Muskeln an, als wolle er gleich auf die scharfohrige Reporterin zuspringen. Diese lächelte wieder ihr gefürchtetes Zuckerlächeln und säuselte:

"Na ja, immerhin hat der junge Mann hier recht, daß es schon wichtig ist, daß Bob keine Schwierigkeiten bekommt. Denn die würden sich ziemlich ungünstig auf unsere Abordnung auswirken. Da geht es die US-amerikanische Öffentlichkeit schon etwas an, warum das beliebte Maskottchen der Mountain Peaks auf eine so weite Reise mitgenommen wurde, wo eigentlich über die Mitnahme von zehn Jiggy-Jaggs nachgedacht wurde."

"Da haben sie wohl gerade Ihre berüchtigten Lauscher nicht richtig sauber geputzt, Ms. Knowles. Die Jiggy-Jaggs haben denAbflug gemacht, bevor sie für die Reise in entsprechende Transportkammern gelockt werden konnten. Diese schlauen Kerlchen wollten nicht nach Europa. Bob schon. Ich habe ihn gefragt: Bob, kommst du mit mir mit in ein ganz neues Land? Er hat mir in seiner Sprache gesagt, daß er neugierig ist, mal wo anders hinzureisen. Als wir im Luftschiff waren hat der die ganze Strecke laut und inbrünstig geschnarcht, nur damit die weizenblonde Verfechterin aller freien Tiere der Erde hier nicht meint, wir hätten den in seine Schlafhütte reingescheucht und gegen seinen Willen abtransportiert."

"Ich sehe meine Frage als im Moment noch zu klären, was der werten Mrs. Gildfork Bobs Hiersein wert war", sagte Linda Knowles und wandte sich Gloria Porter zu. Diese sagte nur:

"Ich habe mit diesem Fall nichts zu tun und daher keine Veranlassung, etwas dazu zu sagen."

"Oh, interessant, schon Fragen zu beantworten, die ich noch gar nicht gestellt habe", flötete Linda Knowles. "Dabei wollte ich fragen, ob es stimmt, daß du deine Eltern dazu überredet hast, in jenem Apfelhaus von Julius Latierre zu wohnen, während die Weltmeisterschaft dauert?"

"Warum haben Sie es dann nicht gefragt?" erwiderte Gloria schnippisch. Dann sagte sie noch: "Mein ehemaliger Schulkamerad hat mich eingeladen, die hohen Unterbringungskosten einzusparen und bei ihm zu wohnen. Das war's."

"Was sagt denn deine Frau dazu, Julius?" Fragte Linda Knowles.

"Wenn Sie so scharfe Ohren haben wie Mr. Spock von der Enterprise müssen Sie doch darauf kommen, daß ich mit meiner Frau keine Probleme habe, was Ms. Porters Unterbringung angeht. Mehr müssen Sie nicht von uns wissen, da wir keine Gegenstände des öffentlichen Interesses sind."

"Oh, das würde ich nicht so sehen. Denn immerhin hast du gerade frei heraus erwähnt, zur offiziellen Besucherbetreuungsgruppe zu gehören. Das ist ein Posten öffentlichen Interesses", erwähnte Ms. Knowles. Julius mußte erkennen, daß dieser Einwand stimmte. Doch er wollte es nicht nach außen zeigen. So sagte er rasch:

"Ja, solange ich die dafür vorgeschriebene Kleidung trage. Ich habe Mr. Lightningflash in erster Linie als Bewohner Millemerveilles' gefragt, weshalb sein Schützling herkam, wo durchaus die Möglichkeit besteht, daß dieser wegen der Umstellung panisch oder wütend wird. Aber ich gehe davon aus, daß die Mitglieder des Dorfrates wissen, daß ein nordamerikanischer Großfuß hier ist. Daß er hier überhaupt sein kann beweist, daß er nicht mit dunklen Zaubern erfüllt ist. Das mindert schon einmal die Gefährlichkeit. Aber gegen Unbeherrschtheiten ist ja niemand wirklich gefeit. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen."

"Das reicht ja wohl auch völlig aus", schnaubte Charles Lightningflash und ging rasch zu seinem haarigen Schützling, der gerade auf das Haus der amerikanischen Abordnung zuschritt und dirigierte ihn zu seiner Hütte zurück. Julius winkte Brittany und Venus zu. Er mentiloquierte an Brittany:

"Sehen wir zu, daß wir uns absetzen." Sie schickte ihm zurück, daß sie auch nicht mehr hierbleiben wolle. Sie nahm ihren Besen und winkte Gloria. Julius winkte Pina. Linda Knowles wollte sie schon ansprechen. Doch die ehemalige Schulkameradin von Julius schüttelte den Kopf und sagte nur, daß sie keine Interviews geben wolle, egal wem. Dann saß sie hinter Julius auf.

"Es wäre mir ein großes Vergnügen, den Bezwinger Bokanowskis dazu befragen zu dürfen, wie er all die grauenhaften Ereignisse des letzten Jahres überstanden hat!" rief Linda Knowles Julius nach.

"Dann suchen Sie die Dame, die Bokanowskis Burg in die Luft gejagt hat!" rief er zurück. "Aber die wird ja seit über einem Jahr wegen eines Mordes gesucht, den sie nicht begangen hat und dürfte dementsprechend ungern für Interviews zu haben sein. So long, Ma'am!" Julius setzte die Katapultbeschleunigung ein, um sich und Pina mit dem Ganymed innerhalb einer Sekunde hundert Meter von Lino fortzubekommen. Dabei mußte er aufpassen, nicht durch die magische Glocke zu brechen, die Millemerveilles überspannte. Wenige Sekunden später folgte Brittany Brocklehurst mit Gloria. Ihr Mann hielt gut mit ihr mit. Er hatte sich auch einen Bronco Millennium zugelegt.

"War das jetzt echt nötig, Brittany?" Fragte Linus entrüstet. "Schon schlimm genug, daß Lino unbedingt mit hierher kam. Jetzt könnte die noch finden, daß wir ihr noch hübsche Randgeschichten zu erzählen haben. Wenn die hiesige Tierwesenbehörde denen das erlaubt hat, Bob mitzubringen ... ich meine, es gibt ja echt gefährlichere Maskottchen. Das mit den Jiggy-Jaggs hätte auch hier passieren können. Und deine Mom hat uns doch erzählt, wie gerissen die sind."

"Von denen habe ich bisher nichts gehört. Die stehen in keinem Tierwesenbuch drin", sagte Julius, als Brittany und Linus neben ihm und Pina flogen.

"Weil es eben Zauberwesen sind. Vergleichbar mit irischen Leprechans, Julius. Sie sind zwei Fuß groß und können ihre Hautfarbe beliebig verändern wie Chamäleons. Fliegen können sie nach einem ähnlichen magischen Prinzip wie Leprechans, Wichtel und Sabberhexen. Sie sind sehr intelligent, Sprachbegabt und können Licht- und Magneteffekte bewirken. Sie kommen ursprünglich in der Mojavewüste vor und haben deshalb auch eine Familie in Thorntails. Es war nicht bekannt, daß sie apparieren können. Aber die geschlechtsreifen Männchen können das tatsächlich. Deshalb konnten die sich vor dem Abtransport wohl absetzen."

"Ja, und weil die das können und sowieso alles mögen, was aus Eisen ist, haben sie auch keine Probleme, in fremde Häuser einzudringen und eiserne Sachen zu klauen", erwiderte Linus darauf. "Kein Wunder, daß unsere Leute die nicht mitnehmen wollten. Denn um die länger an einem Ort halten zu können müssen die in rundherum abgeschlossenen Behältern aus Silber stecken."

"Genau, und das war selbst der dicken Gildfork zu teuer", feixte Brittany. "Da war Bobs Zwinger sicher billiger zu transportieren, zumal der mit allem gefüttert werden kann, was in Gemüsebeeten gezogen werden kann."

"Moment, wenn diese Jiggy-Jaggs in andere Häuser reinapparieren, dann haben die Leute in den Staaten doch arge Probleme mit denen", fiel es Pina ein.

"Die kommen von sich aus nicht darauf, weiter als hundert Meilen zu apparieren, Pina. Da sie in der Wüste heimisch sind passiert da nicht so viel. Die Gruppe in Thorntails hält die Wildformen auf Abstand, weil die Jiggy-Jaggs ausgesprochene Revieransprüche behaupten und verteidigen. Die Wildformen kämen also nicht darauf, die in Thorntails lebende Gruppe zu behelligen. Brittanys Mutter hat die uns vorgestellt, als Kevin, Betty, Jenna und ich in Thorntails waren."

"Aber der Name ist lustig", sagte Julius. "Wie kamen die denn darauf?"

"Weil deren Revierrufe so klingen, Jiggy-jiggy-jiggy-Jagg", erwähnte Gloria. Brittany stimmte dem zu.

"Ist so wie bei Vögeln, die nach ihren Rufen benannt wurden."

"Kuckuck!" Rief Julius darauf nur. Brittany nickte und lachte.

Um sich auch die anderen Mannschaften, die schon da waren anzusehen flogen die fünf noch weiter über Millemerveilles herum. Dabei trafen sie auch die französische Nationalmannschaft, die in einem großen Zelt lebte, über dem die Tricolore im Wind wehte. Julius stellte Brittany die ihm bekannten Spilerinnen und Spieler vor, darunter die Montferre-Zwillinge, die in der Nationalmannschaft als Treiberinnen spielten, Bruno Dusoleil, Michelle Dornier und Polonius Lagrange, die als erste Jäger spielen würden, sowie César Rocher, der als erster Hüter angereist war. Janine Dupont und Maurice Dujardin waren als Sucher mitgereist.

"Und, wer in Brittanys Mannschaft, vor dem wir uns in Acht nehmen müssen?" Fragte Bruno Dusoleil Julius. Dieser sagte ganz ruhig:

"Ja, ein vier Meter großer Bursche mit rotbraunem Pelz namens Bob Bigfoot."

"Echt, die haben einen nordamerikanischen Großfüßler mitgebracht? Wie ging denn sowas?" Wollte Sabine Montferre wissen. Ihre Zwillingsschwester Sandra sprach gerade mit Hilfe von Gloria mit Brittany und Linus.

"Das ist kein Kunststück. Den haben die als Junges aufgelesen und großgezogen. Das war keine Wildform."

"Achso, die Prägung auf den Menschen", erkannte Sabine. Bruno sagte laut, daß er sich den Burschen gerne ansehen würde, bevor seine Mannschaft gegen die US-Truppe spielen müsse."

"Die fliegen gegen Belgien raus, Bruno", meinte César dazu. "Auch wenn Barbara aus bestimmten Gründen nicht bei denen im Tor steht werden die sich von dieser zusammengewürfelten Sonntagstruppe nicht aus dem Turnier kegeln lassen. Wenn sie die kleine, runde Duisenberg noch als Sucherin anwerben konnten fliegt die Operettentruppe aus Amiland am zwanzigsten eh wieder nach Hause."

"Stand nichts in der Zeitung, daß Corinne bei denen mitspielt", sagte Julius. "Deren Sucher ist Jacques Muller, der bei der letzten Weltmeisterschaft immerhin drei Spiele lang durchgehalten hat."

"Echt, die haben nicht Corinne von Beaux aus in die Nationalmannschaft geholt?" Fragte Sabine. "Dann müssen es eben die anderen richten."

"Habt ihr Angst, gegen uns spielen zu müssen?" Fragte Brittany mit Glorias Hilfe. Sabine lachte darüber nur. Der feuerrote Schopf der Spielerin wehte dabei wie ein im Sturm wogendes Weizenfeld.

"Ich dachte, du spielst nicht mit, Brittany. Dann haben wir keine Probleme. Der Pokal steht hier in Millemerveilles, und der wird im Zimmer von Julius' Schwiegermutter stehen, wenn das Turnier rum ist." Julius übersetzte schnell.

"Gut, ich muß wohl glauben, daß wir den nicht mitnehmen. Im Grunde wäre ich auch sehr froh, wenn wir den nicht mitnehmen", flüsterte Brittany. "Dann hätte eine gewisse Dame ihr ganzes Geld für nichts und wieder nichts auf den Kopf gehauen. Nur um Bob tut es mir leid, daß der den weiten Weg hergeschleppt wurde und noch einmal zurückgeschleppt werden muß."

"Du hast Charlie Lightningflash gehört, Britt. Bob hat den ganzen Flug geschlafen. Also sei bitte friedlich!" Grummelte Linus. Julius fragte sich, wieso Linus so gereizt zu seiner Frau sprach. Sicher ging ihn das nichts an. Doch zum einen war er mit Brittany befreundet. Zum anderen bangte er darum, daß die Ehe zwischen den beiden schon an einem Punkt angekommen sein könnte, wo sie sich mehr anmeckerten als umschnurrten.

"Linus, ich weiß, daß Charlie und du in Thorntails dicke Kumpels wart und das bis heute noch anhält. Aber meine Meinung über seinen Umgang mit Tieren halte ich aufrecht, auch wenn du findest, daß das unsere Beziehung belasten könnte, was ich nicht so sehe", erwiderte Brittany.

"Habt ihr euch schon das Zentralstadion angesehen?" Fragte César Julius. Dieser nickte und deutete auf das erweiterte Hauptstadion von Millemerveilles. 200.000 Zuschauer konnten darin nun Platz nehmen. Die nächsten Wochen würden immer wieder Gruppen an- und abreisen. Solche, die nur ihrer Mannschaft zusehen wollten und solche, die wen auch immer im Finale sehen wollten. Julius fragte sich, ob es wirklich so prickelnd war, sich freiwillig für die Besucherbetreuung zu bewerben. Denn die Hausaufgaben wollten schließlich auch gemacht werden. Doch nun hatten Millie und er A gesagt und mußten auch B sagen. Abgesehen davon lernte er dann immer neue Leute kennen, von denen er nicht wußte, wer vielleicht mal für ihn interessant oder wichtig werden mochte. Die magische Glocke über Milliemerveilles würde zumindest die echten Dunkelmagier und Dunkelhexen aussperren, sofern Anthelia keine Möglichkeit kannte, sich doch wieder in die Heimatstadt ihrer tyrannischen Tante einzuschleichen.

"Ihr kriegt doch sicher Karten für die Ehrenloge, Millie und du", holte Sabine Montferre Julius aus seinen Gedanken zurück. Er erwiderte darauf, daß er zum einen wohl nicht alle Spiele ansehen würde und zum zweiten wohl nicht wisse, ob die Ehrenloge nicht schon von den ganzen Ministeriumsleuten und ihren Familien ausgebucht waren. Weil sonst müßten ja auch die anderen Verwandten von Hippolyte Latierre Ehrenlogenplätze kriegen. Und die Familie war ziemlich groß. Sabine erwiderte darauf: "Ich denke aber schon, daß deine Schwiegermutter dir schon besondere Plätze bei den Spielen gönnt, allein schon, damit du ihr im ganzen Gewühl nicht verloren gehst." Das wollte und konnte Julius nicht bestreiten.

Als es nur noch eine Minute bis zum abgesprochenen Termin mit Mel und Mike Whitesand war, verabschiedete sich Julius von seinen Gästen und überließ Pina leihweise den Ganymed 10. Dann apparierte er zu dem Zeltplatz, wo die Whitesands wohnten. Prudence hatte beschlossen, sich auch das Apfelhaus anzusehen. Das erleichterte den Weg zum Apfelhaus. Julius apparierte Seit an seit mit Melissa Whitesand. Prudence hielt ihren Mann am linken Arm, während der kleine Perseus wie ein kleiner König auf ihrer Schulter thronte.

"Ist das eines von diesen Federleicht-Babytragetüchern? Fragte Julius die ehemalige Haus- und Quidditchkameradin. Diese nickte bestätigend.

"Ist schon arg gewöhnungsbedürftig, dieses Apparieren", meinte Mel Whitesand. "Ich denke immer, in eine Schrottpresse gezwengt zu werden. Und das hast du freiwillig gelernt?"

"Jau, habe ich, weil es doch manchen Weg abkürzt", sagte Julius. Dann deutete er auf das von Millie und ihm bewohnte Haus. Mel betrachtete das orangerote Spezialgebäude und staunte, während Mike fragte, wer denn auf die Idee gekommen sei, einen riesigen Apfel als Haus zu bauen. Julius erläuterte kurz, daß es eigentlich ein transportables Haus war, ähnlich einem räderlosen Wohnwagen. Es sei jedoch hier mit Ortsverharrungszaubern verankert worden und der sonst so praktische Einschrumpfzauber sei herausgelöst worden. Er erwähnte, daß sie auch Anschluß an das Flohnetz hätten. Mike verzog dabei etwas das Gesicht. Offenbar hatte er mit Flohpulver so seine unangenehmen Erfahrungen.

Julius führte die Besucher kurz durch das Apfelhaus und zeigte ihnen dann den kleinen Geräteschuppen, der wie ein Abkömmling der großen Fliegenpilzhäuser aussah. Da in diesem Gebäude keine Magie aufgewandt werden durfte würde Lino sie hier locker belauschen können. Doch dann dachte Julius daran, daß die Schaltkreise ultrahohe Schwingungen aussandten. Das mochte die Zauberohren der Reporterin gut beeindrucken. So fuhr er den tragbaren Computer hoch und schaltete das Kombigerät ein, mit dem gedruckt, gescant, gefaxt und kopiert werden konnte. Er stellte über das angeschlossene Satellitenmodem eine Internetverbindung her und führte Prudence, die diese Technologie nur vom Hörensagen kannte vor, was damit alles ging.

"Dann kann ich mir auch so'n Schlepptop zulegen", freute sich Mike. "Allerdings hängt um unser Haus ein Netz aus Schutzzaubern herum. Prudy meint, das würde jede Elektronik aus den Schuhen hauen. Wieso geht das alles hier?"

"Wegen der Magiedichte. Das Haus selbst ist weit genug von dem Schuppen weg, um mit den in ihm wirkenden Zaubern nicht einzustrahlen", erwiderte Julius darauf. Die Energieglocke, die das Dorf vor dunklen Magiern schützt, hängt auch hoch genug über uns, um hier noch was mit Elektronik laufen lassen zu können."

"Ich las, daß die Bewohner nicht sonderlich begeistert von Muggelgeräten sind", warf Prudence ein. Julius bestätigte es und erwähnte, daß sie es mit Computern und Mobiltelefonen so hielten wie mit ganz privaten verrichtungen hinter verschlossenen Türen. Melissa sah wehmütig auf den Flüssigkristallbildschirm des Computers, weil dort gerade eine von Julius aufgerufene Internetseite über die gültige Liste der zehn erfolgreichsten Lieder in Großbritannien mit Verweisen auf die Interpreten zu lesen war.

"Eigentlich wäre ich gerne wieder in meine Klasse zurückgekehrt", sagte Mel. Julius erkannte, daß sie hier gleich was ausplaudern mochte, was draußen keiner mitbekommen sollte und klickte schnell ein Textverarbeitungsprogramm an. Er tippte: "Bitte nicht über euer früheres Leben reden, wo eine mit magischen Richtmikrofonohen im Dorf ist!" ein. Mel tippte zur Antwort:

"Die mit den Bionischen Ohren? Hat uns Prudence schon vor gewarnt. Deshalb kann ich ja nicht so locker reden, wie mir gerade ist." Mike ging an den Rechner und tippte:

"Mel ist bei Lady Sophia in der Lehre, nachdem wir die Nachhol-ZAGs hinbekommen haben. Onkel Ryan und Mum heiraten im Oktober. Könnte sein, daß Mel und ich ein Halbgeschwisterchen kriegen. So ganz toll finde ich das nicht." Julius antwortete über Texteingabe:

"Wüßte ich auch nicht, ob mir das gefallen würde. Aber ich würde meiner Mum zu Liebe zumindest keinen Terz drum machen."

"Hatte ich auch nicht vor", gab Mike zur Antwort ein. Prudence, die sah, wie flink die drei Muggelweltkundigen auf der Membrantastatur des ausklappbaren Rechners Wörter zusammenschrieben, stand mit ihrem kleinen Sohn daneben, der leise glucksende Laute von sich gab. Mel tiptte ein:

"Als Retourkutsche für Onkel Ryans und Mums Zusammenkunft können Mike und ich eben jetzt zaubern und Mike hat Prue und Perseus."

"Wie heiße ich, Melissa?" Schnarrte Prudence und ging an den Apparat. Sie blickte konzentriert auf die Tasten und Tippte langsam ihren Namen ein. Alle lachten. Das brachte auch den kleinen Perseus dazu, fröhlich zu kichern. Julius meinte dazu:

"Sieht jetzt aus wie das Sonnengesicht bei den Teletubbies." Mike lachte darüber.

"Könnte passen. Bei Mum hat der Kleine die mal zu sehen gekriegt. Prudence mag die aber nicht." Julius grinste und wechselte in das Internetseitenanzeigefenster zurück. Schnell hatte er eine der Suchmaschinen aus seiner Favoritenliste angewählt und den Begriff "Teletubbies" eingegeben. Er fand die offizielle Seite dieser für Kinder zwischen null und drei Lebensjahren ausgelegten Serie und ließ das Titellied über die angeschlossenen Lautsprecher dudeln. Er meinte dazu: "Wenn die Reporterin mit den magischen Ohren das hört fällt die glatt vom Besen." Dann wählte er eine Internetseite für junge Mütter und druckte Prudence einige Tips zur Säuglingspflege aus.

"Häh, Spock hat ein Buch über die Erziehung von Kleinkindern geschrieben?" Fragte Mike. "Ich dachte, der hätte das A7-Computerexpertendiplom und keinen Doktor in Kinderheilkunde."

"Sehr witzig, Mike", knurrte Melissa Whitesand. Julius nahm diesen Einwurf als Anregung, eine kurze Beschreibung des Kinderarztes Benjamin Spock auf den Bildschirm zu holen und ausdrucken zu lassen. Weil Prudence den von Mike gemachten Scherz noch nicht verstand ließ er zum Vergleich noch die Beschreibung des vulkanischen Raumschiffoffiziers mit Bild ausdrucken. "Den hat Mike gemeint", sagte Julius dann noch grinsend. Dann führte er Prudence noch den Radiorekorder mit eingebautem CD-Spieler vor. Dann fuhr er den Laptop herunter und schaltete alle Geräte aus.

"Wie kommt Millie damit klar, daß du diese Sachen hast?" Fragte Prudence.

"Sie meint, wenn ich häufiger mit denen meine Zeit verbrächte als mit ihr würde sie was verkehrt machen", entgegnete Julius. "Aber sie meint auch, ich soll mit Sachen arbeiten, die ich von früher kenne."

"Ihr kriegt das schon irgendwie hin. Und für Mike gibt es ja Internetcafés, wenn ich das von Pina richtig gehört habe", sagte Prudence. Julius nickte.

Sie verließen den Geräteschuppen und gingen in das Apfelhaus, wo sie in einem der freien Zimmer weiter über die Familie Whitesand plauderten. Ein Klangkerker hielt unerwünschte Mithörer auf Abstand. Gegen Mittag landeten Pina, die Brocklehursts und Gloria wieder vor dem Apfelhaus. Julius brachte Mel gerade zu dem Lagerplatz zurück. Er hatte mit Prudence vereinbart, daß Mike seine Mutter über das Telefon anrufen dürfe, wenn sicher war, daß Linda Knowles wieder in die Staaten zurückgekehrt war.

Millie kehrte um ein Uhr ziemlich gut erschöpft in das Haus Pomme de la Vie zurück. Offenbar war es doch anstrengender gewesen, so früh aufzustehen und dann noch lange Stunden mit Leuten in einer Fremdsprache reden zu müssen. "Da war eine Gruppe aus Andalusien. War ich froh, daß die Fuentes Celestes mit dabei waren. Deren Dialekt ist ja für Fremdsprachler sehr gewöhnungsbedürftig."

"Und die aus Südamerika?" Fragte Julius.

"Die verstehe ich komischerweise immer noch leichter als die Spanier. Da war so'n kleiner brauner Bursche bei, der sicher Indio-Vorfahren hat. Der ist Kapitän einer peruanischen Ligamannschaft. Dem liefen gleich zwanzig Mädels nach."

"Gabriel Sesto Bocafuego?" Fragte Brittany, die gerade ihr veganes Mittagsmenü auf den Tisch stellte.

"Jau, der war's, Britt. Die rufen den aber alle Chesejs, also G sechs, wegen seines Vornamensanfangsbuchstabens und weil er der sechste Träger dieses Namens ist, hat mir Melina Montealto erzählt, die vor zehn Jahren mal bei uns in Beaux ein Austauschjahr gemacht hat und froh war, nicht für die ganze durcheinanderschwätzende Gruppe übersetzen zu müssen, wo sie lange kein Französisch mehr gesprochen hat."!

"Ja, deren Vater ist übergelaufen. Hat mal als großer Quodpotter angefangen und sich dann von seinen Paisanos zum Quidditch verführen lassen", erwiderte Brittany mit einer Spur Verärgerung. Pina fragte, ob "Paisanos" ein Schimpfwort sei. Darauf meinte Gloria ganz nüchtern:

"Britt wollte nur zeigen, daß sie auch gut Spanisch kann, Pina. Paisanos ist das spanische Wort für Landsleute, also kein Schimpfwort."

"Huch, du lernst auch spanisch?" Fragte Brittany.

"Bei den ganzen Thorntails-Schülern mit hispanoamerikanischen Verwandten war das für die Hollingsworths und mich eine geniale Möglichkeit, die wichtigste, heute zählende Sprache nach Englisch zu lernen", erwiderte Gloria.

"Ähm, die wichtigste Sprache ist doch dann wohl Französisch, Gloria. Sonst wärest du ja auch nicht nach Beauxbatons gekommen", ereiferte sich Millie. Julius warf noch ein, daß dann wohl eher Chinesisch, wegen der vielen Menschen, die es sprachen, als wichtigste Sprache nach Englisch zu sehen sei.

"Haha, Julius", knurrte Millie. Gloria verzog auch das Gesicht und meinte, daß das wohl eher für die magielose Welt stimme, da die chinesischen und japanischen Zauberer sich ja doch eher in ihren eigenen Ländern aufhielten, während die südamerikanischen Zauberer und Hexen häufig in der Welt herumreisten, um ihre Herkunft zu erforschen."

"Ich lerne ja noch Lateinisch, wegen der Ursprünge der europäisch geprägten Zauberformeln und Beschreibungen. Da könnte ich wohl nach Beauxbatons noch Spanisch und Italienisch oder Portugiesisch dazunehmen", sagte Julius.

"Nur mit dem Unterschied, daß die Brasilianer noch ein anderes Portugiesisch verwenden als die Portugiesen um Lissabon und Porto herum", wußte Linus nun noch einzubringen. Das, so kamen alle überein, träfe ja schlußendlich auf alle Sprachen zu, die sich durch die Kolonisierung anderer Länder zeitweilig voneinander abgekoppelt hätten und somit eigene Begriffe oder Redewendungen geprägt haben. Gloria ergänzte dann noch, daß im südamerikanischen Spanisch sogar die Nachbarländer wichtig seien und die Nachbarn Brasiliens teilweise portugiesische Wortstämme in ihren Begriffen verwendeten und die nahe an den USA liegenden Länder teilweise englische Begriffe in ihrer Allttagssprache aufgenommen hätten, was die Sprachlehrerin von Thorntails, Estrella Morenitas, schon häufig verärgerte, weil sie Wert auf eine pure Aussprache gelegt habe. Brittany konnte dem noch hinzufügen, daß diese Lehrerin sogar Schimpfwortpunkte dafür vergab, wenn wer in ihrem Unterricht solche spanglischen Wortverhedderungen gebraucht hat." Das brachte die Tischgesellschaft darauf, über die Disziplinarmaßnahmen in Thorntails, Hogwarts und Beauxbatons zu sprechen. Gloria empfand das Verhaltensbewertungssystem in Hogwarts schon so, daß hier nicht auf dem einzelnen herumgetrampelt werden konnte, es aber andererseits auch dazu verleiten konnte, sich ungebührlich zu benehmen, weil es ja nicht dem einzelnen, sondern dem Haus im ganzen angelastet würde. Aber mit dem Strafpunktesystem von Beauxbatons hatte sie trotz weniger Strafpunkte auch so ihr Problem, weil für sie der Eindruck entstand, daß Leute dort in ständiger Konkurrenz zu ihren Mitschülern gehalten würden. Aber in Thorntails, das sie ja auch kennenlernen durfte, sei es nicht viel besser gewesen. Dort gab es zwar Vorbildlichkeitspunkte, die dem ganzen Haus eines Schülers zugeschrieben wurden. Wer aber unerwünschte Wörter benutzte, sich bei der schriftlichen Arbeit oder bei Wortmeldungen absichtlich platt ausdrückte oder abfällig über die Herkunft, Hautfarbe oder das Geschlecht von Mitschülern äußerte, erhielt für sich selbst diese Betragenspunkte, die den Strafpunkten in Beauxbatons vergleichbar waren.

"Ja, und am Ende des Jahres hängt die Schulleitung eine Liste mit den hundert heftigsten Schimpwortbenutzern und Schlechtrednern im Schulhaus aus", sagte Brittany. "Zumindest war das so, als ich da noch gelernt habe." Gloria bestätigte, daß diese Anprangerungspraxis bis heute noch beibehalten wurde. Es sei zwar gestattet, über alles und jeden eine unterschiedliche Meinung zu haben, doch müsse jeder lernen, sie in einer angemessen gebildeten Weise auszusprechen, so die Begründung für diese Regel.

"Sowas wie Strafarbeiten gibt's da nicht?" Fragte Julius. Gloria sah Brittany an, die jedoch den Kopf schüttelte und sie kurz anblickte.

"Sowas wie Punktabzüge für versäumte Hausaufgaben oder Prügeleien schlagen sich dann in den Vorbildlichkeitspunkten nieder, die vom ganzen Haus abgezogen werden", erwähnte Gloria. "Und dann machen die noch was, was nur zwischen den straffälligen Schülern und den Hauslehrern ausgesprochen wird. Wer andauernd irgendwas macht, was die Vorbildlichkeit seines oder ihres Hauses gefährdet, dem werden pro aktenkundiger Missetat zehn Prozent auf die Schulgebühr des nächsten Jahres aufgeschlagen. Für die UTZ-Schüler heißt das wohl, daß sie dann, wenn sie zehn aktenkundige Regelbrüche begangen haben, sie vorzeitig aus Thorntails entlassen werden. Insofern wesentlich heftiger als in Beauxbatons, eben nur, daß das nicht jeder sofort mitbekommt, außer wer da am meisten herumschimpft und derbe Ausdrücke gebraucht."

"Wobei die, die unter den ersten hundert mit zwei Regelbruchnotierungen vermerkt werden, was denen für das kommende Schuljahr zwanzig Prozent mehr Schulgeld aus den Verliesen zieht und die Eltern nicht sonderlich glücklich drüber sein dürften", sagte Brittany. Millie fragte nur:

"Hmm, wieso machen die das denn so?

"Weil es für einen US-Bürger schmerzhafter ist, Geld als Ansehen zu verlieren", erwiderte Gloria schnippisch. Brittany und Linus bedachten sie deshalb zwar mit einem verdrossenen Blick. Doch Gloria blieb ruhig. Pina fragte, wie Kevin damit klargekommen sei, wo der doch so gerne Schimpfe.

"Die werte Prinzipalin Wright hat ihn nach seiner dritten Wortentgleisung und einer abfälligen Bemerkung gegenüber einer dunkelhäutigen Mitschülerin in ihr Sprechzimmer einbestellt und ihm klargemacht, daß er seine Eltern schon mal darauf hinweisen könne, daß sie den Leiter des magischen Schatzamtes anschreiben wolle, daß dieser die Einkommensverhältnisse seiner Eltern berechne, um das entsprechende Grundschulgeld auszurechnen. In den Staaten pflegen sie, so mein Vater, eine abgestufte Schulfinanzierung. Wenn Eltern zusammen weniger als zehn Galleonen im Monat verdienen, wobei die Galleone über den Goldwert mit dem Dollar abgeglichen wird, zahlen sie für jedes Kind in Thorntails zwei Galleonen pro Monat. Wer zwischen zehn und fünfzig Galleonen im Monat verdient, zahlt vier Galleonen, wer zwischen fünfzig und hundert Galleonen erarbeitet zahlt acht, wer zwischen hundert und zweihundert verdient sechzehn, und wer zwischen zweihundert und fünfhundert Galleonen erwirtschaftet darf zweiunddreißig Galleonen im Monat nach Thorntails überweisen. Elternpaare, die zwischen fünfhundert und tausend Galleonen im Monat zusammenbekommen zahlen für jedes Kind vierundsechzig Galleonen. Wer mehr als tausend Galleonen verdient ist mit einhundertachtundzwanzig Galleonen dabei. Das wurde damals gegen die Bestrebungen wohlhabender Zauberer und Hexen eingeführt, die gerne einen elitären Club ihrer eigenen Kinder haben und verarmte Zaubererfamilien von der Magieausbildung ausgrenzen wollten. Die Devise lautet, daß jeder auf dem Boden der vereinigten Staaten lebende Mensch mit Zauberkräften die gleiche Ausbildung zu erhalten hat, um mögliche Unglücksfälle mit Magie zu vermeiden. Habe ich das richtig zusammengefaßt, Brittany?"

"Besser hätte meine Mutter euch das auch nicht erklären können", sagte Brittany anerkennend. Julius fragte dann aber, was Eltern machen konnten, die unter dieser 10-Galleonen-Armutsgrenze lebten und warum Leute, die mehr als 2000 Galleonen verdienten nicht noch mit 256 Galleonen pro Monat und Kind zur Kasse gebeten würden.

"Wer wirklich so arm dran ist, daß er seinem Kind nicht die Grundschulgebühr von zwei Galleonen im Monat zahlen kann kann die Finanzabteilung des Zaubereiministeriums darum bitten, die Basisgebühr zu übernehmen. Doch jedes davon unterstützte Kind muß sich bei Ausbildungsende verpflichten, die Unterstützung im Lauf der nächsten sieben Jahre zurückzuzahlen", erläuterte Gloria. "Was die Einkommensklassen über zweitausend Galleonen angeht, so wollten die Begründer von Thorntails damals verhindern, daß Goldwälzer nicht wegen der hohen Beteiligung Einfluß auf den Unterrichtsablauf nehmen könnten. Daher wurde neben der Untergrenze auch eine Schulgeldobergrenze festgeschrieben. Stell dir mal Lucius Malfoy vor, wenn der im Monat mehr als dreitausend Galleonen zur Verfügung haben sollte, hätte er Draco ja dann mit mehr als dreihundert Galleonen pro Monat in Hogwarts halten können und dann ganz sicher gewisse Vorrechte eingefordert. Denn wenn er seinen Sohn von der Schule genommen hätte, hätten Hogwarts diese über dreihundert Galleonen gefehlt. Deshalb liegt die Einkommensbemessungsobergrenze bei genau eintausend Galleonen."

"Goldwälzer? Ist das die Zaubererweltentsprechung von Millionär?" Fragte Julius nach.

"Soweit ich diesen Begriff in Muggelkunde richtig gelernt habe ja, Julius", erwiderte Gloria. Pina nickte. Sie wandte ein, daß einige Zauberer ihre Patenfamilie als Goldwälzer bezeichnete.

"Hmm, und dann wird von den Eltern verlangt, nachzuweisen, wie viel sie zahlen können?" Fragte Julius.

"Sagen wir es so, über die Gewerbe- und Verkaufsabgaben kriegt die Finanzabteilung das ja schon früh mit, was die Eltern verdienen", sagte Brittany. "Zumindest dann, wenn die Leute es nicht hinkriegen, ihre Einkünfte unter der Hand in ihren Verliesen zu deponieren. Denn was da einmal drin ist kann nur von den Inhabern selbst nachgezählt werden. Es gab wahrhaftig schon den Fall, wo eine Familie die Ausbildungsunterstützung von der Finanzabteilung haben wollte, weil sie angeblich unter zehn Galleonen verdiente. Das ging bis zum sechsten Jahr, bis der Familienvater von einem geprellten Geschäftspartner angezeigt wurde, er verheimliche sein Einkommen. Dem mußte das Ministerium nachgehen und gab einen Durchsuchungsbefehl für das Verlies aus. Dabei kam raus, daß in diesem mehr als zwanzigtausend Galleonen gelagert waren. Das Ministerium hat dann erst die Abgaben nachgefordert, die der Familienvater nicht bezahlt hat, die Schulgeldunterstützung mit mehr als zehn Prozent Zinsen zurückverlangt und dann die bereits abgelaufene Schulzeit neu berechnet, wie viel eigentlich zu zahlen war. Das war ein sehr warmer Regen für Thorntails."

"Ui, da mußten die aber erst mal das Monatseinkommen ausrechnen, wie?" Fragte Julius.

"Die haben das ganz einfach so gemacht, daß sie die gefundene Menge Gold, Silber und Bronze durch die Anzahl von Monaten geteilt haben, die der Familienvater eigenständig Geld verdienen konnte, davon die Summe abgezogen, die dessen Kinder bereits an Monaten in der Schule waren und kamen so auf ein Monatseinkommen von siebenhundert Galleonen. Stand ganz groß im Kristallherold drin. Da war ich gerade zehn Jahre alt", erwähnte Brittany. Julius wandte ein, daß Mathematik doch nicht so unwichtig in der Zaubererwelt sei.

"Du kämst da sicher locker unter, Julius", sagte Brittany. "Die haben da wohl Abaki mit mehr als zwanzig Stellen in den Büros. Anders könnte ich mir so heftige Zahlenspielereien gar nicht vorstellen." Julius nickte. Der Abakus als Rechenhilfe war auch den Zauberern bekannt, wohl auch, weil er bereits über zweitausend Jahre alt war. Allerdings ersetzte er nicht ganz das erlernen von Grundrechenarten. Daher war Sandrines Mutter ja so hinter seiner Mutter her, daß sie wieder bei ihr in Millemerveilles die Kinder zwischen sechs und elf Jahren im Rechnen unterrichtete.

"Irgendwo in Paris steht noch eine Spielzeugkiste, wo ich einen achtstelligen Abakus drin habe", sagte Julius. "Damit könnte ich zumindest schon mal alle Galleonen in Knuts umrechnen, die da im Spiel waren."

"Onkel Otto hat auch so'n Gerät, das auf Zuruf die kleinen Kugeln so schiebt, wie die Zahlen gerechnet werden sollen", sagte Millie dazu. "Aber Ma verlangte von Tine und mir, daß wir die Sachen, die wir rechnen sollten, auch ohne sowas ausrechnen können." Gloria nickte. Sie kannte die altertümliche Rechenhilfe auch mit magischen Eigenschaften wie sich auf Zuruf verschiebende Rechenkugeln oder mit einer magischen Stimme, die die dargestellten Zahlen aussprach. Ihr Vater hatte sogar einen einschrumpfbaren Abakus für seine Expeditionen zur Verfügung.

"Tja, aber ohne Dreisatz- und Bruchrechenregelkenntnisse bringt es dieses Gerät auch nicht", konnte Brittany einwenden. Dem mußte sich Julius sofort anschließen.

Julius wunderte sich, wie wach Millie nach dem anstrengenden Morgen noch war. Doch das konnte auch an dem Kaffee liegen, den sie sich nach dem Mittagessen gegönnt hatte. Jedenfalls verbrachte sie mit Julius, Brittany und Gloria einen Nachmittag bei den Partridges, um diesen die Quidditchregeln zu erläutern. Pina ließ sich von Camille Dusoleil durch die grüne Gasse führen, um die Namen der Zauberpflanzen auf Französisch zu lernen, die sie in Hogwarts gerade kennengelernt hatte. Linus Brocklehurst besuchte die Schattenhäuser, durch die Madame Faucon Führungen in den Sprachen machte, die sie sprechen konnte.

Als es gerade halb sechs war, vibrierte das silberne Armband an Julius' rechtem Handgelenk. Er tippte es am weißen Zierstein an. Darauf entstand die räumliche Abbildung von Sandrine Dumas. Ihre Stimme erklang aus dem Armband selbst: "Julius, Madame Matine möchte wissen, ob sie, Belisama und ich heute abend um acht Uhr zu euch hinkommen dürfen. Sie meint, Belisama, du, Millie und ich könnten ihr vielleicht als Ersthelfer bei den ganzen Besuchern, die kommen helfen, zumal Millie und du ja mehrere Sprachen könntet."

"Irgendwie habe ich sowas erwartet, Sandrine. Wir sind gerade bei einer Gruppe aus den Staaten. Ich frage Millie, ob ihr das mit acht Uhr recht ist, weil sie heute schon so lange unterwegs war."

"Ich hatte den Eindruck, daß Madame Matine das nicht als reine Bitte gemeint hat, was sie gesagt hat", erwähnte Sandrine etwas, das Julius auch so schon klar geworden war. Millie verzog zwar etwas das Gesicht. Doch dann nickte sie Julius zu und sagte laut: "Wenn das nicht in einer doppelten Arbeit ausartet als die Besucherführungen schon machen kein Problem."

"In Ordnung, dann sind wir um acht bei euch", sagte Sandrine noch. Dann verschwand ihr Abbild wieder.

"Wie hat Tante Trice zu mir gesagt: "Wenn du das alles lernst und die Prüfung schaffst, kann jeder Heiler dich für kleinere Sachen heranziehen." Das hätte mich eigentlich abschrecken müssen", meinte Mildrid Latierre dazu. Julius nickte.

So kehrten sie mit den Brocklehursts, Gloria und Venus gegen sieben zum Apfelhaus zurück. Da sie den lauen Sommerabend draußen verbringen wollten, saßen alle um einen Runden, sich auf die Zahl der Platznehmenden einrichtenden Tisch herum, als erst Sandrine und dann noch die Heilerin Hera Matine seit an Seit mit Belisama Lagrange auf dem kreisrunden Grundstück der Latierres apparierten. Die Heilerin trug wie meistens eine rosarote Tracht und ihre weiße Einsatztasche mit einem Riemen über der Schulter. Millie und Julius nickten den beiden Hexen zu. Pina und Gloria betrachteten Madame Matine, Belisama und Sandrine. Diese näherten sich dem Tisch mit mittlerer Gehgeschwindigkeit, nicht zu eilig, aber auch nicht so, als könnten sie sich Zeit lassen. Madame Matine begrüßte die Gäste aus dem Ausland im besten britischen Englisch, um sich dann zu entschuldigen, daß sie ihre Gastgeber für einige Minuten beanspruchen müsse. Julius sagte den Gästen ganz locker:

"Wenn wir um zwölf noch nicht fertig sind ruft einen der Türglockenauslöser, damit wir euch reinlassen können. Danke!" Brittany und Pina lachten, während Gloria sich vornehm zurückhielt.

Im Wohnzimmer des dritten Obergeschosses nahmen die Heilerin und die vier Pflegehelfer von Beauxbatons Platz. Dann sagte Madame Matine in ihrer Muttersprache: "Sicher war euch klar, daß der Kollege Delourdes und ich auf euch zurückgreifen würden, wenn wir den Bereitschaftsplan für die Weltmeisterschaft abgestimmt haben. Zwar sind aus der Delourdesklinik noch Heilerin Clementine Eauvive und ihr Kollege Bonfils zu uns gestoßen. Außerdem werden von den offiziellen Abordnungen der verschiedenen Zaubereischulen die dort tätigen Heilmagier anreisen, die außer den von ihnen betreuten Schülerinnen und Schülern auch die ihrem Sprachraum angehörigen Gäste versorgen können. Madame Rossignol wird am Sonntag mit einer Abordnung aus Beauxbatons von der Rue de Camouflage aus per Reisesphäre eintreffen. Aber wo hier in Millemerveilles drei Pflegehelfer wohnhaft sind und eine für ein paar Wochen hier wohnen wird befanden wir residenten Heiler, euch doch an eure mit dem Erwerb eurer Kenntnisse eingegangenen Verpflichtung erinnern zu dürfen, euch bei unserer Arbeit als Unterstützung einteilen zu dürfen, sofern diese nicht in Überanstrengung ausartet und euch nicht zu viel abverlangt. Bei euch beiden, Mildrid und Julius, kommt uns zu Gute, daß ihr mindestens eine weitere Sprache fließend sprechen könnt. Jetzt weiß ich natürlich, daß ihr beiden schon durch die Besucherbetreuung eingebunden seid. Aber das trifft sich insofern gut, da ihr dabei gleich auch als Ersthelfer an Ort und Stelle sein könnt, wenn unseren Besuchern was zustößt. Daß ihr beiden, Sandrine und Belisama, eure Freizeitplanung noch anders gestaltet habt ist mir bekannt. Vor allem Sandrine hat ja auch andere Verpflichtungen." Julius dachte einen winzigen Moment daran, wie diese Verpflichtungen zu Stande gekommen waren und er froh sein konnte, daß es dabei nicht zu einem Vorfall wie zwischen Bernadette, Cyril und Gaston gekommen war. Er fragte sich, wie Laroche das sehen würde, wenn der erste August kam, wenn der nicht schon lange vorher Einwände erheben mochte. "Ich gehe aber davon aus, daß ihr euch bereitfinden könnt, auf Anruf an einen Ort zu apparieren oder bei hoffentlich nicht eintretenden Vorkommnissen schon die ersten Hilfsmaßnahmen einleitet, bevor meine Kollegen und ich eintreffen. Zwar rechnen wir nicht mit etwas vergleichbarem wie der Gewaltorgie nach dem Ende der letzten Quidditch-Weltmeisterschaft. Aber es gibt immer wieder Leute, die aus Aufregung, Überanstrengung oder mangelhafter Versorgung mit Nahrung und Flüssigkeit Probleme mit dem Kreislauf bekommen können, zumal, wie ich heute bei einem kurzen Überblick erkennen durfte, auch einige schwangere Hexen zu den Besuchern gehören, die es nicht für nötig hielten, sich von den von Ihnen erwählten Hebammen begleiten zu lassen. Außerdem wißtt ihr ja aus eigener Erfahrung, wie schnell unzureichende Ernährung bei Jugendlichen im Wachstum zu Schwächeanfällen führen kann. Deshalb auch meine erste Grundanordnung, daß ihr bei allem, was ihr in den nächsten Wochen tut, immer genug eßt, trinkt und schlaft. Am besten teilt ihr euch den Tag so ein, daß ihr mindestens sechs Stunden Nachtschlaf und falls nötig eine halbe Stunde Mittagsruhe halten könnt. Dies als Grundanordnung. Dann möchte ich gerne von euch wissen, wie eure Tagesplanung lautet, sofern sie schon feststeht." Sandrine erwähnte ihre Vorbereitungen auf die Hochzeit mit Gérard, der mit seinen Eltern und seinem Vetter Jean-Pierre herüberkommen würde. Jean-Pierre war fünf Jahre älter als Gérard und arbeitete im Versandzentrum der Ganymed-Besenmanufaktur. Belisama würde mit ihren Eltern zwischen den Spielen Ausflüge in die Provence und an das Mittelmeer machen, wohl auch mal einen Tag auf Korsika verbringen, wo noch eine Großtante von ihr wohnte. Madame Matine notierte sich den bereits geplanten Termin für die Mittelmeerausflüge. Wann Belisama mit ihren Eltern nach Calais zurückkehrte hing davon ab, wie lange die französische Nationalmannschaft im Turnier verblieb. spätestens einen Tag nach dem Finale wollten die Lagranges nach Calais zurückkehren.

"Das wird ein zusätzliches Schauspiel für die Besucher hier, wenn Sandrine und Gérard einen Hochzeitsmarsch ins Gemeindehaus machen", warf Millie ein. Doch Sandrine schüttelte den Kopf.

"Gérard und ich haben schon beschlossen, daß wir nicht alle Leute, die gerade in Millemerveilles sind einladen können und deshalb keinen aufwändigen Einmarsch machen. Wir laden die Gäste gleich zu uns nach Hause ein und lassen Monsieur Laroche dort die Trauungszeremonie durchführen. Es steht ja nirgendwo geschrieben, daß eine Trauung in einem öffentlichen Gebäude stattzufinden hat. Meine Großeltern haben auch im Haus meiner Großmutter geheiratet, bevor sie erst auf Hochzeitsreise gingen und dann in ihr eigenes Haus eingezogen sind. So machen wir das auch."

"Mit anderen Worten, nach dem ersten August möchtest du mit Gérard aus Millemerveilles abreisen, um eure Flitterwochen zu genießen?" Fragte Madame Matine.

"Da Gérard und ich noch in Beauxbatons sind werden wir erst dann verreisen, wenn die Schulzeit um ist", sagte Sandrine. Belisama stellte daraufhin genau die Frage, die Julius durch den Kopf ging:

"Ja, warum dann heiratet ihr dann auch so früh, Sandrine? Ich hatte nicht den Eindruck, daß Gérard das so schnell wollte."

"Das ist die Sache zwischen Sandrine, Gérard, deren Verwandten und Monsieur Laroche", sagte Madame Matine kategorisch. "Höchstens noch meine, sofern die beiden vor Beginn des nächsten und für euch alle ja letzten Schuljahres noch ein Kind auf den Weg bringen sollten. Aber an sonsten muß sich kein volljähriges Paar dafür rechtfertigen, warum es wann und wo immer heiratet, solange es zwischen beiden einvernehmlich stattfindet." Sie bedachte die vier Pflegehelfer mit einem energischen Blick. Dann sprach sie mit den Pflegehelfern, die zugleich auch Saalsprecher von Beauxbatons waren ab, wie diese ihre Freizeit und die auferlegten Verpflichtungen mit ihrer zugesagten Bereitschaft vereinbaren mochten, als Helfer der residenten Heiler zur Verfügung zu stehen. Julius erfuhr, daß Professor McGonagall am Montag nach dem Eröffnungsspiel mit einer Gruppe von Hogwarts-Schülern herüberkommen würde, die nicht mit ihren Eltern oder Anverwandten privat anreisen konnten oder wollten. Bei dieser Abordnung würde auch Madam Pomfrey als zusätzliche Betreuerin und Heilerin dabei sein. Julius erinnerte sich daran, wie er die Abreise der Beauxbatons-Gruppe beobachtet hatte, als die letzte Quidditch-Weltmeisterschaft war. Diesen Tag würde er nie vergessen. Denn an diesem Tag hatte er Fleuer Delacours Veela-Kräfte zu spüren bekommen und erkennen müssen, daß er kein kleiner Junge mehr war. Da hatte er keine Madame Rossignol zu sehen bekommen. Das erwähnte er dann auch. Madame Matine sagte dann, daß die Schulheilerin im Gasthaus gewartet hatte, bis Madame Maxime alle Mitreisenden zusammengezählt und hinter sich hergelotst hatte. Julius nickte. Er war schließlich erst angekommen, als die Gruppe um Jeanne, Barbara und andere ältere Schülerinnen und Schüler schon fast vollzählig vor dem Chapeau du Magicien angetreten war.

"Dann treffe ich die wohl an. Denn ich habe am Montag zwischen acht und elf Uhr sieben Portschlüssel aus dem englischen Sprachraum zu erwarten", sagte Julius, der seinen Einsatzplan so gut er konnte auswendig gelernt hatte. Morgen kamen schon Gruppen aus Irland, Schottland und Mittelengland herüber.

Die fünf klärten nun ab, wie sich die vier Pflegehelfer bereithalten konnten. Die Armbandverbindung funktionierte auch dann, wenn Madame Rossignol aus Beauxbatons herüberkam.

"Gut, mehr ist jetzt auch nicht mehr zu besprechen. Ihr wißt nun bescheid und könnt euch entsprechend vorbereiten. Dann kann ich dem Kollegen Delourdes sagen, daß dieses Vorhaben auch umgesetzt wurde. Ich danke euch schon einmal für die Einsatzbereitschaft. Ich hoffe jedoch, daß niemand unsere Hilfe nötig haben wird. So eine Großveranstaltung ist immer sehr unberechenbar."

"Wenn aus Hogwarts welche rüberkommen könnten die Slytherins Probleme mit der magischen Absicherung kriegen", wandte Julius ein, dem noch was eingefallen war.

"Diese weißt diejenigen ab, die entweder in voller Absicht auf Vorteilsnahme dunkle Kräfte gegen ihre Mitmenschen angewendet haben oder unter einem dunklen Zauber wie Imperius oder dem Seelenfeuerfluch stehen. Monsieur Cyril Southerland wäre eindeutig von der Barriere abgewisen worden, ebenso dieses höchst unverantwortlich handelnde Geschöpf, das ihn verflucht hat", schnarrte Madame Matine. Julius erkannte, daß auch die Heilerin nicht ohne Wut an Bernadettes Racheschlag gegen Cyril denken konnte. Millie nickte ihr zu. "Wenn du darauf anspielst, daß es in Hogwarts genug Leute geben mag, die damals ihre Mitschüler gequält und im Auftrag der Todesser bedrängt und niedergehalten haben, so schätze ich doch mal, daß den erkannten Missetätern bereits die Anreise nach Frankreich verwehrt wird. Aber das werdet ihr ja dann mitbekommen", sagte die Heilerin noch. Dann nahm sie ihre Einsatztasche und verließ mit den drei jungen Hexen und dem jungen Zauberer das Apfelhaus. Etwa zwanzig Meter davon entfernt disapparierten Sandrine, die morgen früh aufstehen wollte und Belisama zuerst. Dann verschwand auch Hera Matine mit leisem Plopp im Nichts. Julius erklärte dann, was vereinbart worden war. Dem schloß sich eine Diskussion darüber an, wer aus Hogwarts herüberkam. Gloria und Pina vermuteten stark, daß hauptsächlich ältere Muggelstämmige und von Professor McGonagall ausgesuchte Schülerinnen und Schüler anreisen würden.

"Wenn sie gut aufgepaßt hat läßt sie alle Slytherins zu Hause, die nicht mit ihren Eltern herkommen können", sagte Pina. Gloria wandte ein, daß die meisten Schüler, die damals bei der Schlacht von Hogwarts auf der Seite der Todesser mitgekämpft hatten, gerade andere Sorgen hatten, als daß sie sich fragen konnten, ob sie bei der Weltmeisterschaft dabei sein könnten. Immerhin waren viele der älteren Slytherins nicht mehr zum neuen Schuljahr angetreten, und die jüngeren hatten sich auffällig ruhig verhalten, um bloß nicht in den Verdacht zu geraten, Sympathien für den gestürzten Lord Voldemort zu haben. Vielleicht würden diese Jungen und Mädchen nach ihrer Schulzeit auf Vergeltung hinarbeiten. Doch im Moment wußten sie zu gut, daß sie keine Macht hatten.

Um Elf uhr konnte Millie ein Gähnen nicht mehr unterdrücken. Ihr Tag war lang gewesen. Venus nahm es zum Anlaß, sich zu verabschieden. Sie bedankte sich bei Millie und Julius für den ruhigen Abend und die interessanten Gespräche und disapparierte zwanzig Meter vom Apfelhaus entfernt. Die hierbleibenden Gäste gingen von sich aus darauf ein, jetzt auch den Tag zu beenden. Bald waren alle in den Bade- oder Schlafzimmern verschwunden. Kurz vor der Mitternachtsstunde lagen alle in den Betten. Julius lag noch eine halbe Stunde lang neben seiner Frau, die gleich nach dem Umkleiden ihrer Müdigkeit nachgegeben hatte. Einen Moment lang mußte er daran denken, daß Brittany und Linus in ihrem Gästezimmer einen Klangkerker errichtet haben mochten, um sich dort auszutoben. Doch dann dachte er daran, daß seine Gäste ja auch nicht mitbekommen würden, wenn Millie und er ihre Liebe auslebten.

 

__________

 

Muuuuuuh! Das naturgetreue Gebrüll der verkleinerten Nachbildung von Artemis vom grünen Rain weckte alle um sechs Uhr. Diesmal stand Julius zuerst auf, weil er um acht Uhr schon seinen Einsatz hatte. Um halb sieben saß er allein in der Wohnküche und mampfte ein großes Stück Baguette mit Marmelade. Da gesellten sich Brittany und Millie zu ihm. "Gloria und Pina murmeln noch wie die Schlaftiere", meinte Millie. "Offenbar haben die beiden noch länger miteinander getuschelt als wir anderen vier."

"Die wollten nicht wieder so früh raus", scherzte Brittany. "Kann mir sogar vorstellen, daß Gloria den geräuschlosen Raum gezaubert hat, bevor sie sich mit Pina hingelet hat, damit sie von Mini-Temmies Weckruf nicht wieder so früh aus dem Schlaf gerissen wurden." Julius konnte das nicht ganz ausschließen. Er wollte die beiden aber nicht aufwecken. Das konnte Millie in einer oder zwei Stunden erledigen.

Die am Morgen vor dem Apfelhaus abgelegte Ausgabe der Temps de Liberté machte mit einem Exklusivinterview mit Hippolyte Latierre auf, die die Anstrengungen aber auch Herausforderungen schilderte, die sie auf sich genommen hatte, um die Weltmeisterschaft nach Millemerveilles zu holen und sie hier so gut es ging stattfinden zu lassen. Auf die abschließende Frage, ob sie außer dem Ansehen einen weiteren Gewinn für die französische Zaubererwelt erwarte hatte sie gesagt, daß die Weltmeisterschaft neben den sicher sehr spannenden Partien auch Raum für internationale Zusammenkünfte und inoffizielle Gespräche gebe und niemand jetzt schon sagen könne, was daraus alles erwachsen könne. Millie mußte dabei grinsen. Brittany sah sie fragend an, verfiel dann aber auch in ein Grinsen.

"Sie spielt damit auf die letzte Weltmeisterschaft an. Lino hat sieben Monate danach mehrere Hexen interviewt, die bei der Weltmeisterschaft in England mit netten Zauberern inoffizielle Gespräche geführt hatten, aus denen ihnen nun neues Leben erwuchs. Millie nickte. Ähnliches hatte es auch in Frankreich gegeben. Julius bemerkte dazu:

"Das ist immer die Frage nach dem Sinn von strickter Disziplinierung. Wenn einer auf einmal Freiheiten hat, die er oder sie vorher nicht mal im Traum erwarten konnte, kommt sowas von sowas."

"Du warst damals ja noch nicht bei uns, Julius. Daher weißt du nicht, welche heftigen Tiraden der Miroir losgelassen hat, weil gerade viele jüngere Hexen, die gerade mal mit Beaux fertig waren, derartig leichtlebig gewesen seien und eine höhere Macht ihnen dafür eine wesentlich größere Verantwortung angehängt habe, als die es vorher eigentlich geplant hatten. Kein Wunder, daß Gilbert und Ma sich derartig darüber amüsieren."

"Ja, so Zelte sind schon praktisch, vor allem, wenn sie bereits bei der Fertigung mit Verheimlichungszaubern ausgestattet werden", raunte Brittany. Julius und Millie nickten dazu nur. Etwas dazu zu sagen war in diesem Moment nicht gerade klug. Doch Brittany verstand es auch so und lächelte.

Die von Florymont Dusoleil eingerichtete Türglocke schlug an. Julius warf einen schnellen Blick auf seine Weltzeit-Armbanduhr und stellte fest, daß es gerade viertel nach sieben war. Wer wollte denn schon so früh was von den Latierres? Er apparierte in die Eingangshalle und öffnete die Tür. Vor dieser stand Linda Knowles.

"Einen wunderbaren guten Morgen wünsche ich", sagte sie auf Französisch. "Wie ich erfahren durfte sind Sie nachher im Begrüßungsaufgebot für die Damen und Herren aus dem britischen und australischen Raum. Da bei den Australiern honorige Leute dabei sein werden wollte ich Sie fragen, ob wir beide nicht zusammen dort hinfliegen können. Denn ich habe eine Interviewzusage von Mr. Optimus Lighthouse, bevor dieser sich mit den Ihnen sicher bekannten Dexter-Geschwistern treffen möchte."

"Gleich mit der Tür ins Haus? Das kenne ich ja gar nicht von Ihnen, Ms. Knowles. Erst mal einen schönen, guten Morgen", sagte Julius zur Antwort und übersah das Zuckerlächeln der Reporterhexe. "Nun, ich weiß nicht, ob das im Sinne von Madame Hippolyte Latierre ist, wenn ich bei meiner Arbeit Mitarbeiter von der Presse anbringe, zumal es ja durchaus sein kann, daß eine Menge Privatpersonen eintreffen, die sich bedrängt fühlen könnten, wenn ich Sie oder jemanden wie Mademoiselle Chermot oder Ms. Beaumont zum Anreisepunkt mitnehme."

"Ich habe die Genehmigung, an den Anreisepunkt zu reisen, die mit meiner Akreditierung einhergeht", sagte Ms. Knowles und förderte aus ihrer kleinen Handtasche ein Pergament zu Tage. Julius nahm es behutsam und las die gedruckte Genehmigung, daß die Inhaberin, Ms. Linda Ashley Knowles, die Erlaubnis habe, im Rahmen ihrer Tätigkeit für die US-Amerikanische Zaubererweltzeitung "Stimme des Westwindes" jeden öffentlich zugänglichen Ort in und um Millemerveilles aufsuchen und auch bei der Anreise von Gästen aus dem Ausland anwesend sein dürfe, solange sie sich daran halte, nur die Informationen und Bilder in ihrer Zeitung zu veröffentlichen, zu deren Veröffentlichung sie von den befragten oder abgelichteten Personen die ausdrückliche Erlaubnis erhalten habe, sofern es volljährige Hexen und Zauberer seien. Falls hochgestellte Personen der Zaubererwelt mit minderjährigen Kindern anreisten, dürfe sie diese nur dann fotografieren, wenn die Aufsichtspersonen dazu ihre schriftliche Einverständniserklärung gäben. Unterschrieben und mit dem Datum des letzten Sonntags markiert worden war es von Julius' Schwiegermutter, der Leiterin der Abteilung für magische Spiele und Sportarten. Die Unterschrift kannte Julius so gut, daß er keinen Zweifel hatte, daß diese Bescheinigung echt war. "Und dann kommen Sie zu mir, um mich zu bitten, Ihnen den Weg zu zeigen, wo Sie schon Tage lang die Ankunftsplätze erkunden konnten?" Fragte Julius etwas verhalten grinsend.

"Nun, ich hätte mich auch an einen anderen Besucherbetreuer gewandt, der für den fraglichen Zeitraum eingeteilt war. Aber da Sie das für heute sind, Julius, sprach ich bei Ihnen vor."

"Verstehe", erwiderte Julius. "Dann möchte ich Sie bitten, bis zehn Minuten vor acht anderswo zu warten und sich dann wieder hier einzufinden. Meine Gäste und ich sitzen gerade beim Frühstück und möchten dieses gerne ohne Hektik beenden. Danke!"

"Immer noch auf Abwehr gegen öffentliche Berichterstattung, Julius?" Fragte Linda Knowles mit sanfter Betonung.

"Sagen wir es mal so, ich habe genug um die Ohren gehabt und möchte gerne die Ruhe genießen, die ich an diesem Ort genießen kann. Was ich oder meine Hausgäste privat besprechen oder erleben gehört nur uns und nicht der Öffentlichkeit. Ihre besonderen Vorzüge, werte Mademoiselle, nötigen uns jedoch dazu, diese Privatspphäre mit unerwünschtem, aber doch nötigem Aufwand zu schützen. Daher möchte ich Sie bitten, bis um zehn vor acht mein Grundstück zu verlassen und anderswo abzuwarten. Auf bald!"

"Dabei wäre es in Ihrem höchst eigenen Interesse, wenn die magische Öffentlichkeit aus erster Hand erfährt, unter welchem gesonderten Druck Sie stehen und wie es angehen kann, daß Sie bereits vor Vollendung des siebzehnten Lebensjahres ein eigenes Haus und eine Ehefrau besitzen dürfen. Meine Redaktion könnte befinden, daß ich darüber berichten muß, um auszuräumen, daß hierbei irgendwelche unlauteren Mittel bemüht wurden. Ich verweise gerne darauf, daß ich nicht die einzige hier tätige Journalistin bin. Soweit mir zugetragen wurde, gehört die britische Reporterin Rita Kimmkorn zu den akreditierten Berichterstattern, warum diese auch immer von ihrer Zeitung dazu angemeldet wurde. Sie konnten feststellen, daß ich im Gegensatz zu dieser Dame durchaus Rücksicht auf private Gefühle und Anliegen nehme und mir erteilte Auskünfte so widerzugeben bereit bin, wie ich sie erhalten habe. Daher sollten Sie mir gegenüber aufbringen und mir helfen, die Fragen zu klären, auf deren Antwort die Öffentlichkeit ein Recht hat."

"Wobei ich das nicht selbst entscheiden kann und Sie auch nicht, auf welche Fragen die Öffentlichkeit Antworten von mir verlangen darf oder nicht", erwiderte Julius ruhig. "Wenn Sie Fairness von mir erwarten, dann beschränken Sie sich ausdrücklich auf die in der Öffentlichkeit ausgeführten Tätigkeiten von mir. In dieser Hinsicht komme ich Ihnen gerne entgegen und gewähre Ihnen ein paar Informationen über meine Tätigkeit im Rahmen der Weltmeisterschaft. Wie und warum ich bereits ein eigenes Haus bewohnen darf betrifft außer meiner Familie nur noch die Personen, die es mir ermöglicht haben. Das dürfen Sie dann also nicht gleich als für die Öffentlichkeit wichtig ansehen. Neugier ist keine Vollmacht, um Leute auszufragen, egal in wessen Namen. Das dürfen Sie so gerne schreiben, falls Ihr Redakteur unter den ganzen Leserbriefen zusammenbricht, die sie als Sensationszustellerin anschmachten. Sie haben, soweit ich das mitbekommen durfte, ja auch niemandem Rechenschaft darüber abgelegt, wie sie dem von Bokanowski ins Land geschmuggelten Doppelgänger von Zaubereiminister Davenport entwischt sind, oder?" Linda Knowles konnte einen Sekundenbruchteil lang nicht weiterlächeln. Doch dann kehrte ihr professionelles Schmunzeln in ihr Gesicht zurück.

"Sie haben damals erlebt, daß ich die Dinge nicht in die Zeitung gebracht habe, deren Veröffentlichung mir untersagt wurde. Wir können gerne ein neues Abkommen dieser Art treffen, da das alte Abkommen ja mit Zuerkennung Ihrer Eigenständigkeit hinfällig wurde."

"Wer sagt Ihnen, daß mir meine Eigenständigkeit zuerkannt wurde?" Fragte Julius herausfordernd. Sicher wußte Lino, daß er wußte, daß sie das schon längst wußte, wenn sie mit einer derartigen Beharrlichkeit auf ihn einging.

"Nun, ein derartiges Haus und keine Aufsicht über Ihre Lebensführung deutet auf die geltende Sonderregelung hin, dernach Hexen und Zauberer vor Erreichen des siebzehnten Lebensjahres für volljährig erkannt werden können, sofern ein dazu eigens einberufener Rat dieses Vorhaben durch Stimmenmehrheit genehmigt. Außerdem führten Sie und ihre Ehefrau in den letzten Tagen einige Zauber aus, was Ihnen sicherlich schon eine Abmahnung der Überwachung der vernunftgemäßen Einschränkung der Magie bei Minderjährigen eingetragen hätte. Dieses hätte jedoch zur Folge gehabt, daß Sie nicht in einem Haus alleine leben dürften und möglicherweise an der Fortsetzung des Besuches der Beauxbatons-Akademie gehindert wurden."

"Tja, dann haben Sie doch was, wonach Sie suchen können. Wenn sie finden, mir und wohl auch meiner Frau hätte jemand vorzeitig die Volljährigkeit zuerkannt, finden Sie die Damen und Herren doch, sofern es Personen des öffentlichen Interesses sind! Da haben Sie noch fünfundzwanzig Minuten Zeit zu. Bis dann!"

"Das muß ich wohl respektieren, daß Sie sich nicht einer Ihnen neidenden Öffentlichkeit aussetzen möchten, solange Sie kein ministerielles Amt bekleiden", sagte die Reporterin ganz gelassen, als habe Julius' Absage ihr nichts ausgemacht. Sie winkte ihm zu und trat einige Schritte zurück, um beinahe lautlos zu disapparieren. Julius kehrte in das Apfelhaus zurück, wo Millie und Brittany bereits in der Empfangshalle standen. "Haben das Frühstücksgeschirr ins Wohnzimmer umgeräumt", mentiloquierte Brittany. Millie winkte ihm zu, ihr und Brittany zu folgen. Im Wohnzimmer baute Julius einen Klangkerker auf und genoß mit seiner Frau und Brittany das verbleibende Frühstück.

"Ich fürchte, ich muß dir einige bessere Tricks verraten, wie du Lino von dir abhalten kannst, ohne ihre rächende Feder fürchten zu müssen. Venus und ich haben da so unsere gewissen Erfahrungen sammeln dürfen", sagte Brittany. Julius horchte und erfuhr, daß Brittany und Venus die Reporterhexe immer mit reinen Zahlen und Namen zugetextet hätten. Wenn die dann doch auf die Idee kam, nach gefühlslastigem Zeug zu fragen, hatten Brittany und Venus sie immer mit Hinweisen auf deren Familien abhalten können. "Die will auch mmer von Linus und mir wissen, wie wir zwei zurechtkommen, ob unsere Heirat eine Art Heilverfahren für ihn ist. Die hat doch einmal sogar gewagt, ihn zu fragen, ob er glaubt, daß sein Vater in seinem und meinem ersten Sohn wiedergeboren würde, um ihn von der Schuld freizumachen, die er sich ungewollt aufgeladen habe. Da habe ich ihr gesagt, daß Linus' Vater so ein Spaßvogel sei, daß der sicher gerne bei ihr unter den Umhang schlüpfen und dort einige nette Wochen zubringen würde, um als Baby der größten Sensationsreporterin aller Zeiten die ganze Welt in gute Laune zu versetzen. Das fand die wohl nicht so toll. Venus behauptete sogar mal, Lino stünde sowieso eher auf Frauen und würde sich in der Muggelwelt nach Begleitung für einsame Nächte umschauen. Das mentiloquiert die mir aber immer wieder oder sagt sowas, wenn ein Klangkerker errichtet ist. Denn sonst könnte Lino drauf kommen, es Venus zu unterstellen, für charmante oder kraftstrotzende Hexen empfänglich zu sein. Das würde sie dann wohl einiges an Ansehen kosten, weil die in VDS alle noch im vorigen Jahrhundert leben und nicht mitkriegen, wie rasant sich die Gesellschaft verändert hat. Insofern hat meine Oma recht, die dich und Venus damals dumm angequatscht hat, weil ihr zwei einen genialen Samba getanzt habt. Na ja, irgendwie ist Lino auch noch die fairste von der ganzen Schreiberzunft."

"Was für Millie und mich gilt gilt auch für Lino. Das Privatleben gehört nur ihr, solange sie keine Geschichte für ihre Zeitung draus stricken will. Abgesehen davon können auch alleinstehende oder gleichgeschlechtlich liebende Frauen Kinder kriegen, wenn sie sich den ausgelagerten Samen von anonymen Spendern zuführen", sagte Julius. Millie grinste darüber, während Brittany nickte.

"Fairness ist aber doch anders. Ich kann doch einen Mann, der seinen Vater verloren hat nicht so was fragen", meinte Millie dann. "Glaubt die denn echt an Wiedergeburt?"

"Gut, zumindest an die durch den Iterapartio-Zauber, denke ich mal", sagte Brittany. Julius dachte dabei an Hanno Dorfmann und den wohl schon längst wiedergeborenen Ion Borgogne, der als Sebastian Pétain die Angstdiktatur Didiers mitgestaltet hatte. Der aber war sicher ganz weit weg von ihm und Millie.

"Also, um das noch mal zu klären, Julius: Lino kann ganz nett sein, wenn man sie mit den richtigen Sachen füttert, ohne sich selbst dabei von ihr verfrühstücken zu lassen. Mit einem hat sie leider recht: Ihre Redaktion könnte drauf drängen, mehr über euch beide rauszukriegen, weil du, Julius, damals diese Sache mit dieser Abgrundstochter und Bokanowski erlebt hast, beides Sachen, die die amerikanische Zaubererweltpolitik ziemlich gehörig aufgemischt haben. Da gibt es sicher ein paar hundert oder hunderttausende, die da mehr drüber wissen wollen und das damit begründen, daß sie wohl nicht mehr am Leben wären, wenn du diese schweren Kisten nicht überstanden hättest. Sicher gibt's für diese Vereinnahmung ein medimagisches Fachwort. Mom nennt es jedenfalls den Herdenruf, also etwas, was Herdentiere tun, die sich gruppenmäßig zueinander hingezogen fühlen und in der Nähe eines für sie wichtigen Artgenossens bleiben wollen."

"Das ist ähnlich wie bei Temmie", erwiderte Millie dazu nur und sah ihren Mann genau an. Der nickte ihr zu. Temmie hatte sich auch zu ihm hingezogen gefühlt, weil er einige Sekunden mit ihr verbunden gewesen war. Er kannte es auch aus der magielosen Welt, daß Menschen berühmte Personen, wirklich oder erfunden, nachahmten, um so an deren Leben teilzuhaben und sie damit quasi als ihnen gehörigen Teil ihres Lebens zu vereinnahmen. Das konnte sogar so weit führen, daß Verehrer ihren Vorbildern überall hin folgten und sich vom Aussehen und Verhalten immer mehr anglichen. Er wollte nicht daran denken, was wäre, wenn ihm jemand aus der Zaubererwelt derartig nachstieg. Aber gerade deshalb galt es für ihn, sich nicht zum öffentlichen Eigentum machen zu lassen, jemanden, der über alles, was er sagte, tat, anzog oder aß Rechenschaft abzulegen hatte. Er fragte Brittany, wie sie mit diesem Druck fertig wurde, wo sie als Profi-Sportlerin ja quasi immer im Lichtstrahl des Interesses stand.

"Sagen wir es so. Ich kenne den Druck im Grunde ja schon mein ganzes Leben lang. Schon vor meiner Geburt mußte meine Mutter denen vom Westwind und dem Herold erzählen, warum sie nicht zu Pabblenuts Hexenzuchtanstalt gehen konnte. Meine Kindheit hat sie vor diesen Leuten geschützt, indem sie eine ähnliche Nummer gebracht hat wie Mrs. Brickston mit dir, Julius. Aber als ich volljährig wurde und ich selbst was öffentliches machen wollte, mußte ich gewisse Sachen beantworten und rausfinden, was die Presse angeht und was nicht. Ich denke, wenn Linus und ich mal irgendwann das erste Kind erwarten, werde ich Lino das erste und letzte Interview darüber geben, bevor dieses Kind volljährig ist. Aber das liegt ja noch in gewisser Ferne." Millie und Julius nickten dazu nur.

Linus Brocklehurst rief nach seiner Frau. Brittany verfiel kurz in eine konzentrierte Haltung und bat dann darum, die Tür öffnen zu können. Millie nutzte die Gelegenheit, nach Gloria und Pina zu sehen. Wenn Julius aus dem Haus war konnten die beiden jungen Hexen ruhig auch langsam aufstehen.

"Habe ich das eben richtig mitbekommen, daß Lino vor der Tür stand?" Fragte Linus seine Frau. Diese nickte nur. Mehr wurde über diese Begebenheit nicht gesprochen.

"Gloria und Pina hatten Alraunenohrenschützer auf", grinste Millie Julius an. "Pina hatte die wohl von Tante Camille bekommen. So können die ja auch selbst den Einschlag des Mondes auf der Erde verschlafen."

"Ruf den großen Drachen nicht, Millie! Wir können nicht sicher sein, ob nicht irgendwann so'n Riesenbrocken aus dem Weltraum auf die Erde knallt. Das wär's dann nämlich mit uns gewesen", bemerkte Julius dazu. Millie verzog ihr Gesicht und fragte ihn, ob er sicher sei, daß das ihnen allen demnächst bevorstand. "Na ja, die Wahrscheinlichkeit ist zwar gering. Aber wir kennen längst noch nicht alle Asteroiden da draußen. Und für die Erde und das Weltall ist das egal, ob es in einem Jahr oder in einer Million Jahren kracht. Sicher ist, daß es irgendwann wieder krachen kann, wie damals bei den Dinosauriern. Aber ich will dir den Morgen nicht mit derartigen Sachen verderben. 'tschuldigung!"

"War vielleicht auch ein dummes Beispiel", erwiderte Millie verdrossen. "Hätte wohl besser sagen sollen, daß sie den Jubelschrei beim Schnatzfang für unsere Mannschaft damit glatt verschlafen können. Gefällt mir als Beispiel auch besser. Und die Wahrscheinlichkeit ist auch wesentlich größer, daß das eintritt." Sie lächelte überlegen. Julius ließ sich davon anstecken. Er küßte seine Frau auf den Mund und hauchte ihr zu: "Ich will dich nicht maßregeln, Millie. Dafür gefällt mir das mit dir zu gut, wie du bist. Noch mal Entschuldigung. Offenbar kommen jetzt langsam die Erbanlagen meiner Eltern raus." Millie hielt sich daraufhin ihren Herzanhänger gegen die Stirn und schickte ihm für Brittany und alle anderen unhörbar zu:

"Dann laß sie zu mir rein, damit ich uns ein süßes Baby draus backen kann, Monju!"

"Besser nicht jetzt und hier", schickte Julius zurück:

"mein Backofen bleibt vorgewärmt, Monju." Julius fühlte, wie ihn diese Ankündigung wohlig anregte. Doch er mußte sich zusammenreißen. Wenn Brittany und Linus mitbekamen, worüber die beiden mentiloquieren mochten, mochten sie es entweder peinlich oder herausfordernd finden. So beließ es Julius nur noch bei einer innigen Umarmung, bevor sie in das Wohnzimmer zurückkehrten und das Frühstück beendeten.

Um zehn vor acht läutete die Türglocke. Julius trat in der ihm zugeschickten Besucherbetreuungsuniform aus dem runden Haus heraus. Linda Knowles begutachtete ihn und fragte ihn, ob sie davon ein Foto machen durfte. Julius erlaubte es ihr und nahm hin, daß Lino ihn von vorne, links und hinten knipste. Dann flogen beide auf Besen davon.

"Ich habe mit Mrs. Brocklehurst noch mal darüber gesprochen, wie ich mit Ihnen umgehen möge, weil sie selbst keinen Grund sah, sich über Ihre Veröffentlichungen zu beschweren", preschte Julius vor, während Linda mit ihrem Bronco Centenniel längsseits von ihm blieb.

"Dann hat Ihnen die junge Mrs. Brocklehurst sicher auch erzählt, daß es eine Erleichterung für sie war, die für die Öffentlichkeit bestimmten Fragen zu beantworten, als mich mit meiner reinen Phantasie alleine zu lassen. Ich erkenne an, daß Sie durch Ihre besondere Lage und den Druck, den andere deshalb auf Sie ausüben, keine weiteren Interessen haben, daß Ihnen total unbekannte sich für Ihr Leben interessieren mögen. Im Grunde bin ich selbst ja auch in dieser Lage", erwiderte die Reporterhexe, die sich sehr grazil auf ihrem Besen hielt. "Wahrscheinlich wird Ihnen Britt Brocklehurst oder auch Venus Partridge, die mit Ihnen ja auch schon gesellschaftlichen Umgang pflegt geraten haben, mit mir gewisse Themen oder Fragen vorzubesprechen, um zu befinden, welche davon in den Westwind dürfen und welche nicht. Ich stehe auch immer unter Druck, Sachen zu verbreiten, von denen ich nicht weiß, ob ich damit mir und anderen einen Gefallen tue. Aber mein Berufsehrgeiz zwingt mich dazu, alles, von dem ich sicher bin, daß es die Öffentlichkeit etwas angeht, auch so früh wie möglich zu verkünden. Wir beide teilen uns in gewisser Weise zwei Sachen: Wir können was, was anderen unheimlich ist, und wir sind schon in Situationen gewesen, in denen wir uns hilflos gefühlt haben. Insofern haben Sie es bei mir nicht mit einer Schmiererin wie Rita Kimmkorn zu tun, der wir heute womöglich noch begegnen könnten, da Hecate Leviata unter den Anreisenden aus England ist."

"Wenn sie nicht schon längst in Millemerveilles ist", erwiderte Julius. Beinahe wäre ihm herausgerutscht, daß sie heimlich die Gruppe um Harry Potter begleitet haben mochte, um in ihrer unregistrierten Animagus-Form Material zu sammeln, weil sie ja nicht über Linos magisches Gehör verfügte. so sagte er nur: "Ich kann mir nämlich vorstellen, daß sie bereits mit ihren Kollegen vom Miroir angereist ist, die seit einigen Tagen in Millemerveilles arbeiten."

"Das hätte ich ganz sicher gehört, wenn dieses Frauenzimmer dabei war. Ich konnte zumindest hören, daß sie gerade an einer Biographie über Severus Snape arbeitet: "Severus Snape, Heiliger oder Halunke?" Aber die Weltmeisterschaft wird sie genauso herlocken wie Mademoiselle Chermot oder diesen Zauberer, der wohl Ihr Schwiegeronkel ist. Von mir mal ganz zu schweigen."

"Wie die Marmelade die Wespen", scherzte Julius, obwohl ihn der Gedanke an anfliegende Wespen nicht gerade erheiterte.

"J, so ähnlich", erwiderte Linda Knowles geheimnisvoll lächelnd. Julius wußte nicht, ob es nur an seiner eigenen Vorstellungskraft lag oder einen logischen Schluß zog. Denn er dachte, daß sie Rita Kimmkorns Geheimnis kannte. Damit könnte sie die Konkurrentin locker auf Abstand halten, dachte Julius. Denn eine Veröffentlichung darüber wäre das endgültige Aus für die Dreck- und Schmalzschleuder Rita Kimmkorn. Die würde sich dann zwar zu rächen versuchen. Aber Linda kannte wohl zu viele Tricks, um derartige Racheakte früh genug zu erkennen und den Spieß wieder umzudrehen.

"Nun", setzte Julius an, "wenn Sie sich in meine Lage zu versetzen verstehen, obwohl wir ja unterschiedliche Sachen erlebt haben, dann verstehen Sie auch, daß ich auch meiner Frau gegenüber darauf achten muß, daß sie und ich nicht zu sehr von der Presse ausgeschlachtet werden. Da ist die Abgrenzung. Nur bis dahin kommen dunkle Wesen hin."

"Ja, sie gibt einen unheimlich tiefen Ton ab, der wie ein endloses Seufzen mehrerer Bassänger klingt", sagte Linda Knowles mit einem unüberhörbarem Unbehagen. Julius wußte nicht, was er von dieser Bemerkung halten sollte. Er dachte bisher immer, sie könne nur natürliche Laute verstärkt hören. Aber wenn sie auch Magie hören konnte, dann hatten diese Gehörprothesen mehr zu bieten, als er bisher geglaubt hatte. Er nahm sich vor, Millie über Dusty rauskriegen zu lassen, ob Linos Beschreibung stimmte. Doch da waren sie auch schon bei der unsichtbaren und normalerweise nicht fühlbaren Abgrenzung. Lino nahm die Hände vom Besen und hielt sich kurz die Ohren zu. Der Besen flog beharrlich weiter. Dann griff die Reporterin des Westwinds wieder an den Besenstiel und lenkte das Fluggerät weiter neben Julius her. Julius unterdrückte die Frage, ob es ihr in den Ohren weh getan habe. Wenn er wollte, daß sie nicht zu viel über ihn wissen wollte, sollte er wirklich fair sein und sie nicht über ihre Zauberohren ausquetschen. So sagte er schnell, daß sie noch zweihundert Meter gerade aus weiterfliegen sollten und dann landeten.

"Ah, Julius, pünktlich wie alle Engländer", sagte Monsieur Charpentier, der ehemalige Ratssprecher von Millemerveilles. "Sieben Schlüssel aus dem Osten. Gut, daß die alle wen mitbrachten, der französisch konnte. Hätte ich mal besser nicht zu groß aufgetrumpft mit meinen Russischkenntnissen. Bei Rumänen und Ungarn bringen die es leider nicht. Oh, die weltgewandte Mademoiselle Knowles ist bei dir?" Julius nickte und stellte die beiden vor, obwohl das ja absolut unnötig war. Denn Linda Knowles kannte den ehemaligen Ratssprecher und Zaubereiministerkandidaten natürlich so gut wie er sie kannte. Charpentier hatte es nach den ausgetauschten Höflichkeiten eilig, in sein Haus zu kommen. Er saß auf einem Ganymed 6 auf und schwirrte davon. Womöglich würde er innerhalb der magischen Glocke in sein Haus hineinapparieren.

"Am besten klären wir das gleich ab, daß Sie bitte nur die Leute interviewen, die volljährig sind und sich dazu bereiterklären", sagte Julius mit fester Stimme. "Wenn Schüler aus Hogwarts dabei sind, die mich kennen, überhören sie bitte alles, was diese mit mir besprechen, da es sicherlich Privatsachen sind!"

"Auch wenn Sie jemandem wie mir kein Ehrenwort zutrauen mögen gebe ich es Ihnen doch, daß ich nur die Dinge verwerte, deren Verwertung mir erlaubt ist oder die allen offenkundig sind", sagte Linda Knowles. Da entstand bereits die erste Portschlüsselspirale. Julius warf schnell noch einen Blick auf seine Uhr. Es war Punkt acht. Das blaue Licht der Portschlüsselspirale verlosch und gab eine Gruppe aus zwanzig Leuten frei, von denen viele rotblondes oder feuerrotes Haar besaßen. Julius prüfte seinen Portschlüsselankunftsplan und erkannte, daß es die Gruppe aus der Gegend von Tara in Irland war.

"Mann, an diese Rumwirbelei gewöhn ich mich nie", maulte ein älterer Zauberer, der in der grünen Kleidung der irischen Nationalmannschaft steckte, womöglich ein Fan-Trikot.

"Sean, mit Flohpulver wär's noch wilder gewesen", belehrte ihn eine kleine, dicke Hexe mit brandroter Mähne. Dann sah Julius ein Ehepaar und einen fast erwachsenen Jungen mit rotblonder Haartracht, die sich gerade mit einer rotblondgezopften Frau vom Boden aufrappelten.

"Ups, hier sind wir richtig, Mum und Dad", frohlockte der siebzehnjärige Jungzauberer. "Aye, Julius! Haben sie dich zum Abholer verdonnert?"

"Neh, das ist mein Ferienjob dieses Jahr, Kevin", erwiderte Julius und warf schnell einen Blick auf Lino, die sich aber gerade an der kleinen, dicken Hexe festgeguckt oder vielleicht festgehört haben mochte.

"Ferienjob?" Fragte Kevin Malone, bevor seine Mutter ihn energisch bei Seite zog und Julius anstrahlte: "Ich freue mich, daß wir diesen Flug heil überstanden haben. Du bist also Julius Latierre?" Julius verwies auf sein Namensschild und nickte. "Ich hoffe, Sie hatten eine gute Anreise, Mrs. Malone", sagte er.

"Julius, du wolltest doch schon immer mal meine Cousine sehen. Da ist sie", sagte Kevin und deutete auf die Hexe mit dem rotblonden Zopf. "Gwyneth Malone", stellte sich die irische Hexe vor. Julius erwiderte mit einem Lächeln, daß er sich freue, sie mal leibhaftig zu sehen.

"Kevin hat mir ja alles mögliche erzählt, von dem er denkt, daß es mich zum einen angeht und zum anderen interessiert. Er meinte auch, daß Sie mich auch mal gerne sehen würden", sprach Gwyneth mit unverkennbarem irischen Akzent weiter. Julius bestätigte das. Das war also die Tochter von Kevins Tante Siobhan, die auf grausame Weise ein Opfer der Todesser geworden war. Doch die Hexe, die er auf fünfundzwanzig Jahre schätzte, wirkte keineswegs traurig oder trübselig.

"Hallo, Julius. Siehst richtig gut erholt aus, obwohl du bei denen in Beauxbatons wohl ziemlich ranklotzen mußt", begrüßte ihn Mr. Malone. Seit den Prozessen in London hatten er und sie sich ja nicht mehr gesehen.

"Na ja, ob ich noch so aussehe, wenn die Weltmeisterschaft vorbei ist weiß ich nicht", erwiderte Julius darauf. Mr. Malone wollte wohl gerade noch was sagen. Doch dann sah er Linda Knowles und verzog das Gesicht. Er vergaß, was er sagen wollte. Dafür sprach seine Nichte Gwyneth.

"Kevin meinte, ich solle mir keine falschen Hoffnungen machen, weil sie dich mit einem der Latierre-Mädchen zusammengekettet hätten", sagte sie. Ihre Tante schien darüber nicht besonders erbaut zu sein, wie Gwyneth eine derartige Bemerkung machen konnte. Julius fragte sich gerade, ob Kevin eher die Frechheit und das lockere Mundwerk seiner Tante oder des mit ihr verheirateten Zauberers geerbt hatte als die seiner Eltern.

"Dann müßte meine Frau gerade an mir dranhängen. Aber es stimmt schon, daß ich bereits geheiratet habe", sagte Julius und zeigte den goldenen Trauring vor.

"Kevin hat hier wohl im letzten Jahr heftig am Besenstiel vorbeigelangt und sich damit ziemlich unbeliebt gemacht. Wundere mich, daß sie ihn trotzdem wieder reinlassen", meinte Gwyneth und zwinkerte Kevin zu.

"Gwyneth, vielleicht wissen die nicht, daß ich mit euch hergekommen bin."

"Ihr habt ja sicher Reservierungen gemacht, um in einem der Zelte oder Pilzhäuser wohnen zu können", erwiderte Julius. Da hielt ihm Kevins Vater auch schon eine Reservierungsbestätigung unter die Nase. "Wir haben unser eigenes Zelt mit", sagte Mr. Malone und schwieg weiter.

"Dann bist du ja jetzt mit der Dame verwandt, die den ganzen Zirkus hier aufgezogen hat, richtig?" Fragte Gwyneth Malone. Julius mußte lachen und antwortete:

"Ja, zu der darf ich Belle-Maman sagen."

"Schwiegermutter", meinte Gwyneth. "Ist zwar schon ein wenig länger her, daß ich Französisch gesprochen habe. Aber mein Onkel und Kevin haben mir gesagt, daß sie ohne Mich glatt verhungern müßten."

"Dafür sind wir ja da, daß Sie und ihr nicht hilflos herumhängen müßt", sagte Julius und deutete auf seine Besucherbetreueruniform. "Einige Leute, die sich hier auskennen bekamen das Angebot, für eine Handvoll Galleonen die Besucher zu empfangen und ihnen alles zu erklären oder ihnen bei verschiedenen Sachen zu helfen. In zehn Minuten kommt der nächste Portschlüssel an. Dann haben wir eine Stunde Zeit, um euch und Ihnen alles zu zeigen."

"Mußtet ihr echt dieses Weib da mitbringen. Schon schlimm genug, daß die Kimmkorn wohl schon in diesem Dorf herumläuft", knurrte Mr. Malone. Julius nickte und sah zu Linda, die sich mit der kleinen Hexe unterhielt, die offenbar wichtig war und Lino kannte.

"Maureen Finnigan und ihr Mann Sean von der irischen Sektion der Quidditchliga", machte Gwyneth die Heroldin, als sie erkannte, wo Julius hinguckte. "Mrs. Finnigan wird bei der Eröffnung den Weltpokal enthüllen."

"Und später wieder einpacken und mit zu uns zurückbegleiten", tönte Kevin dazu nur. "Denn den schnuckeligen Pokal nehmen wir natürlich wieder mit."

"Da haben aber wohl einige was gegen, Kevin. Die Bulgaren könnten finden, daß ihr diesmal nicht so viele Tore schießt, die Australier sind genial eingestellt und die Franzosen wollen nach der Fußball-Weltmeisterschaft auch den Quidditchweltpokal haben. Was meinst du, wie viele Muggelstämmige denen gehässig hinterherlachen, wenn die hier in ihrem Land den Pott nicht holen", erwiderte Julius, ungeachtet dessen, daß dieser Ausspruch von Lino zitiert werden mochte. Doch er hatte ja auch nichts gesagt, zu dem er nicht stehen konnte.

"Neh ist klar, weil deine Schwiegermum dich dann nicht mehr mit ihrem Hintern anguckt, wenn ihre Gurkentruppe von uns versenkt wird", feixte Kevin. Julius grinste.

"Wenn die Iren den Pokal holen kriege ich keine Probleme. Ich bin schließlich in England groß geworden und nicht auf der Wiesen- und Kleeblattinsel."

"Das stimmt wohl", erwiderte Kevins Vater. "Und halt dich bitte wenn wir da wohnen mit derartigen Ausrufen zurück, Kevin. Oder legst du es drauf an, daß denen das wieder einfällt, daß du noch was hier zu putzen hast?" Kevin erbleichte. Er starrte seinen Vater verdrossen an und zischte nur:

"Ich darf doch wohl für unsere Mannschaft sein, Dad. Wenn du jetzt auch noch mit dieser Kiste anfängst kann ich gleich wieder nach Hause."

"Ja, mein armer kleiner Spatz, sofort nach Hause", erwiderte Gwyneth. "Nur Pech, daß Onkel Clay und Tante Dana gerade erst hier angekommen sind und für ihren Kevy-Kuckidigu kein warmes Feuerchen im Kamin gemacht und Essen für vier Wochen vorgekocht haben."

"Wenn du kein Mädchen wärest hättest du jetzt drachenharten Terz", knurrte Kevin. Gwyneth zitterte heftig übertrieben und bibberte besonders laut. Dann sagte Mr. Malone zu Julius:

"Wenn du mit dieser Kevins Angaben nach sehr gut genährten Dame noch Kontakt haben solltest schlage ihr bitte vor, daß meine Frau, meine Nichte und ich uns mal mit ihr über das von damals unterhalten. Ich fürchte, hier ist doch einiges Waterfordglas in die Brüche gegangen."

"Dad, seit dem vierten Januar mußt du nicht mehr alles für mich regeln", sagte Kevin genervt. Sein Vater hatte darauf aber die passende Antwort:

"Kevin, Tante Siobhan und ich haben dir mit diesen Ringen damals nur geholfen, weil wir nicht wußten, wie genau die Bestrafung ausfällt. Aber wir zwei haben uns lange darüber unterhalten, daß das mit dem Sumpf ein übler Streich war. Es wäre daher erwachsen, wenn du dich offiziell bei den darunter leidenden für die unnötige Arbeit entschuldigst, mein Sohn."

"Kevin hatte Glück, daß Madame Delamontagne ihn damals nicht mit einem dieser Ringe an sich festgemacht hat. Denn ursprünglich sind diese Ringe dazu da, um bei der Walpurgisnachtfeier ein Paar für mehrere Stunden zusammenzubinden, damit es sich nicht im Gewühl verliert", erwähnte Julius. Kevin erbleichte nun vollends, während sein Vater leise lachen mußte und Gwyneth albern kicherte.

"Dir ist sowas doch im Jahr passiert, wo er gegen Harry Potter verloren hat, richtig?" Fragte Mr. Malone und schaute sich rasch um, wer es mitbekam.

"Ja, genau", erwiderte Julius darauf. Die Malones hatten es ja mitbekommen, wie Julius beim Prozeß gegen Dolores Umbridge über seine Zeit in Madame Maximes Nähe gesprochen hatte.

"Na ja, vielleicht ergibt sich doch eine Gelegenheit, das zerschlagene Kristall wieder zu reparieren", sagte Mr. Malone. Linda Knowles unterhielt sich derweil mit Mrs. Finnigan über die irische Mannschaft und welche Chancen auf eine Titelverteidigung bestanden. Kevin erwähnte noch, daß sie auf dem östlichen Zeltplatz wohnen sollten, wo immer der lag. Dann ging es noch einmal um die Sache, die im letzten Jahr abgelaufen war. Julius erwähnte Kevin gegenüber, daß Millie und er eines der tragbaren Häuser geschenkt bekommen hätten, das sie beide bewohnen dürfen, wenn sie das sechste Schuljahr fertig hatten.

"Laß mich raten, die haben dieses Häuschen fest hier eingepflanzt, richtig?" Julius nickte. "Dann hatte ich doch irgendwo recht, und die ganze Truppe hier spannt dich immer fester ein. Mit anderen Worten, du hängst schon mit Millie in diesem Haus rum?"

"Ich feier da mit Gloria, Pina und den Hollingsworths und einigen mehr meinen siebzehnten", sagte Julius ruhig. "Wenn du ein wenig weniger gemein über die anderen von hier ablästerst habe ich keine Probleme, dich dazu einzuladen."

"Oh, der wohlerzogene Sir aus England hat Anweisung, sein neues Heim und Haus nicht mit irischem Unrat zu besudeln!" Schnarrte Kevin. Seine Mutter zischte ihm dafür zu:

"Dafür, daß du schon volljährig bist benimmst du dich wie ein bockiges Kleinkind, daß nicht ins Bett will. Kein Wunder, daß Julius sich schämen muß, dich irgendwohin einzuladen."

"Mum, das ist jetzt total fies von dir", entrüstete sich Kevin. "Die machen den hier zu einem Tanzpüppchen, das nur das macht, was man ihm sagt. Klar, daß die keinen dahaben wollen, der ihm was anderes beibringen kann."

"Nichts für ungut, Kevin, aber wenn du weiterhin als mein Freund gelten möchtest schüttel den Furz aus deinem Gehirn und blas ihn anständig zum Hintern raus, daß du mir noch was beibringen müßtest. Sicher hast du das Jahr mit der Umbridge überstehen müssen und wärest fast von den Carrows und Snape den Dementoren vorgesetzt worden. Aber das gibt dir kein Recht, mir zu unterstellen, ich hätte von dir noch was zu lernen, wenn ich merke, daß die Art, wie du dich über die Leute ausläßt, die mir geholfen, ja mir und damit auch dir das Leben gerettet haben, nicht gut ankommt, weder bei denen, die mir geholfen haben, noch bei Gloria, Pina, Betty, Jenna oder mir. Denn alle die wissen, was sie denen zu verdanken haben, denen was an mir liegt. Und nur weil mir was an euch liegt, haben sie mir geholfen. Falls du das echt vergessen hast, kann ich gerne einen Termin bei Madame Faucon für dich vereinbaren. Die hat eine geniale Methode drauf, um Jungs mit dem Verhalten eines Babys in den passenden Körper zu versetzen." Kevin erbleichte nun richtig. Lino wandte sich von Mrs. Finnigan ab und sah ihn und Julius an. Doch Julius erinnerte sie im Flüsterton daran, daß sie alles was er mit seinen Freunden besprach für sich zu behalten hätte. Sie wandte sich wieder Mrs. Finnigan zu. Kevin schwieg weiterhin. Ihm ging wohl gerade auf, was man ihm schon längst hätte aufhalsen können. Seine Mutter errötete ein wenig und zog Julius zu sich heran:

"Das ist die schlimmste Drohung, die du ihm aussprechen konntest, Julius. Denn keiner von uns weiß genau, wie spät es war, als Kevin geboren wurde. Ich wurde unter seiner Geburt bewußtlos, und die Heilerin hat ihn förmlich aus meinem Bauch herausgraben müssen. Wie spät es war, als er endlich da war weiß keiner. Es könnten eine oder zwei Minuten fehlen. Das habe ich ihm früh genug gesagt, als er das mit diesem Hardbrick erzählte und daß eine Durmstrang ihm diesen Fluch auferlegt hat und wie schnell es ihn hätte erwischen können."

"Mum, das muß die da echt nicht auch noch in die überempfindlichen Lauscher kriegen", zischte Kevin und deutete auf Linda Knowles. "Die kann einen Floh in einer Meile Entfernung rülpsen hören."

"ich wollte deinem ehemaligen Schulkameraden nur erklären, wie heftig er dich damit erwischt hat, was er gesagt hat."

"Neh ist klar, damit er mich noch besser damit drangsalieren kann und die da es in ihr Kaugummipapier reinschmieren kann, wie gut mich dieser frühverbandelte Strammsteher da noch beharken kann. Wenn der mir so kommt verzichte ich lieber gleich auf dieses Superfest in diesem eingebuddelten Pilzhaus. Oder ist es 'ne hohle Birne?"

"Das braucht dich dann ja echt nicht zu jucken, wenn du da nicht hinkommen willst", konterte Julius. Er fühlte eine gewisse Wut in sich. Er mußte sich zusammennehmen. Er wollte sich nicht unnötig verärgern lassen. So sagte er noch: "Ich akzeptiere deine Absage. Dann brauche ich auch keine Einladung zu verschicken. Da ich jedoch gerade Dienst habe und ich mich für eine gewisse Summe verpflichtet habe, jedem, der kein Französisch kann zu helfen, sich hier zurechtzufinden, wirst du es hoffentlich noch einige Zeit mit mir aushalten müssen."

"Kevin, jetzt hast du es wohl geschafft", stellte Mr. Malone fest. "Sicher weiß Julius, daß er von den Lehrern und Leuten hier härter rangenommen wird. Sicher stimmt es auch, daß sie gerne an seiner Zukunft mitstricken. Aber er muß sich alleine entscheiden, ob er das Gestrickte annimmt oder seinen eigenen Weg geht. Denn er hat recht, daß du ohne ihn und seine Kontakte heute keinen eigenen Gedanken mehr fassen könntest. Vergiß das bloß niemals!"

"Ich höre dich noch, Dad: "Wir lassen uns von Du-weißt-schon-wem nicht von unserer Heimaterde verjagen. Hast du aber schnell vergessen, als das mit der Umbridge war und die Leute kamen, mit denen Julius Kontakt hatte. Und ich hab's damals schon gesagt, daß die Umbridge wohl keinen Grund gehabt hätte, mir, Gloria und den Hollingsworths ans Bein zu pinkeln, wenn wir uns schön von ihm ferngehalten hätten."

"Ja, ich weiß, und was Gloria dir darauf verpaßt hat könnten wir locker wiederholen", erwiderte Mrs. Malone und hob die Hand, als wolle sie ihren Sohn ohrfeigen. Kevin verlor die gerade erst ins Gesicht zurückkehrende Farbe erneut. Hatten die Porters seinen Eltern doch auf's Brot geschmiert, wie das vor einem Jahr abgelaufen war.

"Wie erwähnt, Kevin, wenn du so drauf bist wie gerade eben, rechne ich die Zeit mit dir nur noch in Sickel und Knuts ab. Ich hätte dir und deinen Verwandten gerne das Haus gezeigt, in dem Millie und ich wohnen. Aber wer mich immer noch für einen miesen Gangster oder willenlos gehorchenden hohlen Golem hält, muß da nicht hin, zumindest nicht unter unser dach. Klingt jetzt megaspießig, weiß ich. Aber ich habe die Nase langsam echt von Leuten voll, die, obwohl nicht wesentlich älter als ich, alle besser zu wissen meinen, was für mich richtig ist, wo es schon genug Leute die doppelt so alt sind wie ich gibt, die das so sehen. Nur den älteren kann ich es nicht verübeln, daß sie so denken und handeln. Aber von jüngeren oder knapp ein halbes Jahr älteren muß ich mich nicht dumm anmachen lassen. Kapier das endlich mal!"

"Wie viele Knuts kriegst du denn für's herumführen?" Fragte Kevin.

"Genug, um mir einen neuen Rennbesen zuzulegen, wenn die Weltmeisterschaft um ist. Hat was erhabenes, sich auch mal was von eigenem Geld kaufen zu können", erwiderte Julius. Gwyneth Malone hatte dem ganzen zugehört und sich wohl ihre eigenen Gedanken gemacht. Jetzt sagte sie:

"Gut, ich kann einiges nachfühlen, was Kevin gerade erwähnt hat. Aber daß er dabei vergißt, daß seine Eltern noch am Leben sind, wo meine Mutter umgebracht wurde, das will mir nicht in den Kopf rein. Vielleicht solltest du uns noch einige Tage Zeit geben, Julius."

"Ms. oder Mrs. Malone, das zwischen Kevin und mir geht jetzt schon mehr als drei Jahre so. Seitdem ich hier in Millemerveilles meinen vierzehnten Geburtstag gefeiert habe. Im Grunde kann ich auch einiges nachempfinden, was er meint. Doch ich habe gelernt, daß ich aus vielem, was man mir hier anbietet, mehr machen kann, wenn ich mich nicht auf stur stelle. Und was ich über die Kiste mit der Umbridge gesagt habe halte ich aufrecht. Und wenn er meint, den selben dummen Spruch vom letzten Jahr heute noch mal zu bringen, dann hört auch mein letztes Verständnis auf. Danke für den Versuch, für ihn einzutreten! Aber wenn er echt besser als ich zu wissen meint, wie ein echter Mann ist, dann kann er mir das nur beweisen, indem er sich bei mir und allen für seine Undankbarkeit entschuldigt. Mehr gibt es im Moment nicht zu sagen. Gleich kommt ein Portschlüssel aus Schottland an. Die Leute möchten schließlich auch wissen, wo sie hin müssen.""

"Hast du es jetzt mitgekriegt, Gwyneth. Der ist nicht nur vom Körper in die Länge gezogen worden, sondern auch vom Geist. Der redet und denkt wie einer von den Besserwissern über dreißig, die meinen, endlich die Welt kapiert zu haben", sagte Kevin, während Julius zu seinem Schreibpult zurückging. Er mußte noch den Portschlüssel wegräumen. Den ausgetretenen Teppich, mit dem die irische Gruppe angekommen war, beförderte er mit einem ungesagten Bewegungszauber auf den großen Portschlüsselstapel und hakte die Ankunft der irischen Gruppe auf der Liste ab. Kevin sah, wie Julius zauberte und bekam große Augen. Offenbar ging in dem jetzt herum, daß Julius immer noch minderjährig war und daher gar nicht zaubern durfte. Julius konnte förmlich die Frage hinter der Stirn des so gut wie ehemaligen Freundes aus Hogwarts-Tagen leuchten sehen: "Darf der das schon oder traut der sich nur, weil hier jeder herumzaubert?"

Linda Knowles unterbrach ihre angeregte Unterhaltung mit Maureen Finnigan, weil Julius kurz noch einmal ansagte, wie es gleich weitergehen würde. Er trieb mit Armbewegungen die angereisten Gäste aus der Zone, wo die Portschlüssel landeten. Dabei entging ihm nicht, wie Gwyneth sich mit Kevin in einer leisen aber wohl erregten Unterhaltung verstrickte. Mr. Malone sah Julius mit einer Mischung aus Zustimmung und Verlegenheit an. Seine Frau blickte immer wieder zwischen ihrem Sohn und Julius hin und her. Offenbar wußte sie nicht, wie sie die Lage bewältigen konnte. Julius kam derweil ins Gespräch mit einer rotgelockten Frau mit dunkelbraunen Augen, die ihm gerade zum Brustkorb reichte. Sie hieß Tara Coolidge und lebte mit ihrem Mann und den beiden Söhnen Patric und Lorne in der Nähe von New Grange. Patric war letztes Jahr nach Hogwarts gekommen, was sie als "Gnade der späten Geburt" bezeichnete. Lorne würde dieses Schuljahr dort anfangen. Sie fragte Julius, ob für ihn schon Cynthia Flowers zuständig gewesen sei. Es pfiff ja wirklich jeder Spatz von jedem Dach in England, daß er Muggelstämmig war. So erwähnte er Cynthia Flowers und daß es ihn schon erschreckt habe, wie heftig das Jahr der Todesser sie runtergezogen habe.

"Wir waren damals eine fröhliche Bande, Cynthia, Melinda und ich. Hoffentlich ist Cynthia da, wo sie jetzt arbeitet besser dran."

"Huch, dann waren Sie im selben Jahrgang wie Cynthia Flowers?" Fragte Julius. Mrs. Coolidge bestätigte das. Dann mußte sie ihre beiden söhne zur Ordnung rufen, weil ihr Mann sich gerade mit Mr. Finnigan über die neue Quidditchmannschaft unterhielt. Denn die beiden waren dabei, die Portschlüssel zu durchwühlen, die schon angekommen waren. Julius ging zu den beiden hin und sagte in einem ganz ruhigen, aber entschlossenen Ton:

"Damit spielt ihr besser nicht. Denn wenn einer von denen wieder losgeht, wenn ihr dranhängt landet ihr vielleicht in der Wüste. Da gibt's nix zu essen und zu trinken. Laßt die besser da liegen, bis wir eingeteilten Portschlüsselaufbewahrer euch sagen, mit welchem ihr wieder nach Hause könnt." Die beiden Jungen nickten und liefen zu ihrem Vater hinüber, der die beiden lachend zum Toben einlud.

"Wo waren wir, Monsieur Latierre? Ja, ich war mit Cynthia im selben Jahrgang. Bin aus unserem Schlafsaal damals die einzige, die geheiratet hat, denke ich."

"Wie lange bleiben Sie jetzt hier?" Fragte Julius.

"Also, wir gucken uns das erste Spiel der Iren an und dann noch das Finale. Für mehr hat es leider nicht gereicht. Die Eintrittskarten sind ja für eine mehrköpfige Familie ziemlich teuer."

"Jetzt könnte ich sagen, daß es mir leid tut. Aber dafür können Sie sich nichts kaufen. Ich habe in gewisser Weise glück, daß ich wohl wegen meiner hiesigen Verwandtschaft einige Spiele mehr gucken kann", sagte Julius. Kevin hörte das wohl, weil er und seine Cousine ständig damit beschäftigt waren, vor seinen Eltern zurückzuweichen, die mithören wollten, was die beiden sich erzählten. Er lachte lauthals und warf ungeachtet von Linos Anwesenheit ein:

"Hah, der feine Herr hat die zweitjüngste Tochter von der Oberhexe aus der Spiele-und-Sport geheiratet oder besser, sich von der heiraten lassen. Der kommt doch bei jedem Spiel an Ehrenlogenplätze dran, wenn er lieb Männchen macht und Schwiegermums Stiefel lutscht."

"Oh, Mr. Malone, ich hatte eigentlich gedacht, alle Fragen beantwortet zu haben. Was möchten Sie noch wissen?" Rang sich Julius eine professionell höfliche Reaktion ab, obwohl es in ihm schon wieder so gefährlich rumorte. Sein innerer Wutvulkan zeigte deutlich an, daß er noch lange nicht erloschen war und nur auf die passende Gelegenheit lauerte, mit großem Getöse auszubrechen. Kevin bekam nicht mit, was in Julius vorging, weil dieser nach außen hin ruhig und gelassen wirkte. Mrs. Coolidge blickte Julius erst fragend an, nickte dann aber. Kevin stand vor Julius und stemmte herausfordernd die Fäuste in die Seiten. Doch Julius schaffte es, ruhig zu bleiben. "Oh, dann haben Sie keine Fragen mehr? Das ist gut! Falls doch, hoffe ich, sie Ihnen und den anderen beantworten zu können. Gleich trifft die Abordnung Loch Ness Nummer eins ein. Bitte gehen Sie solange aus der Landezone, bevor sie noch von einem Dudelsack erschlagen werden!" Allgemeines Gelächter brandete los. Kevin hob den rechten Arm. Doch da hatte ihn Gwyneth sicher und stark mit einem Arm umfangen und zog ihn zurück, während Kevins Eltern mit hochroten Gesichtern zu ihrem Sohn hinsprangen.

"Nun, Mrs. Coolidge, wie Sie soeben hören durften bin ich mit Madame Latierres zweiter Tochter verheiratet. Allerdings muß ich ihr nicht die Stiefel ablecken, um Karten zu bekommen. Ihr genügt es, daß ihre Tochter glücklich ist und ich mit ihr eine gemeinsame Zukunft anfangen möchte."

"Gut, dann verstehe ich, warum Sie sagten, es brächte nichts, mir Ihr Mitleid zu bekunden. Ich habe gelernt, daß den einen Privilegien in die Wiege gelegt werden, während die anderen sie sich erarbeiten müssen. Denen, die damit beschenkt wurden ist es egal, daß es andere gibt, die schlechter dran sind. Die, welche sich ihre Vorrechte erarbeiten haben sie sich verdient. In beiden Fällen bringt es nichts, sich darüber aufzuregen, wenn man diese Vorrechte noch nicht errungen hat. Aber ich habe gelernt, daß sich Fleiß und gutes Benehmen mit der Zeit besser auszahlen als grobes und übereiltes Handeln oder Unverschämtheiten. Aber da kommt der nächste Schlüssel."

Wieder entstand eine blaue Lichtspirale. Der Portschlüssel, der sich gerade an diesem Ort einfand sah aus wie eine große, schlaffe Schlangenhaut mit Löchern, bis Julius erkennen konnte, daß es ein mit mehreren Löchern verunziertes, früher wohl mal aufblasbares Modell des berühmten Seeungeheuers von Loch Ness war. An diesem Hingen mindestens zehn Hexen in gemusterten Umhängen und Zauberer in farbigen Kilts. Eine der Hexen erkannte Julius, obwohl sie gerade nicht in schrillbuntem Kostüm herumlief. Es war die beliebte Sängerin Hecate Leviata. Auch einen der zauberer erkannte Julius. Er besaß feuerrotes Haar und einen ebenso flammendroten Vollbart mit grauen Strähnen. Es war Angus McFusty, der Häuptling des McFusty-Clans, der die schwarzen Hebriden hütete, starke Drachen, die auf einer der Hebriden-Inseln gehalten wurden. Kaum das sie gelandet waren gaben die Zauberer ein rein schottischsprachiges Lied in großer Lautstärke zum besten. Julius ließ sie eine Minute lang singen, dann tippte er sich mit dem Zauberstab an die Kehle und dachte "Sonorus!" "Meine sehr verehrten Damen und Herren!" Rief er dann mit vielfach lauter Stimme. Linda Knowles schrak einen winzigen Moment zusammen. Doch als er weiter sprach konnte sie wieder ruhig dastehen. "Ich heiße Julius Latierre, gehöre zu den Besucherbetreuern aus dem britischen und ex-britischen Ausland und heiße Sie alle willkommen!" Die Sänger verstummten. Julius stellte seine Stimme mit einem gedachten "Quietus" auf normale Lautstärke zurück und sprach weiter: "Ich freue mich, daß die Damen und Herren aus Schottland so viel gute Laune mitgebracht haben. Diese ist hier, im sonnigen Millemerveilles, immer gerne gesehen und auch gehört. Doch bitte ich Sie, um Mißverständnisse auszuschließen, für einige Minuten darum, mir zuzuhören." Kleine Kinder schrien, weil es eben so laut gewesen war. Doch Julius hatte keine Lust gehabt, gegen zehn oder zwölf rauhe und laute Kehlen anzubrüllen. "Der von Ihnen genutzte Portschlüssel wird bis zu einer Rückkehr in sieben Tagen hier verbleiben. Ich bin dazu beauftragt, Ihnen allen die von Ihnen vorgebuchten Unterbringungsorte zu zeigen, Sie mit den für alle Besucher zugänglichen Sehenswürdigkeiten und Imbißstellen vertraut zu machen und Ihnen im Rahmen meiner Dienstzeiten als Ansprechpartner für Fragen nach dem Turnierverlauf, den Stadien oder den Mannschaften zur Verfügung zu stehen. Sie haben Sicher alle gehört, daß Sie nicht direkt in Millemerveilles ankommen konnten, da eine althergebrachte Schutzmaßnahme den Ort vor Ortsversetzungszaubern schützt. Falls Sie eigene Besen im Gepäck mitführen bitte ich Sie, diese nun hervorzuholen. Falls jemand keinen eigenen Besen mitgebracht hat, möge er oder sie warten, bis ich die bereitgestellten Besucherbesen herbeigeholt habe. Das dauert keine Minute."

"Angeber", knurrte Kevin. "die haben dich komplett umgestrickt." Sein Vater errötete nun völlig und griff zu seinem Zauberstab, während einige hilflos grinsen mußten. Angus McFusty sah Julius an und grinste ihn an.

"Hängt eine dicke Zauberkraftglocke über dem Ort, Laddy. Deshalb haben wir ein paar Besen mit." Er deutete auf die anderen Männer, die ihre Rucksäcke öffneten und jeder einen Besen hervorholte, der schon arg betagt aussah. McFusty war der einzige, der einen neueren Besen, einen Nimbus 1500, aus seinem, den Ganzen Rücken bedeckenden Seesack hervorholte. Sicher war der Seesack rauminhaltsbezaubert und konnte den Inhalt aller Schränke einer großen Wohnung fassen, dachte Julius. Er zählte durch. Alle Zauberer luden sich eine der Hexen auf ihren Besen. Der Besucherbetreuer argwöhnte schon, daß die älteren Flugfeger das nicht durchhalten mochten. Die Kinder wurden von ihren Eltern auf langstielige Familienbesen gesetzt. Als Julius erkannte, daß alle Angereisten Besen hatten, sagte er noch: "Ich Führe Sie nun zu den von Ihnen vorgebuchten Wohnplätzen. Wer in einem der Reisehäuser unterkommt möge mir das bitte vorher sagen."

Kevin blickte Julius noch einmal verdrossen an. Doch seine Verwandten standen bereit, jeden weiteren Ausrutscher von ihm zu unterbinden. So schaffte es Julius, die beiden großen Gruppen hinter sich her durch die für Materie durchlässige Schutzglocke zu führen. Er achtete schon darauf, ob jemand vielleicht von der magischen Abschirmung Sardonias abgewiesen wurde. Doch keiner fiel zurück. Niemand schrie auf oder krümmte sich vor Schmerz zusammen. Sardonias Barriere ließ sie alle ein. Julius führte die Formation fliegender Besen erst zum östlichen Zeltplatz. Dort half er als Übersetzer aus, um denen, die hier gebucht hatten ihre vorgebuchten und mit Schildern gekennzeichneten Zeltplätze anzuweisen. Als er von den Iren alle und von den Schotten ein Drittel dort abgeliefert hatte, ging es zu den anderen Zeltplätzen. McFusty wohnte dort, wo auch seine Verwandten, die Barleys untergekommen waren. Als er dann noch die letzten zwei Familien aus der ersten Loch-Ness-Gruppe am nördlichen Zeltplatz abgesetzt hatte, kehrte er zum Portschlüssellandeplatz zurück.

Linda Knowles kam zu ihm und bemerkte:

"Wenn Sie den Sonorus-Zauber wirken, sagen Sie bitte den Spruch! Meine Lärmdämpfung hat zwar noch rechtzeitig reagiert. Doch wenn ich höre, daß wer den Sonorus-Zauber verwendet, stellen sich meine Ohren noch schneller auf die veränderte Lautstärke um."

"Was da zwischen Kevin Malone und mir ablief bitte ich Sie im Namen seiner Familie einstweilen zu vergessen, da ich davon ausgehen muß, daß in den Staaten immer noch Leute rumlaufen, die auf Wishbones Linie sind und eine derartige Veröffentlichung zum Anlaß nehmen würden, die Malones als undankbar, unbelehrbar und rüpelhaft abzutun. Ich hoffe, Ihnen liegt nichts an derartigen Entwicklungen." Linda Knowles schüttelte den Kopf und bekräftigte, daß sie wahrhaftig berichten und Skandale aufdecken wolle, ihr aber nicht daran gelegen sei, eine Familie in Ungnade zu stürzen, die sich nichts hatte zu Schulden kommen lassen. Julius hoffte es inständig, daß sie ihn nicht beschwindelte. Doch was konnte er jetzt noch machen? Sie hatte die Erlaubnis, bei der Ankunft von Leuten dabei zu sein. Er konnte im Grunde nur auf sie einwirken, daß sie sich nur auf die Aussagen amtlicher Besucher konzentrierte. Das hatte er getan. Mehr ging im Moment nicht. Falls sie doch über Kevins für einen Ravenclaw untypischen Ausrutscher schrieb, konnte und würde er sich mit seiner Schwiegermutter unterhalten.

Um sich und die nicht so ganz erwünschte Begleiterin nicht zu langweilen sprach er mit Linda Knowles über die Entomanthropen, ein für beide sehr bedrückendes Thema. Er erfuhr dabei, daß die Erzeugerin der neuen Brut wohl einen entscheidenden Fehler gemacht hatte, als sie die neuen Brutköniginnen erschuf und dabei die in den Südstaaten berüchtigten Mörderbienen als Vorlage benutzte. Julius mußte sich arg beherrschen, seine Beklommenheit nicht zu zeigen. Für ihn waren die aus afrikanischen Wild- und europäischen Honigbienen entstandenen Formen vergleichbar mit Wespen. Was wäre passiert, wenn Anthelia eine Wespen- oder Hornissenkönigin als Teil ihres schwarzmagischen Fusionsrituals benutzt hätte?

"Zum anderen hat sie wohl gemeint, sich beliebige junge Mädchen fangen und in diese Kreuzung hineinzwingen zu müssen", sagte Linda Knowles ganz ruhig. "Dabei ist ihr eben auch eine Straßenkriminelle in die Fänge geraten. Diese in Verbindung mit einer aggressiven Bienenart ergab dann jenes Monster, unter dem wir in den Staaten mehrere Monate lang zu leiden hatten und dem Ihr Hausgast, Mr. Brocklehurst, den zu frühen Verlust seines Vaters zu verdanken hat." Julius nickte. Das war ja wirklich schon um sämtliche Ecken herum, was Linus Brocklehurst durchgemacht hatte. Über den Endkampf der Wiederkehrerin gegen ihr außer Kontrolle geratenes Geschöpf berichtete Lino mit unüberhörbarer Beklommenheit. Sie schloß mit dem Satz: "Hätte ich geahnt, wie schrecklich es sich anhört, die neuentstandenen Schlüpflinge dieser Bestie im Todeskampf schreien zu hören, hätte ich mich sicher gegen alle Neugier und Berufsehre zurückgehalten."

"Ich hätte mir auch die Begegnung mit Hallitti ersparen können, wenn ich damals gewußt hätte, wie gefährlich sie ist. Na ja, aber so ist dieses Mörderweib nun Geschichte, leider auch wie mein Vater." Beinahe hätte Julius noch erzählt, wie es damals mit seiner Zaubereiausbildung angefangen hatte. Doch das mußte Lino nicht wissen. Nachher wollte sie noch eine Fortsetzungsgeschichte über ihn schreiben.

Um wieder zum eigentlichen Grund für ihrer beider Hiersein zurückzukommen erläuterte Julius Linda Knowles die Quidditchregeln und beschrieb unter Zuhilfenahme von Spielberichten, wie sich die französische Quidditchliga im letzten Jahr entwickelt hatte. Dann sollte er ihr noch Fußball erklären und wie es für Frankreich sei, in dieser Sportart den Weltmeistertitel gewonnen zu haben. Er erwähnte dann, daß die elektronischen Nachrichtenverbreiter wie Radio, Fernsehen und Internet auch einen großen Anteil an der Begeisterung für Fußball hätten, es aber wohl vor allem daran lag, daß man Fußball an jedem Ort der Welt spielen konnte, solange man einen Ball, zwei gleichgroße Mannschaften und zwei als Tore dienende Markierungen verwenden konnte. Er beschwor aus dem Nichts einen Lederfußball herauf, den Lino sofort fotografierte. Julius tat ihr den Gefallen, ein paar Ballführungstricks vorzuführen, wobei sie ihn auch ablichtete. Um es für seine Arbeitgeberin zu rechtfertigen, daß er sich die Wartezeit bis zur Ankunft der nächsten Portschlüssel mit Muggelsport beschäftigte, sagte er noch: "Bei Quidditch ist es die Geschwindigkeit und die sich selbst bewegenden Bälle, die den Reiz ausmachen. Beim Fußball ist es die Einschränkung, den Ball nur mit den Füßen, dem Brustkorb oder dem Kopf spielen zu dürfen und daß er eben auf der Ganzen Welt nach den geltenden Regeln gespielt werden könne, auf einer kleinen Wiese bis zu einer flachen Sandwüste oder einem Meeresstrand. Er kickte den Ball spielerisch zu Linda Knowles hinüber, die versuchte, ihn ohne Zauberei und Zuhilfenahme der Hände anzunehmen, ihn tatsächlich abstoppen konnte und dann zu Julius zurückspielte. Sie lachte dabei wie ein kleines Mädchen und fragte, ob das wirklich nur von Jungen gespielt werden könne. Julius erwiderte, daß auch Mädchen und Frauen das Spiel spielten. Die Mannschaften seien aber nach Geschlechtern getrennt, anders als beim Quodpot und Quidditch.

So verflog die Wartezeit, bis Julius hinter das Schreibpult zurückkehren mußte und die Ankunft eines Portschlüssels aus Neuseeland erwartete. Als ein verbeulter Blecheimer mit zehn Leuten dran aus der blauen Lichtspirale herausfiel begrüßte Julius die Angereisten auf die einstudierte Art, höflich, kurz, informativ. Da bis zur Ankunft des nächsten Portschlüssels nur fünf Minuten blieben, bat er die Neuankömmlinge darum, solange zu warten, bis die beiden nächsten Portschlüssel eingetroffen seien. In der Zeit besprach er mit den Angereisten die Unterbringung, wer wo unterkam, teilte die hier bereitgelegten Lagepläne von Millemerveilles mit Hervorhebung der Stadien und Sehenswürdigkeiten aus und beantwortete Fragen nach dem Spielplan der neuseeländischen Mannschaft, die am Nachmittag mit ihrer Delegation und den Ministeriumsbeamten für Sport und Spiel und internationale magische Zusammenarbeit eintreffen würde. Linda Knowles hielt sich derweil auffallend zurück. Offenbar lauerte sie auf einen besonderen Besucher, der bald eintreffen würde.

Als dann ein ausgedienter Lastwagenreifen mit zwanzig sich gerade so daran festhaltenden Leuten landete und die Anreisenden durcheinanderpurzelten, flatterte eine australische Fahne durch die Luft. Julius wartete, bis sich die Ankömmlinge wieder berappelt und auf die Füße gestellt hatten, bevor er seinen professionellen Begrüßungstext aufsagte. Dann erkannte er einige der neuen Besucher. Vor allem fiel ihm das junge Mädchen auf, das vom Aussehen her in der fünften Klasse von Hogwarts oder Beauxbatons sein mochte. Er erkannte sie nur an ihrem Haar und ihren neugierig umherblickenden Augen. Das war die Nichte der Zauberbäckerin Melinda Bunton. Wie hieß die noch mal? Corinna, erinnerte sich Julius. Außerdem konnte er einen kleinwüchsigen Zauberer mit goldenem Haarkranz erkennen. Das war Optimus Lighthouse, ein weltberühmter Erfinder und Hersteller von magischen Bild- und Tonkunstwerken. Dessen Sohn Laurin war ja bereits im Familientross der Nationalmannschaft mit seiner Frau Pamela eingetroffen. Julius sah die einen Kopf größere Hexe neben Mr. Lighthouse. Sie besaß graublondes Haar und wirkte in ihrem himmelblauen Umhang mit den kleinen, langstrahligen gelben Sonnendarstellungen wie eine Verehrerin von Jane Porter. Tatsächlich trug sie einen Strohhut auf dem Kopf, aus dessen Rand viele bunte Blumen herauswinkten. Dann sah er noch eine ältere, leicht untersetzte Hexe in einem gerade leicht staubig und zerknittert wirkendem, fliederfarbenem Reiseumhang. Sie besaß schwarzes Lockenhaar und stahlblaue Augen. Sie strahlte unmittelbare Würde und Willenskraft aus. Er erkannte die Hexe. Denn er hatte eines ihrer Bücher, dessen Deckel mit ihrem Bild verziert war. Offenbar erkannte Ms. Knowles die ältere Hexe auch, weil sie Anstalten machte, sie gleich um ein Interview zu bitten. Doch die Hexe schüttelte den Kopf und machte durch Worte und Gesten klar, erst einmal ihre Unterbringung aufsuchen zu wollen. Danach ergebe sich immer noch eine Gelegenheit. So hängte sich Linda Knowles an den mitgereisten Vertreter des australischen Zaubereiministeriums, der nach der eingetroffenen Mannschaft als zusätzlicher Repräsentant des fünften Kontinents arbeiten würde. die Hexe im fliederfarbenen Reiseumhang holte eine silberne Brille aus einer großen, weißen Tasche, auf der Julius die rote Äskulapschlange erkennen konnte, das internationale Kennzeichen der magischen Heiler. Julius blieb ganz ruhig und handelte die ersten Ankunftsformalitäten ab. Dann wies er die Ankömmlinge darauf hin, daß sie entweder per Besen nach Millemerveilles einreisen oder zu Fuß durch die unsichtbare Absperrung gehen müßten. Innerhalb der Absperrung sei das Apparieren möglich, solange niemand durch die Barriere an einen außerhalb gelegenen Ort überwechseln wolle. Die meisten Ankömmlinge besaßen jedoch keinen Besen. Da fiel Julius ein, daß er im Schreibpult ein goldenes Horn finden konnte, um eine der nächsten freien Flugkutschen herbeizurufen. Er schloß das Pult mit dem Clavunicus-Schlüssel auf, holte das einem Posthorn nachgebildete Instrument hervor und tippte es mit dem Zauberstab an einer der eingravierten Runen an, jener für Rufen. Sofort erschollen klare, weittragende Töne, ähnlich dem Signal eines Postkutschers, der sich freie Bahn verschaffen oder frische Pferde anfordern wollte. Er hielt das Horn noch solange in der Hand, bis aus einiger Entfernung ein leises Rauschen und Schwingen zu hören war. Von oben her sank eine hellblaue Kutsche mit einem goldfarbenen geflügelten Pferd davor herab. Das Gefährt landete zwanzig Meter vom markierten Ankunftpunkt für Portschlüssel entfernt. Julius schloß das Rufhorn wieder in das Pult ein, beförderte den zweckentfremdeten Lastwagenreifen auf den Stapel der anderen Portschlüssel und führte die wartenden zu der Kutsche, deren Tür von alleine aufschwang. Er prüfte die Zeit und stellte fest, daß er noch zwanzig Minuten bis zum nächsten Portschlüssel hatte. Da er bis zur Barriere apparieren konnte hatte er kein Problem, sich mit dem Kutscher zusammen darum zu kümmern, die angereisten Besucher zu ihren vorgebuchten Unterbringungsorten zu begleiten. So kam er auch einmal in den Vorzug der zwanzig eingesetzten Pendelkutschen, deren Zugtiere auf einer mit durolignum gehärteten Baumstämmen umfriedeten Koppel gehalten wurden. Als er die meisten Gäste an den Zeltplätzen und der Fliegenpilzstadt abgeliefert hatte, waren nur noch die Hexe mit den schwarzen Locken und Linda Knowles in der Kutsche.

"Bringen Sie mich zu Madame Matine, junger Mann!" Bat die Passagierin aus Australien. Julius erwiderte:

"Sehr gerne, Mrs. Morehead. Ich bin sicher, daß Madame Matine sich schon auf Ihren Besuch freut."

"Sonst hätte sie mir wohl nicht ihr bestes Gästezimmer angeboten", lachte die ältere Hexe. Julius sagte dem Kutscher auf Französisch, daß er zu Hera Matine fliegen solle. Er prüfte schnell die verbleibende Zeit. Er hatte nur noch zwei Minuten bis zum nächsten Portschlüssel. So verabschiedete er sich rasch von Mrs. Laura Morehead und Linda Knowles und verließ die Kutsche, bevor diese wieder startete. Als er sah, wie das von einem Abraxas-Pferd gezogene Fuhrwerk davonflog, konzentrierte er sich auf den Punkt, an dem er noch gefahrlos apparieren konnte und stellte sich vor, jetzt mit allem an und in ihm dort zu sein. Dann drehte er sich geübt in den Apparitionstransit hinein. Er überstand das schrottpressenartige Zusammenquetschen aller Körperteile mit der Gewißheit, es nicht lange aushalten zu müssen und fand sich knapp fünfzig Meter vor der magischen Grenze wieder. Er legte einen schnellen Spurt hin, durchstieß die magische Glocke, wobei sein Pflegehelferarmband für einen moment wild vibrierte. Dann war er durch und lief noch ein Dutzend Meter, bevor er zu seinem Arbeitsplatz apparierte. Er rechnete schon damit, daß Linda Knowles ihm folgen würde. Doch sie war wohl damit beschäftigt, Laura Morehead zu beschwatzen, ihr doch jetzt schon ein Interview zu geben. So konnte er die verbleibende Minute über die bisher abgelaufenen Ereignisse nachdenken. Das mit Kevin Malone wurmte ihn sichtlich. Wieso wollte der es echt darauf anlegen, es sich mit allen zu verscherzen, die ihm geholfen hatten? Hatte der Hut sich damals vielleicht vertan und ihn statt nach Gryffindor nach Ravenclaw gesteckt? Sicher, Julius hatte dem sprechenden Hut klargemacht, daß er nicht nach Slytherin wollte, obwohl ihm die verhexte Stofftüte damals vorgeschlagen hatte, er könne dort wunderbar zurechtkommen. Hatte der Hut Kevin vielleicht gefragt, ob er auch nach Gryffindor wollte wie vielleicht einige seiner Verwandten oder er gar bei den Slytherins unterkommen wollte? Was diesen alten Hut umtrieb verstand außer den Gründern von Hogwarts wohl keiner. Doch in den allermeisten Fällen hatte er schon die richtigen Zuteilungen getroffen. Julius dachte einen beklemmenden Moment daran, daß dieser alte Hut auch Tom Riddle alias Lord Voldemort und Dolores Jane Umbridge auf dem Kopf gesessen hatte. Jetzt, im Nachhinein, wo er wieder an die alten Hogwarts-Zeiten dachte, könnte ihm noch nachträglich speiübel werden, sich das vorzustellen.

Das aufleuchten einer blauen Portschlüsselspirale rief Julius Latierre in die Gegenwart zurück. Eine Gruppe aus Cloudy Canyon in den vereinigten Staaten von Amerika traf nun ein. Ihr Portschlüssel war ein runder Holztisch mit drei Beinen, der jedoch wegen Überhang umkippte und mit den nun von ihm loskommenden Anreisenden auf dem Boden entlangkullerte. Julius sah mindestens zehn ziemlich gewichtige Zauberer und Hexen und drei hagere Burschen, die wohl gerade im ZAG oder den ersten UTZ-Jahren waren.

"Mann, ist das eine miese Art zu reisen", schimpfte einer der mehr als gut genährten Zauberer und versuchte, sich auf die eigenen Füße zu stellen. Julius sprang ihm bei und bot ihm einen Arm. "Junger Mann, wenn ich mich daran festhalte zieht es sie runter", knurrte der Zauberer, der sichtlich darum kämpfte, sich wieder in die Senkrechte zu bekommen. Julius grinste nur, packte die große Hand des Mannes und ging kurz in die Knie. Dann zog er mit Arm- und Beinunterstützung den Zauberer in die Höhe und schaffte es, ihn hinzustellen.

"Holla, junger Mann, Sie sehen nicht aus wie ein Kraftprotz", sagte der unterstützte Zauberer und grinste über sein rosiges Mondgesicht. "Ich bringe zweihundertachtzig Pfunde auf die Waage. Und Sie ziehen mich mal eben in die Aufrechte, als stemmten sie ein kleines Hexenmädchen."

"Schwermachertraining, Sir", sagte Julius.

"Braucht Buck nicht, der ist schon schwer genug", feixte ein anderer Zauberer, der jedoch auch gut im Futter stand.

"Hast du gerade nötig, Vince", knurrte der 280-Pfund-Zauberer.

"Ich kann mich noch locker aufrappeln, Fressack", tönte der Zauberer, der Vince genannt worden war. Eine Hexe, die gerade einen vierjährigen Jungen beruhigen wollte, schnarrte verärgert:

"Vince, wir sind hier nicht zu Hause. Benimm dich also bitte, wo Hank zuhören kann."

"Sie alle sind aus Cloudy Canyon?" Fragte Julius.

"Der erste Schwung. Die Nachtschwärmer. Der nächste kommt wohl mit dem Morgenexpress an." Julius erkundigte sich nach der Ortszeit von Cloudy Canyon und rechnete die Angabe in die mitteleuropäische Zeit um. Dann erfaßte er, daß die nächste Ladung also um fünf Uhr Nachmittags eintreffen würde. Da noch ein Portschlüssel aus Kanada erwartet wurde nutzte er die Wartezeit, um sich vorzustellen und den Gästen die Unterbringungsmöglichkeiten zu beschreiben. Er erfuhr dabei, daß der Zauberer namens Buck mit vollem Namen Buck Fulbright hieß. Linus hatte von ihm erzählt und ihn als ehemaligen Beamten aus der Handelsabteilung beschrieben. Wie gewichtig er war hatte Linus verschwiegen. Bince hieß vollständig Vincent McDuffy und arbeitete im Zaubereiministerium in der Abteilung für magischen Personenverkehr im Besenkontrollamt. Seine Frau Perdy war im Zuge von Wishbones Hexenentlassungen arbeitslos geworden und hatte sich nach dessen Abgang in der magischen Bekleidungsindustrie eine neue Einnahmequelle gesichert. Ihr gemeinsamer Sohn Hank war ein Nesthäckchen, zwölf Jahre jünger als sein großer Bruder und zwanzig Jahre Jünger als seine Schwester. Diese hielten allerdings nichts vom Quidditch. Über diese und weitere Kennenlernunterhaltungen verging die Zeit bis zur Ankunft des kanadischen Portschlüssels, einem henkellosen, rostigen Kochtopf, an dem sich gerade so eben noch zwanzig Leute hatten halten können, wohl mal eben mit einem Finger Kontakt zum Portschlüssel finden mochten. Julius prüfte nach, wer von den Angereisten Besen mithatte und beorderte zwei weitere Pendelkutschen herbei. Buck scherzte schon, daß so eine Kutsche ihn bestimmt nicht tragen könne. Julius übersetzte es dem Kutscher. Dieser lachte und ließ zurückübersetzen:

"Wenn wir Sie nicht in der Kutsche mitnehmen können hole ich Sie nachher mit einem der Pferde allein ab. 'ne Abraxaner-Stute kann bei ihrer Tragzeit ein Fohlen mit sich herumschleppen, daß bei der Geburt zweihundert Kilo wiegt." Julius hätte noch hinzufügen können, daß er seine Schwiegertante Barbara um die Bereitstellung einer gerade nicht trächtigen Latierre-Kuh bitten könne. Das hätte Buck Fulbright sicher in großes Erstaunen versetzt. Doch es ging auch so. Die Gäste aus Amerika fanden sich alle in den Pendelkutschen ein. Julius bestieg die vordere der beiden und dirigierte sie zu den Lagerplätzen. Damit verbrachte er eine weitere halbe Stunde, wobei der superschwergewichtige Zauberer Buck Fulbright sich schon darüber ausließ, wie lang die Wege seien und daß die Bezeichnung Dorf wohl maßlos untertrieben war. Darauf konnte Julius nur mit einer gewissen Erheiterung antworten:

"Sie werden nicht verlorengehen, nur weil Millemerveilles nicht in ein enges Tal hineingequetscht wurde, Mr. Fulbright."

"Der Klops kann nicht mehr apparieren, weil er seine Pobacken verlieren würde", stichelte Vincent McDuffy. Darauf setzte Mr. Fulbright an, seinen Zauberstab zu zücken. Doch Julius straffte sich und sagte mit einer von ihm selten gehörten Strenge in der Stimme:

"Schluß damit! Hier wird sich nicht duelliert! Benehmen Sie sich doch endlich mal wie erwachsene Männer!"

"Der Kerl da kann nur das Maul nicht halten. Da muß ich es ihm stopfen", polterte Fulbright. Vincent machte auch schon Anstalten, nach seinem Zauberstab zu langen. Doch Julius blickte ihn sehr entschlossen an und sagte: "Hier wird sich nicht duelliert! Wenn Sie die Buchungsbestimmungen gelesen haben wissen Sie, daß während der Quidditchweltmeisterschaft keine feindseligen Zauber gebraucht werden dürfen, egal wo, egal von wem, egal gegen wen und warum. Ich habe Befugnis, die Sicherheitsüberwachung herzurufen, wenn Leute aufeinander losgehen wollen und sogar im Rahmen schneller Beendigungsmaßnahmen aufkommende Zaubergefechte zu beenden und die Zauberstäbe der Streitenden zu beschlagnahmen. Benehmen Sie sich also gütigst wie Männer und nicht wie halbgroße Raufbolde!"

"Jungchen, du gefällst mir. Du hast Schneid, dich mit einem Meister im Duellieren anzulegen", sagte Vincent. Doch seine Frau pflückte ihm einfach den Zauberstab aus der Hand. Julius behielt Buck im Blick und sah, wie dieser seinen Zauberstab wieder fortsteckte und statt dessen die rechte Faust gegen Vincent schwang.

"Wenn Sie meinen Namen schon mal gehört oder gelesen haben wissen Sie sicher, daß ich schon mit schlimmeren Leuten aneinandergeraten bin, Sir", sagte Julius. McDuffy nickte.

Als sich die Gemüter etwas beruhigt hatten, bbrachte Julius die Gäste zu den Zeltplätzen und prüfte die Zeit. Er hatte noch ein wenig Ruhe bis zum nächsten Portschlüssel. Doch da er im Dienst war beschloß er, die bereits eingetroffenen Gäste zu fragen, ob noch irgendwas anstand, apparierte zwischen den Zeltplätzen und der Pilzhausstadt herum und suchte auch den Eingang zu den Schattenhäusern auf, wo bereits viele Leute anstanden, um die Schau der gefährlichsten Kreaturen der Dunkelheit zu besuchen. Das Schild am Eingang war in zehn Sprachen verfaßt worden, darunter neben Französisch Englisch, Spanisch, Deutsch und Portugiesisch. Auch japanische Schriftzeichen konnte er erkennen.

Als er vor dem Eingang zum Tierpark apparierte, um sich dort nach Leuten zu erkundigen, die er schon begrüßt hatte, sah er Gwyneth und Kevin Malone, die in der langen Schlange standen. Sollte er sie hier noch einmal ansprechen? Doch dann fiel ihm ein, daß er sich nicht vor den Leuten hier noch einmal dumm anreden lassen mußte und wechselte so leise wie er es gelernt und geübt hatte zur grünen Gasse hinüber, wo Laura Morehead gerade auf den Einlaß wartete. Neben ihr stand Hera Matine.

"Oh, schon dienstfrei, Julius?" Fragte die residente Heilerin und Hebamme von Millemerveilles.

"Nein, ich habe noch vier Schlüsselgruppen zu empfangen, Hera. Ich nutze den Freiraum nur, um zu prüfen, ob ich den englischsprachigen Gästen noch helfen kann."

"Du hast zwischen eins und vier Dienstfrei und dann wieder ab acht", erinnerte sich Hera Matine. "Mildrid muß wohl zwischen vier und acht auch noch einmal an den Empfangspunkt Südwest. Mrs. Morehead hat sich erkundigt, wann du einmal zu mir und ihr zu Besuch kommen könntest, da sie an deinem bisherigen Werdegang interessiert ist."

"Soviel Werdegang gab es bisher nicht", stapelte Julius tief. "Aber ich bin gerne bereit, Sie am kommenden Sonntag vormittag kurz zu besuchen, bevor ich zur Eröffnungsfeier eingeteilt bin."

"Das wäre mir sehr recht, Monsieur Latierre", erwiderte Laura Morehead, die astreines Französisch sprach. "Allerdings wird am Sonntag auch die Delegation aus Beauxbatons eintreffen. Ich gedenke im Vorfeld der Weltmeisterschaft mit Madame Rossignol ein paar Begrüßungsworte zu wechseln."

"Dann würde ich vorschlagen, daß ich mich mit Ihnen zu einem späteren Zeitpunkt unterhalte, an dem es ruhiger ist", bot Julius an.

"Ich fürchte, echte Ruhe werden wir dann nicht mehr haben", sagte Hera Matine. Julius bestätigte es. So vereinbarte er mit Mrs. Morehead, daß er am Sonntag zu Hera Matine und ihr hinkommen möge. Er nahm auf den Rückweg noch Grüße an Aurora Dawn mit. Diese hielt sich ebenfalls als mehrsprachig gebildete Heilerin bereit.

Julius versah die von ihm übernommene Aufgabe weiterhin mit aller gebotenen Höflichkeit und fand sogar eine gewisse innere Ruhe.

Als eine Gruppe aus Hogsmeade ankam, bei der auch die rotblonde Miriam Swann dabei war, freute er sich, ein paar flüchtige Bekannte wiederzusehen. Sie kannten ihn alle noch von seinem Besuch im letzten Sommer und hatten keine Probleme damit, sich die Unterbringungsmöglichkeiten zeigen zu lassen.

Die ablösung kam um zwölf Uhr Mittags. Es war Virginie Rochfort, geborene Delamontagne. Ihren Sohn, den kleinen Roger, hatte sie bei ihren Eltern gelassen, wo er mit seinem Onkel Bauduin spielen konnte.

"Jetzt trudeln die ganzen Überseefranzosen ein, Julius. An und für sich hätten wir die auch mit der Reisesphäre von Martinique und Französisch-Guayana über Paris herholen können. Aber deine Schwiegermutter räumte ein, daß man nie wissen könne, ob da nicht ein paar werdende Mütter bei seien. Mit Roger im Gepäck habe ich lernen müssen, daß die Reisesphäre nach Übersee für angehende Mütter ziemlich unangenehm sein kann, wenn die Kinder nicht mit einem sanften Schlafzauber belegt werden können."

"Ich hatte heute Morgen schon wieder eine hitzige Debatte mit Kevin, der mit seinen Verwandten ankam und hätte fast ein Duell zwischen zwei amerikanischen Schwergewichten beenden müssen. Soll noch mal wer sagen, daß die Betreuung von Erwachsenen einfacher ist als die von kleinen Kindern."

"Deshalb hat Maman dich ja mit weit offenen Armen begrüßt, als du dich für die Besucherbetreuung der Englischsprachigen gemeldet hast. Sie hätte dich vielleicht sonst zwangsverpflichtet."

"Eingezogen, geshanghait", knurrte Julius. Sowas ähnliches war ihm auch in den Sinn gekommen. Da hatte ihn seine Neugier und sein Ehrgeiz, den Mitbewohnern so gut er konnte zu helfen, wohl vor einer frustrierenden Verpflichtung bewahrt. Virginie fragte ihn noch, was mit Kevin los gewesen sei und erfuhr, daß es immer noch das selbe, alte Lied sei, daß dieser denke, die Leute hier würden Julius zu sehr verplanen und zu sehr an irgendwelchen kurzen oder langen Leinen halten.

"Ja, und er meint, dir das andauernd unter die Nase zu reiben würde das ändern?" Fragte Virginie. "Wenn Maman das mitgehört hätte hätte der gleich die Heimreise antreten oder die versäumte Putzaktion nachholen dürfen, obwohl im Musikpark gerade mehr Zelte als Bäume herumstehen."

"Weißt du, das wurmt mich nicht so heftig wie dieser Undank gegen alle, die mir geholfen haben, ihn aus Hogwarts zu holen, als die Dementoren ihn küssen sollten. Wenn er mir dann noch damit kommt, daß es ohne mich ja nicht soweit gekommen wäre haut das tiefer rein als ein Fallbeil. Aber ich will mich dem gegenüber nicht klein machen."

"Feierst du deinen siebzehnten Geburtstag noch groß?" Fragte Virginie. Julius wiegte den Kopf und erwähnte, daß sie eine Eule von ihm kriegen würde, wie es genau über die Bühne gehen sollte. Dann verabschiedete er sich von seiner Ablösung und durchquerte zu Fuß die magische Absperrglocke, um dann direkt in die Empfangshalle des Apfelhauses zu apparieren, wo Gloria gerade gegen eine vollschlanke Hexe mit rotblondem Haar Schach spielte.

"Ah, Mittagspause?" Begrüßte die große, stattliche Hexe den Heimkehrer in bestem Englisch.

"Sagen wir mal, die Seeleute nennen das Freiwache, Oma Line. Bis vier habe ich Ruhe. Dann darf ich noch ein paar Schlüssel mit Leuten dran einsammeln bis acht. Werden noch ein paar aus den Staaten mit dabei sein", erwiderte Julius in seiner Muttersprache. Dann fragte er, wieso sie nicht Französisch spreche, wo Gloria die Sprache könne. Sie erwiderte, daß sie ihre Sprachkenntnisse erproben wolle und wegen Brittany und Pina auch Englisch sprach. Das nahm Julius als passende Begründung hin.

"Millies Großmutter hat dich gesucht, weil sie gehört hat, daß sie wohl das diesjährige Schachturnier wegfallen lassen, weil die bei so vielen Besuchern nicht früh genug auswählen können, welche zweiunddreißig Leute teilnehmen können. Da ich da gerade meine Hausaufgaben für Slughorn fertigbekommen habe habe ich sehr voreilig zugestimmt, mit ihr ein paar Partien zu spielen. Aber die ist selbst für mich zu überlegen", grummelte Gloria.

"Du hättest so spielen sollen wie meine Mutter letztes Jahr gegen sie gespielt hat. Nicht auf Gewinnen, sondern nur auf Verteidigen", erwähnte Julius. Dann fragte er, wo seine Frau sei.

"Die und Britt bringen Pina ein paar Küchenzauber bei. Die machen einen veganen Auflauf ohne Käse, Sahne oder Fleisch, nur mit Maismehlumkleidung. Ist wer angekommen, den wir kennen, Julius?"

"Die Malones sind da. Ich durfte Kevins Cousine Gwyneth kennenlernen", erwiderte Julius mit einer gewissen Verstimmung.

"Und, wie ist Kevin gestimmt?"

"Immer wenn der hier ist leiert er mir runter, was für ein armer verplanter Wurm ich sei. Das Lied kannte ich ja schon. Aber daß er das immer noch nicht kapiert, wie viel Glück der hatte, daß er aus Hogwarts rausgeholt wurde. Na ja, du kennst die Geschichte ja."

"Frust, Julius. Seitdem es mit Gilda aus ist und er das mit Myrna zu locker genommen hat bekommt der in Hogwarts keine Verabredung mehr hin. Ich selber denke nicht so wie er. Aber er wirft dir und den Leuten aus Beauxbatons und Millemerveilles vor, ihn aus der Schule rausgerissen zu haben und er jetzt zwischen Mitleid und Neid der anderen herumlaufen muß. Ich hätte dich vielleicht vorwarnen sollen. Aber ich dachte, seine Eltern hätten ihn zumindest soweit beruhigt, daß Hogwarts nicht die ganze Welt sei."

"Er fühlt sich also wie ein entwurzelter Baum, der nicht mehr anwachsen kann?" Fragte Ursuline Latierre. Gloria sah sie einen Moment lang verdrossen an, weil sie sich da einmischte. Doch sie bedachte Gloria mit einem von ihr untypischen strengen Blick und schaffte es damit, daß Gloria die Augen niederschlug. Dann sagte sie zu ihr und Julius:

"Natürlich betrifft und interessiert es mich, was aus dir, Gloria, den beiden Mädchen und dem lebhaften Jungen geworden ist, nachdem ihr ja alle für einige Stunden bei mir im Haus gewohnt habt. Außerdem geht mich Julius' Stimmung genausoviel an, wie sie Millie betrifft. Immerhin bin ich seine angeheiratete Oma."

"Deine Frage, Oma Line, wenn Kevin mir das vorwirft, ich hätte ihn aus seiner sicheren Umgebung rausgerissen und es ihm verdorben, da wieder reinzufinden, dann haue ich dem ohne diesen Dienstumhang hier demnächst um die Ohren, daß entwurzelte Bäume normalerweise zu Kleinholz zerhackt werden und er gefälligst froh sein könne, daß seine Seele nicht im Bauch eines Dementors herumjammern müsse", erwiderte Julius. "Ich fand es auch unverschämt, daß der mir bei einer kurzen Unterhaltung mit Mitreisenden reingequatscht hat und ich wegen der Arbeit nicht drauf antworten durfte. Und dann kamen noch zwei Herren aus Cloudy Canyon, die meinten, sich vor den anderen und mir wegen ihrer Figur anpieksen zu müssen und fast deswegen miteinander duelliert hätten. Ich habe denen dann gesagt, daß das hier nicht erlaubt ist und die deshalb Ärger kriegen könnten."

"Ach, der Portschlüssel hat's geschafft, Buck Fulbright und Vince McDuffy, Pattys großen Onkel über den Wassergraben zu schleppen?" Hörte Julius Brittanys Stimme von der mit unzerbrechlichem Glas umfaßten Wendeltreppe her. Die weizenblonde Quodpotspielerin kam gerade mit einer dampfenden Auflaufform in den Händen herunter.

"So haben die sich mir vorgestellt, Britt. Hast du die auch schon mal getroffen?"

"Damals, als wir im Quodpot-Stadion Zuflucht gesucht haben waren die mit dabei. Linus meint, die würden sich immer wegen ihrer Bäuche anmachen. Oh, schon wieder eine Partie um?"

"Nummer sechs in Folge, Brittany. Ich glaube, ich lasse es für heute", erwiderte Gloria.

"Wie ist es, möchten Sie mit uns essen oder zu Ihrer Tochter in das offizielle französische Weltmeisterzentrum, Madame Latierre?"

"Mein Mann hat wegen der Flohnetzüberwachung bis heute Abend zu tun, und meine Kinder sind bei meiner Tochter Barbara auf dem Hof gut versorgt. Da nehme ich die Einladung gerne an, weil mich interessiert, was ohne Fleisch- und Milchprodukte gekocht werden kann."

"Wir haben auf jeden Fall genug. Linus wollte erst heute Abend zurückkommen, weil ihn die Schattenhäuser interessieren. Da ist also genug für Sie mit dabei, Madame", sagte Brittany. Ursuline Latierre nahm die Einladung an und schlug vor, draußen zu essen. Julius verwendete den Schnellumkleidezauber, um aus den Arbeitssachen in seine Freizeitkleidung zu wechseln. Gloria sah ihn bewundernd an und meinte amüsiert:

"Normalerweise brauchen nur wir Hexen diesen Zauber."

"Wir Jungs auch, Gloria. Es gibt Situationen, da ist es sehr gut, den Zauber zu können", erwiderte Julius. Da kamen Millie und Pina mit weiteren Geschirrteilen herunter.

Draußen auf der Wiese genossen sie den Auflauf aus verschiedenen Gemüsen, Maiskörnern und Weizenmehl. Dabei umspannte Gloria den Tisch mit dem Zauber, mit dem sie schon einmal Linos Gehör ausgesperrt hatte. So konnten sie frei darüber sprechen, was am Morgen gelaufen war.

"Wird dem Fleischberg Fulbright sicher imponiert haben, daß du ihm auf die breiten Füße geholfen hast. Hast du ihm erzählt, wieso du das anstellen konntest?" Fragte Brittany.

"Schwermachertraining, habe ich ihm geantwortet. Habe selbst gestaunt, als der mir sein Gewicht verraten hat."

"Das hat der sich echt getraut?" Fragte Brittany erstaunt zurück. Ursuline Latierre wandte ein, daß jemand, der sich trotz Leibesfülle noch wohlfühle und sich noch gut bewegen könne sich für sein Gewicht nicht zu schämen bräuche. Brittany errötete an den Ohren und wandte ein, daß es Leute gäbe, die auf Biegen und Brechen alles in sich hineinschaufeln müßten und das als Vorrecht dessen sähen, der das ganze Essen bezahlen könne. Andere könnten so wenig essen, wie sie wollten und nähmen trotzdem zu. Vor allem sei es aber das viele Tierfett, was viele zunehmen ließe.

"Soso", grinste Ursuline Latierre. "Und ich dachte immer, die vielen Zwiebelkuchen mit Marmelade, die ich in meinem bisherigen Leben für mich und andre in meinen Bauch gestopft habe hätten das bewirkt. Außerdem kann jemand mit viel Kakao und noch mehr Kokoscreme auch gut zulegen." Millie grinste. Brittany erkannte, daß sie da wohl ein wenig zu weit gegangen war und entschuldigte sich. Dann ging es wieder um die beiden Männer aus Cloudy Canyon, daß die sich fast duelliert hätten und Julius offenbar richtig gehandelt habe, die beiden streng anzufahren.

"Die werden nicht erwachsen, Julius. Die haben sich genauso über Linus' Ausrutscher amüsiert wie die meisten halben Hemden da", erwiderte Brittany. "Auch ein Grund, warum Linus aus dem Ort weg wollte."

"Für Mr. Fulbright ist Millemerveilles zu weitläufig. Er hat wohl Sorge, daß er hier verlorengeht", sagte Julius.

"Klar, wer in einem Schlauch wohnt kriegt sofort das große Zittern, wenn er meilenweit keine Wand um sich herum sehen kann", stichelte Brittany. Gloria wandte ein, daß Cloudy Canyon schon interessant sei. Aber die ganzen Häuser da hätten ja alle neu aufgebaut werden müssen. So ging es kurz um die Entomanthropen und dann um das verstrichene Jahr. Als Julius noch erwähnte, daß er die australische Heilzunftsprecherin Laura Morehead getroffen habe nickte Ursuline.

"Ja, hat Trice schon erwähnt, daß sie am kommenden Montag mit den europäischen Heilerinnen und Heilern eine kurze, inoffizielle Zusammenkunft in der Delourdesklinik hat, um über die Heiltränke in Australien zu diskutieren", erwiderte Ursuline Latierre darauf. "An dem Tag spielt Spanien gegen Marokko. Das wird wohl eine sehr temperamentvolle Begegnung."

"Stimmt, die sind im Südstadion. Die können sich nicht ab, weil sie zu nahe beieinander wohnen und der spanische Spile-und-Sport-Chef groß getönt hat, die beiden Ligen mit den Italienern, Algeriern und Tunesiern zu einer Mittelmeerliga zusammenzulegen. Die Ägypter hatten gleich gesagt, daß sie da nicht mitmachen, wir Franzosen auch. Die Marokkaner liegen da wohl mit ihrem Zaubereiministerium im Streit, weil das die Möglichkeit wittert, die Unterstützung der Liga zu kürzen oder ganz wegfallen zu lassen. Señor Valdez Gracián von den Toledo Tormentosos hat mir das erzählt, als wir genug Zeit hatten, über die Vorbereitungen auf die Weltmeisterschaft zu sprechen. Da es bei denen wohl in den Zeitungen dick und fett ausgewalzt wurde hatte er kein Problem damit, daß Linda Knowles mitgehört hat. "Marokkos Quidditchhelden an Spanien verschachert" soll bei denen in Nordafrika eine Schlagzeile gelautet haben. Die werden das am Montag heftig miteinander auskämpfen. Da ist Sicherheit wohl oberstes Gebot."

"Bist du dann da bei denen eingeteilt?" Fragte Julius seine Frau.

"Neh, das machen die Ministeriumsleute. Von denen können genug Spanisch. Ma kann die Sprache auch. Die macht dann die Stadionsprecherin."

"Und, lief das Interview mit Aurora Dawn gut ab?" Fragte Ursuline Latierre.

"Die neue Ausgabe von Quaffel & Co. ist morgen im Handel", antwortete Millie. "Wenn Connie Dorniers Artikel von denen gebracht wird kannst du es nachlesen."

"Werde ich mir dann wohl bei Pattie ausleihen. Die aboniert die Zeitschrift ja."

"Hast du schon was von deiner Mutter gehört, ob sie die ersten Prüfungen geschafft hat?" fragte Ursuline Latierre Julius. Dieser schüttelte den Kopf. Seine Mutter hatte bisher nichts darüber gemeldet, wie die ersten ZAG-Prüfungen gelaufen waren. Sie wollte sich auch erst dann mit ihm darüber unterhalten, wenn sie alle Prüfungen überstanden hatte. Aber zumindest war sie zu den Prüfungen zugelassen worden.

Sie sprachen weiter über die erste Woche, die nun fast verstrichen war, über den Sieg der Roten im Beauxbatons-Quidditchturnier und die anstehende Hochzeit zwischen Sandrine und Gérard. Julius räumte ein, daß ihm die Art, wie Sandrine Gérard hingehalten habe schon etwas befremdlich vorgekommen sei, Gérard aber ja am Ende hätte entscheiden können, ob er sich von ihr auf den Besen heben lassen wolle oder nicht.

"Jaja, der Junge hatte wohl Probleme, zwischen seinen Gefühlen zu entscheiden", bemerkte Ursuline Latierre dazu. Dann fragte Gloria, was das mit Bernadette Lavalette sei, weil Melanie ihr da was erzählt habe, daß sie Cyril Southerland an sich gebunden hätte und mit ihm in ein magisch abgeschirmtes Versteck geflohen sei. Ursuline Latierres Gesicht änderte sich von dem einer liebenswerten, lebenslustigen Großmutter zu dem einer zornigen Furie. Gloria erbleichte und fragte eingeschüchtert, ob sie da was falsches gesagt hatte. Ursuline sah Julius auffordernd an. Dieser berichtete Gloria, was passiert war und erwähnte das, was Madame Faucon ihnen allen erzählt hatte und auch, was es mit Gaston Perignon zu tun hatte. Gloria nickte verhalten und seufzte:

"Deshalb die Schlagzeile im Kristallherold: "Dumme-Jungen-Wette legt Southerland an kurze Kette". Catenasanguinis also. hat meine zu früh verstorbene Oma Jane schon mal angedeutet, daß dieser Fluch zu den heimtückischsten Zwingzaubern gehöre, die es gebe. Dann hat die sonst so überhebliche Bernadette den von irgendwem gelernt oder hat die etwa Potentia Matrium gelesen?"

"Nach dem, was sie in ihrem Abschiedsbrief stehen hat hat ihr wer die genaue Ausführungsanleitung zugeschickt", sagte Julius. Millie nickte. Gloria nickte auch. Ursuline schnaubte:

 

"Dieses dumme, menschenverachtende Mädchen wird nie wieder im Leben froh sein. Sie fühlt sich zwar jetzt berghoch überlegen und triumphiert, weil sie diesen Maulhelden und Abenteurer an sich gebunden hat. Aber richtig glücklich wird diese Beziehung niemals werden. Er wird sie sein Leben lang hassen und auch das unschuldige Kind, das durch diesen Fluch als seine Haltekette mißbraucht wird. Es wird nie wie die anderen Kinder aufwachsen können. Kein Wunder, daß Blanche Faucon da so heftig aus der Flugbahn geraten mußte. Und dann noch wegen einer Wette." Julius hätte fast gesagt, daß Cyril und Gaston sich nicht anders benommen hätten als die beiden Schulmädchen Ursuline Latierre und Blanche Rocher. Doch er hatte Madame Faucon das Versprechen gegeben, nichts zu verraten, was er darüber wußte. "Ohne den Abschiedsbrief dürfte die gute wohl keine Anstellung mehr haben", vermutete Ursuline Latierre dann noch. Julius nickte. Gloria entschuldigte sich noch einmal, daß sie dieses Thema angefangen hatte. Millie meinte dazu:

"Du wolltest das wissen und weißt es jetzt. Da mußt du dich nicht für entschuldigen."

"Zumindest haben die Southerlands sich nicht über Beauxbatons beschwert", wußte Brittany. "Sie haben zwar mal erwähnt, ob es nicht möglich war, alle Schüler zu überwachen. Doch weil das in Thorntails ja auch nicht passiere sind sie schnell wieder stumm geworden. Die kennen ihren Sohn schließlich."

"Am besten betrachten wir die Angelegenheit als für uns erledigt", sagte Julius. Die anderen stimmten ihm zu.

Die Zeit bis zur nächsten Runde Portschlüssel verbrachte Julius mit Brittany und Gloria in seinem Geräteschuppen, wo er ihnen das Internet vorführte und mit ihnen ein wenig Fernsah. Millie und Pina waren mit Ursuline Latierre in das Sonnenblumenschloß geflohpulvert, weil Pina dort noch nie gewesen war. Brittany wollte es sich morgen mit Linus zusammen ansehen, hatte sie schon mit ihm und der Schloßherrin abgesprochen.

"Deine Mom arbeitet nun dran, Spuren aus der Zaubererwelt zu verfolgen, um muggeltaugliche Entschuldigungen entwickeln zu können?" Fragte Brittany. Julius bejahte das. Hier in dem Schuppen konnten sie keine magischen Abhörsicherungen aufrufen. Das hätte die Elektronik verwirrt. Julius fragte, was aus dieser Vampirlady geworden sei. Wenn Linda Knowles da mehr drüber wußte, würde es für ihre Horcher wohl uninteressant sein.

"Da ist irgendwas gelaufen, von dem das Ministerium nichts rauslassen will. Angeblich bestehe für die Staaten keine Gefahr mehr, seitdem dort eine Kleinstadt mit einer Vampirseuche behaftet gewesen sei", erwiderte Brittany. Dann erläuterte sie, was sich laut Kristallherold und Westwind in der Kleinstadt Buffalo Creek zugetragen hatte. Julius erbleichte. Das war ja ungeheuerlich. Da hatte diese Nyx eine Möglichkeit gefunden, Vampirismus wie eine biologische Waffe einzusetzen, um mehrere hundert Artgenossen auf einmal zu erschaffen. Gloria bemerkte dazu, daß das LI sicher hinterher war, um den Überträger zu isolieren und unschädlich zu machen. Brittany bestätigte das. Doch seit Anfang Mai gäbe es keine neuen Sichtungen von dieser Nyx mehr. Das Ministerium wolle damit jedoch noch nicht an die Öffentlichkeit, ob die Gefahr beseitigt sei oder nur aus den Staaten verbannt werden konnte. Statt dessen habe sich die Presse auf die Geburt von Wishbones Baby gestürzt und habe mehrere Interviews mit der glücklichen Kindesmutter geführt. Willow vom Herold hat in die Welt gesetzt, daß damit bewiesen sei, daß Anthelia erledigt sei, weil die ein Kind von Wishbone sicher nicht lang überleben lassen würde und die Mutter des Jungen ja nur in einem geschützten Haus unter Unortbarkeitszaubern hätte leben können, falls noch eine Gefahr für ihren kleinen Anthony bestehe."

"Oder der Kleine ist ihr zu unwichtig, wo dessen Vater tot ist", erwiderte Julius. "Die hat sicher anderes zu tun als kleine Kinder umzubringen. Apropos, wie geht es dieser Lysithea Greensporn?"

"Die ist mit ihrer Mutter umgezogen und mit unbekanntem Ziel aus der Zaubererwelt verschwunden, weil da angeblich eine Gefahr für das Kind bestand", erläuterte Brittany. Julius konnte das nur durch ein Nicken bestätigen. Laut sagen wollte er dazu nichts. Denn wenn Lino erfuhr, was ihm in der Sache durch den Kopf ging, hätte er sich wem auch immer ausgeliefert.

Kurz vor vier Uhr bezog Julius Latierre wieder seinen Posten hinter dem Registrierpult und erwartete den ersten Portschlüssel. Als um genau vier Uhr einer aus Misty Mountain in den Staaten eintraf hingen hundert Leute daran. Der Portschlüssel war ein mehrere Dutzende Meter langes Tau. Julius war froh, daß die Angereisten alle Flugbesen mitgebracht hatten. So dirigierte er den Schwarm der Besucher zu den Lagerplätzen. Die Amerikaner wollten offenbar das erste und vielleicht einzige Spiel ihrer Mannschaft miterleben. Dann übernahm er noch zwei Gruppen aus England und Irland. Bei der englischen Gruppe war auch eine Hexe namens Benefica Newport, die eine schwangere Hexe in der vierunddreißigsten Woche betreute. Diese war für die Portschlüsselreise in einer Art gepolsterten Sack gesteckt worden, aus dem nur der Kopf in einer kissenartigen Kapuze herauslugte. Julius fragte, ob er wegen der werdenden Mutter die residente Heilerin von Millemerveilles informieren solle.

"Ich sehe, Sie haben einen dieser Silberarmreifen aus Beauxbatons um und sind daher wohl einer von Florence Rossignols Gehilfen, junger Mann. Aber ich weiß wo die werte Kollegin Matiene wohnt und weiß, daß sie meine Sprache spricht wie ich ihre. Mrs. Jordan wird von mir betreut. Womöglich muß ich ihr hier bei der Niederkunft helfen. Die gute Hera wird durch sie nicht noch mehr belastet als die Weltmeisterschaft es ohnehin tut."

"Wie Sie erkannt haben bin ich ja wegen der Zugehörigkeit zu den Pflegehelfern verpflichtet, mich auch um Gesundheitsangelegenheiten zu kümmern, Madam Newport", wandte Julius ein. "Wenn Ihre Patientin vorzeitig niederkommen muß sollte Madame Matine das zumindest wissen. Aber ich respektiere Ihre Kompetenz, sie zu betreuen, Madam."

"Immerhin etwas", erwiderte die mitgereiste Hebamme lächelnd. Dann sah sie Julius noch einmal genau an. "Dann stimmt es doch, daß Sie vor einiger Zeit durch gewisse Umstände ein besonderes Größenwachstum durchlaufen haben. Finden Sie sich damit gut zurecht?"

"Nachdem die dieses bewirkende Phase überstanden ist ohne Probleme", erwiderte Julius darauf und merkte dann noch an, daß es ihm jetzt mehr Vor- als Nachteile bescherte. Dann rief er einer Pendelkutsche für die Jordans und führte den Rest der Neuankömmlinge durch die Barriere.

Weitere Gruppen trafen ein. Dabei war auch der frühere Stadionsprecher Lee Jordan. Julius überlegte schon, ob er mit der hochschwangeren Hexe verwandt sei, als Lee ihm auf die Schultern hieb und sagte:

"Jau, du machst hier den Empfangschef für uns Angelsachsen. Habe deinen Auftritt bei dem Umbridge-Prozeß mitbekommen. Cool, Mann, wie du die alte Kröte vorgeführt hast. Du bist jetzt im UTZ-Stress und machst dann für die hier noch Besucherübernahme? Freiwillig?"

"Sagen wir so, ich kassiere lieber eine kleine Menge Galleonen als mich hier zwangsverpflichten zu lassen. Ich wohne ja hier."

"Huch, ich dachte, deine Mum lebt bei den Brickstons in Paris und du ... Aber klar, wo du mit der zweiten Tochter von der großen Chefin der WM verbandelt bist haben die euch wohl gleich ein Haus hier hingestellt, oder?"

"Ganz genau, haben die", erwiderte Julius. Lee winkte Dean Tomas, einem Klassenkameraden Harry Potters, der zusammen mit Neville Longbottom und seiner Großmutter Augusta in der Reisegruppe angekommen war. "Ey, Neville, das ist der Typ, der der Umbridge die Tour mit den Hollingsworths und der Tochter von Dione Porter versaut hat!" Rief Lee Jordan. Neville kam auf Julius zu. Dieser meinte, er würde gleich im Boden versinken. Denn Neville hatte in Hogwarts mehr durchgemacht und hinbekommen als er selbst. Vor allem, wie Neville sich gegen Voldemort gehalten hatte imponierte Julius am meisten. so begrüßte er Neville auch in aller Bescheidenheit und sagte ihm, daß er ja eine Menge mehr überstanden hatte und jetzt eher als Held durchgehen müsse als jeder andere.

"Lee ist Radiomann, der gerne Sensationen verkündet. Das kriegt man aus dem nicht mehr raus, seitdem Potter Watch zum offiziellen Sender der neuen Zaubererwelt geworden ist. Hätte damals ja auch nichts gebracht, gleich die ganze Bagage abzusägen, wo Voldemort sofort neue Marionetten ins Schloß geschafft hätte. Aber der ist jetzt erledigt. Oma, das ist Julius Latierre, der von der Umbridge-Bande gejagt wurde und deshalb Leute anschreiben mußte, die seine Freunde bei uns rausgeholt haben."

"Sie hatten ja wirklich Glück, daß sie bei dieser ehrenwerten Madame Faucon unterkamen, bevor die Lage für Sie zu gefährlich wurde. Dieses dumme Weib hätte Sie doch glatt öffentlich vorgeführt und hinrichten lassen", sagte Mrs. Longbottom. "Jedenfalls haben Sie auf diese Weise mitgeholfen, seinen Größenwahn nicht unbegrenzt ausufern zu lassen, junger Sir. Aber daß sie schon so jung die Frau für's Leben gefunden haben imponiert mir mehr als das, was Sie mit Madame Faucon und ihren Vertrauten angeschoben haben." Julius bedankte sich. Er sah locker über die Kleidung der schwergewichtigen Hexe hinweg, vor allem über den Hexenhut mit dem ausgestopften Geier auf der Spitze. Er fragte Neville, ob er sich die Grüne Gasse in Millemerveilles ansehen wolle. Neville wußte davon noch nichts. Dann meinte er: "Ich kann die Sprache hier nicht. Gibt's da auch Führungen in Englisch?"

"Wenn Sie das möchten, kriegen wir eine hin, Mr. Longbottom", sagte Julius.

"Du kannst den noch duzen, ist ja gerade aus Hogwarts raus", mischte sich Lee ein. Julius verdrängte seinen Unmut und fragte schnell zurück, ob noch Verwandte von ihm hier eintreffen würden.

"Wenn meine Tante Elly ihre derzeitige Aufpasserin breitschlagen konnte, trotz Babybauch einen Portschlüssel zu nehmen könnte die schon hier sein", sagte Lee Jordan. Julius sagte leise, daß sie tatsächlich schon eingetroffen sei. Lee erwähnte dann, daß er sich dann mit seinem Onkel unterhalten könne und wollte fragen, ob man in das Dorf hineinapparieren könne. Julius wies ihn und alle anderen darauf hin, daß man nur innerhalb der magischen Glocke apparieren könne, aber nicht von draußen hinein und von drinnen heraus. Dann fragte er, ob genug Besen da seien. Er beschwor aus dem Dorf mehrere Flugbesen der Leihfirma, die an einem bestimmten Ort bereitgestellt wurden und führte die Gäste zu den Zeltplätzen. Dann brachte er, weil noch Zeit war, Neville Longbottom und seine Großmutter zu Camille Dusoleil, die gerade wieder eine Führung durch die grüne Gasse vorbereitete. Als Julius übersetzt hatte, daß Neville gerneeine Führung mitmachen würde sagte Camille:

"Morgen früh führen meine Tochter Jeanne und ich englischsprachige Besuchergruppen durch die grüne Gasse. Aber sie kann auch ohne Führung besichtigt werden. Nur für die Häuser mit den Karnivoren muß einer von uns dabei sein."

"Dann melden wir uns für morgen früh an", entschied Mrs. Longbottom für sich und ihren Enkelsohn. Camille bestätigte das auf Englisch, was sie zwar nicht so gut konnte wie ihre Tochter Jeanne, aber doch ausreichend, um festgelegte Ansprachen und Erklärungen abliefern und Fragen beantworten zu können. Damit hatte Julius diesen Punkt auch erfolgreich abgeschlossen.

Als er abends wieder vor seinem Haus apparierte traf er dort auf Hippolyte Latierre und ihre jüngste Tochter Miriam. Er meldete im Stiel eines Beamten den ordnungsgemäßen Vollzug des ersten Arbeitstages, bevor seine Schwiegermutter lachte und meinte, ihr gegenüber müsse er nicht den Untergebenen herausstellen, das sei er nicht. Hippolyte wollte lediglich wissen, ob er bereits bekannte aus seiner früheren Schulzeit getroffen habe. Das bestätigte er und erwähnte auch, daß es mit Kevin Malone wohl nicht besser geworden sei.

"Weil schon wieder ein Jahr zwischen dem dunklen Jahr und heute vergangen ist, Julius. Er sieht in dir wohl immer noch einen eingeschüchterten, von uns anderen herumkommandierten Jungen, obwohl er selbst nicht viel mutiger war oder ist. Mag auch sein, daß sein Jahr in Thorntails ihn von den anderen entfremdet hat und er jetzt die Wut darüber an dir abreagieren muß, weil du mitgeholfen hast, daß er aus Hogwarts herausgeholt wurde und er deshalb bei den anderen jetzt als Feigling oder Bevorrechtet angesehen wird. Aber daß er lebt sollte ihm irgendwann wichtiger sein als das Geschwätz seiner Kameraden." Julius nickte sehr sacht. Richtig glauben wollte er das nicht. Doch jetzt zu widersprechen hatte er auch keine richtige Lust.

Hippolyte kehrte noch vor dem Abendessen in das hiesige Organisationshauptquartier zurück. Somit gehörte der Abend den jungen Eheleuten Latierre und ihren Hausgästen.

Als Millie und Julius gegen elf Uhr in ihrem großen, nach außen schalldichten Ehebett lagen sagte Millie ihrem Mann: "Laß dich von dem, was Kevin tönt nicht runterziehen. Der weiß ja echt nicht alles, was dir passiert ist. Daß du extra zu ihm nach Hogwarts gereist bist und dich damit selbst in Gefahr gebracht hast will der Typ nicht in seinen Kopf kriegen. Ich kapiere es aber, wenn du den nicht einladen möchtest. Aber wenn du dem echt zeigst, wie wenig du auf seine Sprüche gibtst würde ich den mit seinen Verwandten zusammen einladen, damit er sieht, was die uns hier hingestellt haben. Dann soll der ruhig seinen Unsinn daherreden. Aber es ist dein Schulfreund, und so wie Gloria letztes Jahr mit ihm umgesprungen ist könnte es wieder krachen."

"Ich will da mal ein paar nächte drüber schlafen, Mamille. Noch ist ja Zeit", erwiderte Julius. Seine Frau sagte ihm dann, daß sie seine Entscheidung annehmen würde, wie immer sie ausfallen mochte.

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